Skandal in der UNA

Der Rektor der Nationalen Universität von Asunción (UNA) hat nach Darstellungen von Última Hora (UH) Familienangehörige mit hoch dotierten Professorenstellen innerhalb der Institution versorgt, keiner der Begünstigten verfügt über einen Universitätsabschluss. Froilán Peralta wurde vor einem Jahr nach erheblicher Einflussnahme von Juan Carlos Galaverna, Senator der ANR, Rektor der UNA, nachdem er zuvor 21 Jahre lang Dekan der veterinärmedizinischen Fakultät war.

Tatiana Cogliolo ist ausgebildete Kindergärtnerin und wurde mit nur 21 Jahren, ohne das übliche Bewerbungsverfahren zu durchlaufen, zur Privatdozentin für Veterinärmedizin berufen. Für die beiden Fächer, die sie anwesenheitsfrei unterrichtete erhielt die Tochter des Bruders der Frau von Peralta monatlich 5 Millionen Guaranies. Gleichzeitig „arbeitete“ sie als Assistentin von Peralta und erhielt weitere 3.559.000 monatlich, für ausgewählte Führungskräfte hat die UNA ein Programm aus dem nochmals jeden Monat 4 Millionen Guaranies an Bonifikation dazu kamen.

Die Direktorin der Administration, Gloria Netto, sprach bei der Bonifikation von einem Fehler und innerhalb von Stunden reduzierte sich der Wert auf der Webseite auf 2 Millionen Guaranies, an sich seien die Sonderzahlungen aber gerechtfertigt, durch die Leistungen von Tatiana im Bereich der Beschaffung, allerdings bestritt Tatiana Cogliolo in einem separaten Interview, jemals im Beschaffungswesen tätig gewesen zu sein. Der aktuelle Dekan Prof. Dr. Juan Gualberto Caballero rechtfertigte die Bezüge als Privatdozentin, mit ihren Forschungsbeiträgen und Peralta wies darauf hin, dass zur Dozententätigkeit nicht nur das Lehren gehöre, sondern die Arbeit in wissenschaftlichen Teams.

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Das Interview mit Cogliolo führte UH im Kindergarten des Rektorats der UNA, wo sie sich Montags ganztägig sowie Mittwoch und Freitag vormittags voll ihrer Spezialisierung widmen kann, wie sie sagt. Die offiziellen Arbeitszeiten im Rektorat sind derweil von 07:00 Uhr bis 13:00 Uhr. Sie trat am Montag von allen ihren Ämtern bei der UNA zurück.

Auch die Mutter von Cogliolo, Gladys Ester Cogliolo Sosa, sowie die Cousine, Evelyn Caballero Izquierdo, die mit ihnen wohnt, stehen auf der Dozentenliste der veterinärmedizinischen Fakultät. Die Mutter „doziert“ zwei Fächer im Bereich Kommunikation und ist aktuell an das Rektorat überstellt, wo sie, wie sie sagt, alle paar Tage ein Zertifikat ihre Arztes einreichte, welches ihre Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Der Dekan hat andere Informationen, nach seiner Darstellung arbeitet Cogliolo Sosa morgens in der Bibliothek und nachmittags bei Vorbereitung von Vorlesungen, sie hat bislang keine Berufsausbildung abgeschlossen.

Über ihre Arbeit sagt sie: „Das mache ich nicht wie eine Professorin. Mit dem Gehalt, das sie mir zahlen, wollen sie sicherlich eine Wertschätzung gegenüber meiner Person ausdrücken oder sie sahen nach einer Möglichkeit, mir ein würdiges Gehalt zu zahlen.“ Die Cousine Evelyn lehrt ebenfalls auf dem Papier Tiermedizin und figuriert zusätzlich als akademische Sekretärin, tatsächlich arbeitet sie als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft.

Hermógenes Rivas lehrt seit 25 Jahren, ebenfalls in zwei Fächern, Veterinärmedizin an der UNA. In einem Fachbereich konnte er nach einem Auswahlverfahren die Leitung übernehmen, damit hat die gleiche Gehaltsklasse erreicht wie Cogliolo, die er noch nie gesehen haben will. Er bedauert die Korruption in der Universität und die negativen Konsequenzen für die Qualität der Ausbildung. „Das gleiche System der Korruption, das es im Land gibt, wird hier in der UNA kopiert, inklusive noch ausgefeilter“, erzürnt er sich.

Er wirft Peralta vor, während seiner Zeit als Dekan politische Freunde in die Institution geschleust zu haben und das Gleiche im Rektorat zu wiederholen. Für die Berufung von Familienangehörigen in den Lehrkörper hat er eine einfache Erklärung. Dozenten sind wahlberechtigt im akademischen Rat, auf diese Weise werde die politische Macht gefestigt. „Es gibt Funktionäre auf der Liste der Professoren, mit der einzigen Funktion des Wählens, um so die Macht zu festigen“, erklärt er.

Das akademische Niveau leide stark durch durch die Vetternwirtschaft: „Wegen politischer Gefallen werden Noten geändert und auf uns wird ständig Druck ausgeübt, die Programme zu vereinfachen, damit es nicht zu schwierig wird, die Abschlüsse zu erlangen […] es fehlt wenig bis die Studierenden selbst ihre Prüfungsthemen auswählen dürfen.“

Quelle: Última Hora

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13 Kommentare zu “Skandal in der UNA

  1. Gibt es in Paraguay eine einzige Institution, in der es anders gehandhabt wird? Ich kann es mir nicht vorstellen.

    Aber Schuld hat das Volk von Paraguay doch selbst. Wer immer alles akzeptiert und duldet, wird nie aus dem Elend herauskommen.
    Frage ich einen Paraguayer, was er von diesen Dingen hält, dann ist er wütend – und anschließend sitzt er vor dem Haus und trinkt Terere und die Welt ist wieder in Ordnung. Und seine Kinder bekommen eine mehr als dürftige Bildung – gut für die herrschende Kaste – und freuen sich dann später auch über einen Hilfsarbeiterjob. (Fast) alle sind glücklich ;-(

    Da nutzt die bevorstehende große Demo für ein besseres Bildungswesen auch nichts. Dabei kann es ohnehin nur ein Ergebnis geben: mehr Geld oder frühere und höhere Pensionszahlungen für die Lehrer, die oftmals diese Berufsbezeichnung nicht verdienen.

    Ich habe einem Schüler Englischnachhilfe gegeben – nun soll ich zur Schule kommen und der „Lehrerin“ Rede und Antwort stehen, weil ich ihr Arbeitsblatt „kritisiert“ habe, das nicht einmal dem Niveau einen deutschen Englischschülers nach wenigen Jahren Unterricht entsprach.
    Für mich wieder mal eine Lehre – Einmischen bringt nur Ärger. Sollen sie doch schmoren im eigenen Saft.

        1. Ich habe dasselbe festgestellt bei einem Schueler einer deutschen Schule hier. Jedes einzelne Wort der Wochentage und Zahlenwoerter 1 – 10 war falsch. JEDES ! Ich dachte ich spinne, ich meine man muss sich schon fast anstrengen um soetwas hinzukriegen ? Der Schueler bestand darauf er haette es genauso abgeschrieben wie es ihnen gezeigt worden war ??

    1. Generell hast du recht Franz in fast allen punkten nur eines fehlte mir bei deiner aussage bezüglich das Paraguayer darüber schimpfen aber dann vor dem haus sitzen und terrere trinken und es dulden . Was ist bei denen damit anders als bei den dämlichen deutschen die sich ausbeuten lassen ?? sie regen sich auf über spritpreise schimpfen sie schaffen ihr auto ab … um nur ein beispiel zu nennen dann setzen sie sich mit bier und der chipstüte auf ihr sofa schauen in die glotze . nach 2 tagen wird es angenommen akzeptiert und keine sau redet mehr davon . Gleicher fall

  2. Na toll und an eine solch „serioese“ Institution muss ich mich wenden damit meine schweizerischen Studienabschluesse in Paraguay akzeptiert werden !

    1. Können Sie das wirklich bei einer Universität erledigen lassen? Meines Wissens nach war dafür immer das Bildungsministerium zuständig.

      1. In einem paraguayischen Gesetz bezueglich der Anerkennung des Ingenieurstitels steht drin das dieser durch die Universitaet bestaetigt werden muss.
        http://www.mic.gov.py/v1/sites/172.30.9.105/files/Ley%204_0.pdf
        Bezueglich dem BWL Studium weiss ich es noch nicht wer dafuer zuestaendig ist.

        Man kann sich dann mit den Titeln eintragen lassen ins REPSE Register beim Ministerium fuer Industria y Comercio falls man selbstaendig als Consultant oder Ingenieur arbeiten will.

        1. Interessantes Dokument, ich verstehe den Artikel 2 so, dass lediglich im Falle der Berufsausübung von Architekten, Agrimensoren und Topografen die UNA den Titel anerkennen muss.

          Für eine normale Anerkennung des Titels, zum Beispiel für eine Lehrtätigkeit ist oder Aufnahme eines weiteren Studiums ist meinem Wissensstand nach das Bildungsministerium (MEC) zuständig.

        2. Und das willst du dir hier wirklich antun?
          Du wirst doch genug Pension aus der Schweiz haben.
          Oder willst du unentgeltlich helfen, damit es hier vorwärts geht? Hauptsache ist dann, du wirst nicht zu sehr enttäuscht oder vereinnahmt, wie das meist der Fall ist. Du ackerst dann für die anderen mit.

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