Tacumbú: Nervosität macht sich breit

Asunción: Vor wenigen Tagen wurde wieder ein Insasse im größten Gefängnis des Landes ermordet. Die Nervosität lässt viele nicht schlafen. Zudem werden die Zimmer für intime Treffen, die immer erlaubt waren, nun von einem Mann überwacht.

Dieser Mann, genannt Tito, nimmt für jede Nutzung des für Insassen normalerweise kostenfrei zugänglichen Raum, eine Gebühr, je nach Gesicht des Antragstellers oder besser gesagt dessen Geldbeutel.

Da viele Insassen auf Geld von draußen angewiesen sind, was in Pandemie Zeiten weniger vorhanden ist, fehlt es auch innerhalb der Mauern an Geld, was wiederum die Lage in den Paarzimmern verschärft. Die, die Geld haben, genießen den Luxus sich mit den Frauen zu verabreden, die sie sehen wollen.

Hinzukommt, dass außer schwangere Frauen (im Buen Pastor) noch kein Insasse eine Covid-19 Impfung erhalten hat, ganz egal welches Alter er hat.

Wenn also die Insassen in Tacumbú kein Geld haben, machen sie das, was sie sich geschworen haben nie zu tun. Sie suchen die Nähe eines anderen Mannes. Wenn dann die eigentliche Frau oder Partnerin auftaucht kommt es immer wieder zu Eifersüchteleien und Kämpfen.

Die Nutzung eines privaten Zimmers kostet 30.000 Guaranies. Die Nutzung eines Handys kostet 10.000 Guaranies pro Tag oder 200.000 Guaranies im Monat. Einen Kühlschrank zu betreiben kostet 700.000 Guaranies pro Monat. Daran merkt man wie die Hierarchie innerhalb aufgebaut ist und kann sich vorstellen, dass dies nur in Komplizenschaft mit den Wärtern funktionieren kann, die wiederum froh sind, wenn Ruhe herrscht.

Wochenblatt / Extra

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Europakongress

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1 Kommentar zu “Tacumbú: Nervosität macht sich breit

  1. Die Gefängnisse auf dem gesamten Kontinent gleichen eher einer vorweg genommenen Hölle auf Erden. Wer das “Vergnügen” hatte hier einzusitzen, kommt als menschliches Wrack wieder heraus, oder als brutaler Gewaltmensch, jederzeit eine hoch explosive Gefahr für die Menschheit, psychisch gestört auf jeden Fall! Leider sitzen in diesen Gefängnissen ja nicht nur wirkliche Verbrecher, sondern auch solche, die zu Unrecht dort sind, aufgrund von Fehlurteilen oder gar von “gekauften Urteilen”, oder auch nur für längere Zeit in U-Haft (siehe Oberuber). Es gibt unter ihnen auch relativ viele Häftlinge, die dort tatsächlich vergessen wurden und keine Angehörigen haben, die sich um sie kümmern. Sie verrotten regelrecht darin. Dazu kommen viele, die keines wirklichen Verbrechens schuldig sind, sondern lediglich aufgrund eines Verkehrsunfalles mit tödlichem Ausgang (kann jedem jederzeit passieren) Die Insassen der Gefängnisse leben eher wie die wilden Tiere, sich selbst überlassen und jederzeit der Willkür von noch verrückteren und brutaleren Mitinsassen ausgesetzt. Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit mit einer Gruppe der Mennoniten dort einen Besuch bei zum Glauben gekommenen Häftlingen abzustatten und kenne daher die dortigen Verhältnisse ziemlich genau. Ich war danach wie schockiert, weil ich mir nicht in meinen schlimmsten Albträumen solche Zustände hätte vorstellen können! Daher kann ich nur Zugewanderten dringend nahe legen, sich in diesem Land stets defensiv zu verhalten, möglichst jedem Streit aus dem Wege zu gehen und sich lieber zehn mal zu viel überlegen, was das eigene Verhalten (gerade auch im Straßenverkehr) u.U. zur Folge haben könnte. Es mag zwar sein, daß man gerade hier in Paraguay als Zugewanderter die angeblichen “Freiheiten” besonders sucht und findet – doch diese kann ganz schnell abrupt beendet sein und in der Hölle enden!

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