Tragik und Freude mit Einschränkungen

Capitán Miranda: Im November 2004 entführte der Grazer Johann Ehmann seine beiden Kinder nach einer Trennung von seiner Frau und war für sie die nächsten 9 Jahre nicht auffindbar, trotz internationalem Haftbefehl.

Die Flucht des Vaters ging von Uruguay über Argentinien nach Hohenau, Paraguay, wo die Familie rund ein Jahr lebte. Danach zogen sie nach Capitán Miranda und lebten sich als Zuwanderer unter Alteingesessenen gut ein. Ihren Lebensunterhalt in einem gemieteten Haus sollen sie durch Mieteinnahmen bestritten haben. Da Johann Ehmann in Paraguay nur über Kontakt zu seinem Bruder in München und einer Immobilie sprach, liegt nah, dass über ihn die Sendungen ermöglicht wurden.

Als vor einem Monat Johann Ehmann nach einem Motorradunfall starb, wendete sich ein Freund von ihm, der ein Geheimnis kannte, an die österreichischen Behörden. Die Mutter, Georgine Ehmann, die in Ungarn geboren wurde und zwischenzeitlich wieder dahin zog, wurde von der Nachricht überrascht und ein Treffen wurde geplant. Auf der anderen Seite waren die Kinder, Ingrid (17) und Phillip (13), die von ihrem Vater geliebt aber auch beeinflusst wurden. Beide hatten höllische Angst von der Mutter und aus Paraguay verschleppt zu werden, so dass sie gegenüber nahe stehenden Personen mit Selbstmord drohten.

Motorrad von Ehmann 01

Um dieser ausweglosen Situation doch noch eine gutes Ende zu bereiten, arbeiteten das österreichische Konsulat in Argentinien und Paraguay, Psychologen auf beiden Seiten und alle daran, die die verunsicherten Kinder kannten.

Am 22.10.2013 um 09.00 Uhr kam es dann zu dem Treffen zwischen Mutter und Kinder in zu Beginn getrennten Zimmern der Stadtverwaltung von Capitán Miranda. Der Bürgermeister der Stadt, Basilio Hain war einer derer, die die Kinder tatkräftig unterstützte und sie zum Beispiel in das fast 400 km entfernte Asunción fuhr, wo ihr Vater mehrere Wochen auf der Intensivstation lag, bevor er starb. Nach etwa einer Stunde in getrennten Zimmern wagten die Kinder die Annäherung, die von Phillip, so die Aussagen eines Angestellten im Büro, weniger gewollt war als von Ingrid. Diese konnte sogar lächeln und sie umarmten sich.

Eingangstor zum gemieteten Grundstück von J. Ehmann

Da der Medienrummel vor dem Gebäude zunahm und das Wochenblatt in Zusammenarbeit mit dem ORF aus Wien sowie ungarische und paraguayische Medienvertreter präsent waren endete das Zusammensein relativ schnell und fast unsichtbar für die Kameras. Am Abend des gleichen Tages wurde die Mutter in das Haus der Kinder eingeladen, wo sie die letzten 4 Jahre lebten und wo neben einer Stiefmutter auch ein 15 Monate alter Halbbruder wartete.

Nach übereinstimmenden Aussagen lebten Johann, Ingrid und Phillip unter ihrem echten Namen ohne Verdacht bei der Polizei zu erwecken. Antonio Huerta, der Polizeikommandant des Ortes, der am Todestag von Ehmann nach Capitán Miranda versetzt wurde, arbeitete mehrere Jahre bei der Interpol und kannte detailreich den Fall Ehmann. Bei einer früheren Versetzung des Uniformierten hätte der Fall auch eine andere Wendung nehmen können.

Wie die Verteidigerin für Jugendliche, Diana Carolina Lugo oder eine Richterin der Stadt Encarnación erklärten, haben Kinder ab 11 Jahren Mitspracherecht und können demnach entscheiden ob sie in ihre alte Heimat wollen oder nicht. Derzeit jedoch sieht es nicht danach aus und weitere Treffen sind geplant.

(Wochenblatt)