Trinken wir bald Gen-Orangensaft?

Drei Buchstaben verbreiten mittlerweile auf der ganzen Welt Angst und Schrecken „HLB“. Viele haben davon noch wenig oder gar nichts gehört, das ist aber eine verheerende Krankheit für Zitrusfrüchte, auch in Paraguay. Jan Päßler hatte schon über aufgetretene Fälle in Coronel Bogado, Bezirk Itapúa, im Jahre 2013 berichtet.

Huanglonbing, Gelbe Trieb Krankheit wird sie genannt. Neu ist diese nicht, ihr Auftreten lässt sich bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Schon 1927 beschrieben Botaniker in Pakistan und Indien wie kerngesunde Obstplantagen zu Grunde gingen deren Ursprung in Pakistan begann. Andere Forscher vermuten, dass schon vor 500 Jahren die Krankheit in Afrika ausbrach, das berichten Quellen aus dem 18. Jahrhundert. Die Seuche hat bis jetzt an die 100 Millionen Bäume ausgerottet.

Ein Bakterium, Liberibacter, ist der auslösende Faktor. Die Infizierung erfolgt über die Blätter der Zitrusbäume, diese hat dann zur Folge, dass der Nährstoffkreislauf verlangsamt wird. Die Auswirkungen sind an den Blättern sichtbar, sie verflecken sich und die Früchte reifen nicht richtig. Der Baum stirbt nicht sofort ab, er hat noch eine ungefähre Lebensdauer von 3-5 Jahren. Wenn aber jetzt nicht sofort gehandelt wird dann ist eine Obstplantage nicht mehr zu retten.

Auslöser dieses Krankheitsverlaufs ist ein Floh, der Zitrusblattfloh, nur 3mm groß, sehr klein, unscheinbar aber mit katastrophaler Wirkung. Er ist resistent gegen sein eigenes Bakterium, saugt er aber an der Pflanze, infiziert er diese und bringt ihr damit den sicheren Tod. Noch dazu vermehrt er sich rapide, ein Weibchen kann bis zu 1000 Eier in dem kurzen Lebenszyklus legen, dabei langt ein Floh um die Pflanze zu infizieren.

Welche Maßnahmen in diesem Krieg Floh gegen Orange können eingesetzt werden? Es gibt manche, aber sie sind nicht einfach. Die sicherste Methode ist es, die befallenen Pflanzen sofort zu fällen und zu verbrennen, dies muss aber wirklich bei jedem Baum passieren, auch wenn er nur leicht erkrankt ist. Durch die schnelle Vermehrung infiziert der Schädling in kurzer Zeit sonst alle Nachbarpflanzen.

Ein weiteres Mittel ist natürlich das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln. Dabei zeigten aber Versuche, dass zwar der Schädling zurück gedrängt wird jedoch nicht komplett ausgerottet. Die nächste Population der Flöhe war dann immer mehr resistent gegen das Gift bis man auch nicht mehr weiter wusste.

In Kalifornien hat ein Team mit dem Biologen Hoddle ein anderes effektives Mittel gefunden. Ein natürlicher Feind des Zitrusblattfloh ist die Erzwespe Tamarixia radiata. Diese sticht den Blattfloh und legt ein Ei in ihm ab. Sobald die Larve schlüpft, wird dieser verzehrt. 300 Flöhe kann eine einzige Wespe töten.

Seit 2011 befassen Biologen sich mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Sie sollen so verändert werden, dass sie einen Eiweißbaustein bilden, der die Bakterienzellwände zerstört. Gleichzeitig stellte man fest, Spinat enthält ein Gen, das diese Eigenschaft ebenfalls besitzt. Versuche in Gewächshäusern waren erfolgreich, seit diesem Jahr erfolgen Freilandversuche.

Wollen Sie also bald Spinatorangensaft trinken? Sicherlich ein absurder Gedanke, wer weiß aber was noch alles so passieren wird. Gegen Genmanipulation veränderte Soja oder Mais sind wir gedanklich mittlerweile resistent geworden, erst aber war der Aufschrei groß, jetzt fragt kein Mensch mehr danach. In Paraguay ist alles möglich, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Es gibt trotzdem noch Leute, die anders denken, auch hier in Paraguay. Ein Großkonzern mit deutschen Wurzeln hat erst vor Kurzen 80.000 Orangenpflanzen in Gewächshäusern ausgebaut. Diese können geschützt von äußeren Einflüssen gedeihen. Durch diese Maßnahme dürften wir unseren Orangensaft, zumindest in Paraguay, doch noch gentechnikfrei genießen können.

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2 Kommentare zu “Trinken wir bald Gen-Orangensaft?

  1. Es ist nicht dass kein Mensch danach fragt.
    Das Problem ist, dass wir Menschen einfach essen muessen was unser Staat uns vorsetzt.
    Zum Beispiel Spritzen die Weizenproduzenten hier in Paraguay ihr Weizen vor dem Ernten mit Glyfosat ( Rudap ) ab, damit gewinnen sie mindestens fuenf Tage fuer die Soja zu saehen und wir fressen das mit Glyfosat behandelte Brot ohne dass uns jemand fragt ob wir das wollen.

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