Von der deutschen Kolonie ins Rampenlicht

Asunción: Senatorin Blanca Fonseca kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Heute lebt sie in einer luxuriösen Villa, reist in ferne Länder und lässt sich von Schönheitschirurgen operieren. Woher stammt das Geld dafür, dass sie so im Rampenlicht stehen kann?

Die Familie von Fonseca lebte in bescheidenen Verhältnissen in der Kolonie Independencia. Ihr Vater war Traktorist. Jetzt ist die Armut verbannt als aufstrebende Politikerin.

In sozialen Netzwerken werden die Ausflüge von Fonseca in das Glamourleben, ihre teuren Fahrzeuge und extravagante ästhetische Behandlungen stark kritisiert.

Der Aufstieg begann, als der Traktorist Anibal Fonseca von dem Gefährt abstieg und Bürgermeister von Independencia wurde, mithilfe der liberalen Partei. Damit gelangen eine wirtschaftliche Erholung der Familie und ein Weg in den Wohlstand.

Bevor Blanca Fonseca Senatorin wurde, war sie Beamtin der Wahljustiz. Dort hatte sie 2007 monatliche Bezüge in Höhe von sieben Millionen Guaranies.

In der ersten Legislaturperiode unternahm Fonseca etwa 30 Auslandreisen. Im vergangenen Jahr ging es nach New York für ein Seminar: “Herausforderungen der Hochschulbildung in der menschlichen Entwicklung und Gesellschaft“. Sie nutzte die Reise und nahm ihren Lebensgefährten Hernán Samaniego mit. Er bezieht ein hohes Einkommen von Yacyretá. 22,8 Millionen Guaranies monatlich.

Fonseca lebt in einer Villa in Lambaré und erwarb kürzlich eine weitere Liegenschaft in Ñemby. Woher kam das Geld für all den Luxus? Das wollten Reporter auch wissen, aber es erfolgte keine Reaktion.

Sechs Brüder und weitere Verwandte profitieren von der politischen Karriere Fonsecas. 2014 sollen diese insgesamt 1,073 Milliarden Guaranies an Gehältern im Jahr aus öffentlichen Geldern bezogen haben. Sonderzahlungen und andere Leistungen sind dabei noch nicht mit eingerechnet.

Wochenblatt / ABC Color

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9 Kommentare zu “Von der deutschen Kolonie ins Rampenlicht

  1. Wie sich aus dem Bericht unschwer erkennen läßt, spiel es absolut keine Rolle, ob man in diesem Land Angehöriger der Colorados oder der Liberalen ist. Sobald man einer dieser „geistigen und politischen Eliten“ des Landes angehört beginnt der „Aufstieg“, unerheblich von Qualifikationen, Verdiensten, Befähigungen oder sonstigen heraus ragenden, positiven persönlichen Eigenschaften. Insofern spielt es kaum eine Rolle, wer an den Töpfen der Macht sitzt. Das Ergebnis wird immer das gleiche bleiben. Wie kommt das? Da es sich in dieser Masse der Vorkommnisse nicht mehr um Einzelfälle handeln kann, darf schon die Frage erlaubt sein, liegen die Gründe dafür wesentlich tiefer, z.B. in einer allgemein gültigen Moralvorstellung und einem nicht vorhandenem Unrechtsbewußtsein? Wenn das so ist, kann es nur Kultur bedingt sein und wäre damit eine kaum ausrottbare „Volkskrankheit“ die immer weiter um sich greift. Wer wollte daran etwas ändern können, wenn es sowohl Entscheidungsträger als auch die Betroffenen selbst nicht erkennen und damit nicht ändern wollen? Ist es erlaubt als noch nicht angepaßter Zugewanderter, der damit einen geschärften Blick für derlei allgemeine verbreitete Eigenschaften besitzt, darauf hinzuweisen, oder ist das schon eine Art Beleidigung und Ehrverletzung, wie das so einige „Paraguay-Versteher“ auslegen und einem dafür sogar nahe legen, das Land wieder zu verlassen?

  2. Manni, Sie brauchen die Paraguay-Versteher oder die von ihnen nahegelegene Auswanderung nicht mehr erwähnen bzw. ständig zu wiederholen. . Ich denke, die haben das gepackt, was Sie meinen. Wenn nicht, dann sind sie einfach —-.

  3. Ergänzung: Die Landes-Versteher, hier: Paraguay-Versteher, kenne ich aus etlichen Ländern der so genannten Dritten Welt. Sie unterliegen dem so genann Verbuschungs-Effekt. D.h. sie lassen sich rein körperlich gehen, legen keinen Wert mehr auf Hygiene, vor allem keinen Wert auf körperliche Hygiene, erkennbar an: schlechten Zähnen sowie Muffel-Muffel. usw. Und/oder reden sich ihre Situation und die Lage im Lande schön, weil sie keine Möglichkeit sehen, ihre Situation zu verbessern, etwa duch Auswanderung in ein anderes Land. Man muß dies allerdings verstehen. Es ist eine ein psychologische Angelegenheit die eine Art von geistig- seelischem Abwehr- und Verteidigungsmechanismus darstellt.

  4. Die Korruption hier ist eine Pest und scheint wohl ein typisch paraguayisches Problem zu sein. ich sprach mit einer einfachen „Landfrau“ welche sich fanatisch dazu äuserte, endlich in die Politik zu kommen, damit sie reich wird. Fehlte nur noch der Schaum vorm Mund, ich war entsetzt! Die Menschen hier haben dies seit Generationen erlernt und verinnerlicht, Respekt vor eigentum ist nicht vorhanden, alles wird geplündert, am liebsten so leicht wie möglich, selbst die eigene Staatskasse!

    1. Die Korruption ist leider ein typisches Drittweltland-Problem, sogar deutlich besser entwickelte Länder als PY haben riesige Probleme damit (ex Bras. President wg Korruption verurteilt).

  5. Der Werdegang dieser Dame erinnert mich an meine eigene Tante. Sie wuchs mit meiner Mutter und anderen Geschwistern auf dem Land in aermlichen Verhaeltnissen auf. Die deutschen Grosseltern, meine Urgrosseltern, die unter dem gleichen Dach lebten, stramme Schwaben, stets sparsam, konnten leider nicht mehr deutsche Werte vermitteln.
    Sie ehelichte einen Paraguayer, einen loyalen Stroessneranhaenger, der einen hohen Posten in einem Staatsbetrieb belegte. Obwohl nicht allzu lange auf dem Posten, haeuften sie in kurzer Zeit ein betraechtliches Vermoegen an. Damit investierten sie in Laendereien, bauten Haueser und eine Viehwirtschaft auf. Beide mussten im Prinzip nicht mehr arbeiten gehen danach. Um den Schein zu wahren, gab man sich aus, man wuerde in einer Uni lehren. Ob das stimmt, weiss ich nicht.
    Geld verdirbt den Charakter und bei ihr war das definitv der Fall. Meine Mutter und sie sind tief zerstritten wegen Erbangelegenheiten. Und eine andere Tante von mir, die eigentlich recht kritisch ist, biedert sich ihr an, hypnotisiert von ihrem Reichtum, ausblendend die zweifelhaften Handlungen in der Vergangenheit.

    Aber von so einer „Karriere“ traeumen viele Paraguayer: Einen hohen Posten, viel Geld in kurzer Zeit, und dann nie wieder arbeiten gehen. Nach dem Motto: „Was geht mich denn die Armut im Land an?“

  6. Wie sich sich ihren Luxus finanziert? Das ist schon alles ganz legal. Denn wer es in die Wahlbehörde schafft, bekommt drei Jahre lang den Zahltag fürs Nichtstun ausbezahlt. Während einem Jahr vor den Wahlen müssen sie aber doch noch etwas tun. Da bleibt viel Zeit für Nebenbeschäftigung.
    Trotzdem hat sie und ihre Verwandtschaft sich ihre Staatsjobs verdient, indem ihr Vater gute Dienste für die Liberale Partei geleistet hat und evtl. immer noch leistet, indem er vom Traktorsitz in den Bürgermeisterstuhl umsattelte: Das ist nicht einmal so einfach mit dem Know-How eines Traktorchaufferurs eine Munispalidad zu leiten und die öffentlichen Gelder am richtigen Ort einzusetzen.
    Aber auch mit viel Geld für wenig Arbeit hat es die Frau nicht leicht, denn offenbar muss man bei Schönheitsoperationen auch mit Kunstfehlern rechnen, die dann nur wieder schwer Rückgängig zu machen sind.

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