Was kann Paraguay nach dem Sieg von Milei erwarten?

Asunción: Der Kandidat von La Libertad Avanza schlägt den Kandidaten der Regierungspartei Sergio Massa in der Stichwahl um 12 Punkte.

In Argentinien fand gestern die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen statt, bei der sich Javier Milei gegen Sergio Massa durchsetzte. Der Präsident der Nationalen Verwaltung für Schifffahrt und Häfen (ANNP), Julio César Vera, der auch Botschafter Paraguays in Argentinien war, äußerte sich zu den Erwartungen an die Ergebnisse der Wahlen.

“Der Sieg von Milei zeichnet sich durch seine Offenheit aus, denn er hat angekündigt, dass eine seiner ersten außenpolitischen Maßnahmen ein Besuch in Paraguay sein wird, und das weckt hohe Erwartungen an unsere bilateralen Beziehungen”, so Vera.

Er erinnerte daran, dass Paraguay und Argentinien in vielerlei Hinsicht wichtige Partner sind, vom Austausch von Strategien im Gemeinsamen Markt des Südens (Mercosur) bis hin zum Santacruz de la Sierra für die Mobilität zwischen den Flüssen Paraguay und Paraná. Ganz zu schweigen von der binationalen Entität Yacyretá und der Planung für den Bau von Brücken; nach Ansicht des ehemaligen Botschafters sollten die Beziehungen zwischen Paraguay und Argentinien in diesen Bereichen gestärkt werden.

“Im Fall von Milei können wir seine Handlungen nicht vorhersagen, weil er keine Geschichte von Aktivitäten hat, aber er hat sehr innovative Ideen, die verschiedene Sektoren rechtfertigen”, sagte er.

Hyperinflation

Die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass eine zweistellige Inflation in Argentinien seit mehr als einem Jahrzehnt die Regel ist, aber jetzt hat sie eine Jahresrate von 143 % erreicht, ein Rekord in mehr als 30 Jahren. In den Jahren 1989 und 1990 erlebte das Land eine Hyperinflation mit Raten von 3.000 % pro Jahr.

Im Jahr 2001 erlebte das Land seine schlimmste Krise mit der Beschlagnahmung von Bankeinlagen und einem Schuldenausfall von 100 Milliarden Dollar. Der soziale Ausbruch forderte 39 Tote, der Präsident trat zurück und innerhalb einer Woche wurden fünf Gouverneure abgelöst.

Das Misstrauen gegenüber der Landeswährung führte zu einer Kultur des Sparens in Dollar. Die Armut erreichte in der ersten Hälfte des Jahres 2023 40,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,2 Prozent, praktisch genauso hoch wie vor einem Jahrzehnt.

Verschuldung und Haushaltsdefizite sind Argentiniens chronisches Übel. Im Zeitraum 1961 bis 2022 gab es nur sechs Jahre mit einem Haushaltsüberschuss, so das argentinische Institut für Finanzanalyse. Seit 1958 hat das Land mehr als 20 Darlehensvereinbarungen mit dem Internationalen Währungsfonds unterzeichnet, die jüngste davon im Jahr 2018.

Wochenblatt / La Nación

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8 Kommentare zu “Was kann Paraguay nach dem Sieg von Milei erwarten?

  1. Es kann NUR besser werden. Die Beziehungen zwischen PY und Argentinien sind doch schon fast auf einem Tiefpunkt angelangt. Allerdings haben die Cartes-Colorados nun ein anderes Problem: Der neue Präsident Argentiniens will sich an die USA anlehnen – die Cartisten gefallen sich derweil weiterhin im USA-Haß weil sie damit ihrem Sektenführer Cartes gefallen wollen. Die gravierenden Politikausrichtungen zwischen PY und Argentinen könnten u.U. noch zu einer Belastung anderer Art führen. Wir werden sehen.

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  2. Dieser Milei ist der wandelnde Widerspruch in seinen Thesen. Es ist daher sehr schwer, ihn überhaupt zu fassen und einzuordnen. Dem Umstand geschuldet, dass er keine starke politische Kraft (in den Parlament oder in den Regionen) hinter sich hat, kann er letztlich nur bedingt etwas tun. Er kann daher nur mit Medien und Auftritten eine scheinbare Mehrheit schaffen, die dann den parlamentarischen Druck erzeugt, wo er eben ohne Zustimmung nichts tun kann. Damit ist er aber ein Abhängiger der Medien. Seine Medienauftritte hatten letztlich ihm auch dieses Amt beschert. Nach all den gescheiterten Regierungen und Präsidenten, welche die Probleme nicht lösen konnten, ist auch die Alternativlosigkeit wohl einer der Hauptgründe seiner Wahl.
    Was man aber etwas beachten muss: Milei ist bei den Young Leadern des Hr. Schwab des WEF mit dabei. Damit steht diese Macht und deren Netzwerk hinter ihm. Er hat eine ähnliche Blitzkarriere die diese gescheiterte Arden, oder weitere glücklose Politiker, die zwar noch sich halten, aber nichts wirklich zum besseren wenden konnten.
    Was Argentinien helfen würde, wäre ein Bruch mit dem Sozialismussystem, der Vollversorgung ohne Deckung aus der Produktivität des Staates. Vielleicht kann Milei genau hier den Hebel ansetzen und eine Veränderung bewirken. Wie er aber das schaffen soll, wenn die Töpfe wieder geschlagen werden, wenn etwas diese Mittel gekürzt werden, ohne selbst wirklich eine eigene Macht zu haben, da habe ich meine Zweifel. Folglich wird er wohl auch kläglich scheitern und die Dollarbindung letztlich nur weiteren Einfluss der Chinesen und Brics mindern. Aber das wäre für viele ja auch schon wünschenswert.

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    1. Kluger Kommentar! Leider ist es immer schwierig gegen Kommunisten und Sozialisten anzukämpfen. Diese versprechen dem Volk stets nur “Wohltaten”, daß sie die jedoch im Endeffekt selbst zu bezahlen haben, das kapieren sie nicht. Ist doch in Deutschland genauso. Da wählen die dummen und naiven Wähler die linken und grünen “Allesversprecher” und Sprücheklopfer und mittlerweile geht alles den Bach runter. Doch das Volk wählt weiterhin die gleichen und glaubt ernsthaft es könnte besser werden. War es nicht der kluge Einstein (übrigens auch ein Jude!) der Idiotie so erklärte: Wer immer und immer wieder vergeblich den gleichen Versuch startet und erwartet, daß der Versuch nun funktioniert ist ein IDIOT. Ganz meiner Meinung!
      Tut mir leid, ich kann nicht anders angesichts vieler idiotischer Zeitgenossen:
      Wer seine Hoffnung auf einen Psychopathen und Kriegstreiber/Verbrecher namens Putin setzt und sich mit diesem Frieden und Freiheit erhofft, ist für mich genau das, was Einstein beschrieben hat. Nun dürft ihr gerne wieder Senkdaumen für meinen ansich richtigen und logisch durchdachten Kommentar geben – ich freue mich darüber, weil so ein weiteres mal offenbar wird, wieviel “Leuchten” unter uns leuchten!

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  3. Die Machtmenschen Putin, Xi und wer auch immer in den USA aktuell die Macht hat (Biden eher nicht) sind keine netten Menschen und gehen über Leichen. Wer diese bejubelt, dem ist nicht zu helfen. Was aber gilt ist nicht deren Person, sondern ob sie als handelnde Personen der Sache dienen, zu der sie dieses Amt und die Macht erhalten haben. Für diesen Machterhalt lassen diese Mächtigen die weniger großen bluten und leiden. Das ist der Weg der Politik der USA/GB und Europa schon immer, auch die Russen, Türken taten dies und der Rest täte es, wenn sie mächtig wären.
    Was es geben muss ist daher nicht eine Welt ohne diese Mächtigen, sondern eine Balance dieser Macht auf viele verteilt, so dass keiner zu groß, zu dominant und zu gierig werden darf. Genau das war das Problem bislang, indem die USA über alles an Recht und Gesetz handelten und sich fein aus jeder Anklage befreiten. Dieser Krieg der Ukraine ist daher keiner im lokalen Sinn, sondern die Machtgrenzsetzung für die USA und der Wechsel von der Unipolarität der USA hin zu Mulitpolarität. Das kostet aber Krieg, Tote und wird weitere Unruhe bringen. Und genau diese Konfliktherde an den Rändern der Macht sind aktuell die Brennpunkte.
    Bezüglich Argentinien ist zu befürchten, dass dieser Milei aufgrund seiner Ausrichtung und der fatalen Lage des Landes die Falklandkrise neu belebt. Dort sind enorme Rohstoffe und Nationalismus stärkt die Regierung. GB ist nicht in bester Verfassung und die USA eher schwach. Es kann eben sein, dass Milei zuerst USA-konform geht, es aber nicht schafft, dann eben über Brics auf Russen und Chinesen setzt, und dieses Fass öffnet. Zur Schwächtung der Position der USA/GB wäre das hervorragend, da diese bereits in UK, Israel und an anderer Stelle überdehnt und ausgezehrt sind. Und ein Politiker ohne Hintergrund, aus dunklen Kreisen hoch gezogen, der wäre für so einen Drecksjob genau der Richtige.
    Daher, begeistert bin ich nicht sehr vom Ergebnis und Argentinien wird das noch merken.

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  4. Hier noch ein paar Infos zu diesem Milei
    https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/milei-kettensaege-praesident-argentinien/
    Der Kommentator “ming” hat es schon gut zusammengefasst.
    Beispiel seiner Widersprüche (siehe auch Link): Steht für Abtreibungsverbot, aber Liberalisierung des Organhandels.
    WEF-Jünger, von dieser Schmiede kommen nur hörige Karrieristen, die der Elite zuarbeiten. Kommt wieder ne Pandemie und der setzt das ganze Land lahm und zwingt zur Impfung.
    Die Argentinier hatten also die Wahl zwischen Pest und Cholera, ich denke mit diesem Milei haben sie das etwas geringere Übel gewählt, der andere war ja schon erfahrener Politiker und Wirtschaftsminister (!) eines Pleitestaates.
    Und dann muss man noch sehen, wie die parlamentarischen Abgeordneten noch so ticken. Die linke Ideologie wird diese Wuschelfrisur bestimmt nicht eliminieren können. Das Justizwesen und das Oberste Gerichtshof sind wahrscheinlich voll von linken Realitätsleugnern, ebenso wie ganz Buenos Aires.
    Ich denke, das wird so einer wie Bolsonaro, viel zetern, hier und da kleinere Erfolge, aber wirklich verbessern wird sich da nix.

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  5. Das klingt so ein bischen nach dem Ende der DDR. Sozialismus leb wohl und die D-Mark wird es schon richten. Die Folge wird eine nicht wettbewerbsfähige Wirtschaft sein. Innerhalb Deutschlands war das weniger ein Problem, weil die gleiche Regierung zuständig war.
    Im Dollar Raum kann man dann nicht konkurrieren. Die Folge ist der Ausverkauf der argentinischen Wirtschaft an US Unternehmen und vielleicht mehr Beschäftigung aber die Schwächung Argentiniens.
    In so einem Fall ist eine abgewertete Währung hilfreicher. Die richtigen Föderungen für argentinische private Unternehmen beschließen und langsam und stetig das Bruttosozialprodukt hochfahren.
    Sieht aber nicht nach Vernunft aus, sondern nach einem Wahlsieger, der zu viel versprochen hat und den Protestwähler gewählt haben.
    Keine gute Prognose für Argentinien….

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  6. Weiterführung zu dem anderen Artikel noch etwas zum Thema Dollar. Alles ganz einfach, oder doch nicht?
    Zitat n-TV: „ Milei hatte vor der Wahl gesagt, er wolle das “Exkrement” der Landeswährung Peso und die Zentralbank abschaffen, um den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel einzuführen. Es ist nicht klar, ob das überhaupt umsetzbar ist. Argentinien ist hoch verschuldet, hat kaum Devisen und muss ständig finanziell jonglieren, um nicht bankrottzugehen. Milei will deshalb Ministerien schließen, drastisch öffentliche Ausgaben zusammenstreichen, den “omnipräsenten Staat” abbauen und privatisieren, was nicht niet- und nagelfest ist. Angesichts der drastischen Veränderungen erwartet er Widerstand auf den Straßen, und kündigte an, dass er dagegen mit harter Hand vorgehen lassen werde.“

    Jetzt bitte mal mir erklären wie der Dollar alle Probleme der Landeswährung löst?

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