Wie die Besiedlung des Chacos durch die Mennoniten begann

Der Chaco galt als wenig attraktiv und verstand es über Jahre ungewollte Besucher auf Abstand zu halten. Nur mit Hartnäckigkeit und einem festen Glauben konnte den Mennoniten das gelingen, was sie heute ihre Heimat nennen.

Nachdem die Menno Siemens Anhänger wegen der bolschewistischen Revolution flohen, versuchten sie ihr Glück in Kanada und später in Mexiko. Gegen 1921 entsendeten sie eine kleine Gruppe von fünf Personen sowie einem Übersetzer nach Argentinien, um die Möglichkeiten vor Ort auszuloten.

Wie der Zufall es wollte trafen diese fünf Mennoniten auf den damaligen Präsidenten von Paraguay, Manuel Gondra, der sie zu einer Veranstaltung einlud und ihnen anbot den paraguayischen Chaco zu besiedeln. “Sie haben 260.000 km2 jungfräulicher Erde zur Verfügung. Wenn ihr kommen wollt, könnt ihr kommen”, sagte er ihnen.

Über den Rio Paraguay gelangten sie nach Puerto Casado. Da sie bewanderte Landwirte waren, liehen sie sich zwei Ochsen von der Firma Carlos Casado aus und gruben ein Stück Land um. Im Gepäck hatten sie Weizensaatgut, welches sie säten. Kurz darauf entscheiden sie sich den zentralen Chaco kennenzulernen, der Teil der ihnen versprochen wurde.

Als sie nach einem Monat wieder an das Ufer des Rio Paraguay kamen und mit eigenen Augen sahen, dass ihre Saat nicht nur aufgegangen, sondern auch schon 30 cm gewachsen war, fuhren sie zügig und voller Enthusiasmus zurück nach Asuncion, um per Telegramm ihren Glaubensbrüdern in Mexiko und Kanada von dem Land zu berichten. Außerdem baten sie darum, dass möglichst schnell hier herkommen, da das Land was Fruchtbarkeit angeht nicht mit Mexiko vergleichbar war.

Der Pakt zwischen Mennoniten und dem Chaco war beschlossen Sache. Das erste Kontingent zählte 1770 Männer, Frauen und Kinder. Die Anzahl reduzierte sich jedoch schlagartig, als die meteorologischen Bedingungen ihr wahres Ich zeigten. Die Natur erklärte ihnen den Krieg und sie nahmen mit Schaufeln und Pflügen die Herausforderung an.

Von 1927 an, als die Kolonie Menno gegründet wurde und bis heute ist das Leben im Chaco hart. Allerdings änderte sich durch jeden Schweißtropfen das Leben zum besseren. Heute leben da rund 40.000 Mennoniten. Außerdem halten sie 38.000 Rinder in dem Bereich, die täglich rund 450.000 Liter Milch geben.

Dank ihrer Anstrengungen haben sie die größte und am besten funktionierende Milchindustrie aufgebaut, die man in Paraguay findet. In den Fünfzigern begannen sie mit Butter. Dreißig Jahre später, als der Strom kam, ging es mit Käse und Milch weiter. Neben den 110 bekannten Produkten der Marke Trebol kommt ab Ende des Jahres noch Milchpulver hinzu.

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4 Kommentare zu “Wie die Besiedlung des Chacos durch die Mennoniten begann

  1. In der Aufzählung aller Leistungen der Mennoniten in und für Paraguay wurden wesentliche Leistungen nicht erwähnt: So betreiben die Mennoniten auf km71 Ruta2, seit vielen Jahren ein Hospital, in welchem Leprakranke überwiegend kostenlos behandelt wurden/werden. Dank dieser Einrichtung wurde die Lepra-Erkrankung in ganz PY weitgehendst zurück gedrängt. Weiterhin betreiben die Mennoniten zahlreiche soziale Einrichtungen, wie Psychotherapien, Kindertagesstätten für Arme, Schulen, Ausbildungsstätten u.v.m. Die meisten Einrichtungen werden aus Spenden der Mennoniten betrieben! Und natürlich im ganzen Lande stark wachsende kirchliche Gemeinden. Im Chaco gibt es zahlreiche Indianermissionen- und Kooperativen sowie kostenlose ärztliche Betreuungen der Ureinwohner. Es ist richtig, daß die Mennoniten erstmals in PY eine nennenswerte Milchverarbeitungsindustrie aufbauten. Leider ist aber auch zu beobachten, daß gerade mennonitische Firmen, wie eben die Milchverarbeitungsindustrie und die Fleischproduktion verantwortlich sind für eine unverhältnismäßig festzustellende Preissteigerung und damit die Lebenshaltungskosten in PY in die Höhe treiben. So sind beispielsweise die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte in PY höher als in Deutschland. Wie kann das sein? Das „normale Volk“ in PY wird diese Produkte bald nicht mehr bezahlen können. Hier vermisse ich die soziale Komponente und christliche Verantwortung der ansonsten vorbildlich lebenden und agierenden Mennoniten im Land, die sich strikt aus der „großen Politik“ heraus halten – und das ist gut so.

  2. Der Preis im Laden für einen Liter Milch ist etwa gleich wie in Europa. Ca. 5.000 Guaranies. Demnach müsste der Mindestlohn in Europa ca. 300 Euro sein.
    Trotzdem, wenigstens etwas was funktioniert in Paraguay: Milch und Joghurt: Ideale Ersatzteile für das Auto.

  3. Wer sich nach deutschen Aldipreisen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen sehnt, der sollte dann auch in Kauf nehmen, dass die kleineren und mittelständigen bäuerlichen Familienbetriebe komplett verschwinden, hunderte von Milliarden Euro Steuergelder in dunklen EU-Kanälen für Subventionen und Resubventionen versickern und im industriellen Masstab erzeugte Lebensmittel mit all den Nachteilen wie unwürdiger Massentierhaltung, mindere Qualität und Genverseuchung einhergehen. Muss man diesen falschen Weg auch in Paraguay beschreiten?

  4. Kleine Korrektur: Im zentralen Chaco leben etwa 18.000 „deutsche“ Mennoniten. Oder meinte man hier evtl. auch spanisch-sprechende Mennoniten und Mennoniten unter den Ureinwohnern?

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