Los Angeles: Während in den Straßen von Asunción und den Kolonien im Landesinneren kaum jemand den Blick vom Smartphone hebt, ist in Los Angeles ein Urteil gefallen, das die Giganten des Silicon Valley erzittern lässt.
Meta (Facebook, Instagram) und YouTube wurden für schuldig befunden, eine junge Frau durch „süchtig machende Gestaltung“ ihrer Plattformen psychisch geschädigt zu haben.
Das Urteil: Sechs Millionen US-Dollar Entschädigung. Doch viel schwerer als das Geld wiegt das vernichtende Zeugnis der Jury über Mark Zuckerberg höchstpersönlich.
Zuckerberg: Der “Guru“, der sich um Kopf und Kragen redete
Die Geschworenen in Kalifornien ließen kein gutes Haar am Meta-Chef. Victoria, eine der Geschworenen, berichtete nach dem Prozess, dass Zuckerbergs Aussage der Sargnagel für die Verteidigung war. „Er hat seine Antworten ständig geändert. Das hat uns nicht gefallen“, erklärte sie. Für die Jury war klar: Jemand wie Zuckerberg, der als “Guru“ der digitalen Welt gilt, muss genau gewusst haben, wie manipulativ seine Algorithmen programmiert sind.
Zwei Wochen lang prüfte die Jury jedes Beweismittel, jeden Zeugen und jede Schutzmaßnahme, die Meta und YouTube angeblich zum Schutz von Minderjährigen implementiert hatten. Das Ergebnis: Alles nur Fassade.
Ein Signal für Paraguay: Das Land der “Dauer-Onliner“
Warum ist dieses Urteil für uns in Paraguay so wichtig? Statistisch gesehen gehört Paraguay zu den Ländern mit der intensivsten Social-Media-Nutzung in der Region. Ob im Bus, beim Asado oder sogar während der Arbeit – die digitale Sucht ist hierzulande kein Randphänomen, sondern Alltag.
Während in den USA nun die ersten Millionen-Entschädigungen fließen, stellt sich die Frage: Wann wachen die paraguayischen Nutzer (und Behörden) auf? Die Jury in Los Angeles wollte ein Zeichen setzen. „Wir wollten, dass sie es spüren. Wir wollten, dass sie erkennen, dass dies nicht hinnehmbar ist“, so die Geschworene Victoria.
Plattformen müssen “bluten“
Die Strafe setzt sich aus drei Millionen US-Dollar direktem Schadenersatz und weiteren drei Millionen Dollar “Strafschadenersatz“ zusammen. Letzteres soll die Unternehmen dort treffen, wo es wehtut, damit sie endlich aufhören, die psychische Gesundheit junger Menschen für Klicks und Werbedollar zu opfern.
Für viele Experten ist dies erst der Anfang einer Klagewelle, die bald auch international – und damit eventuell auch in Südamerika – Wellen schlagen könnte. In einem Land wie Paraguay, wo der Schutz vor digitaler Manipulation bisher kaum existiert, ist dieses Urteil ein bitter nötiger Weckruf.
Wochenblatt / Beitragsbild Archiv















