Asunción: „Offene Beziehungen gibt es nicht“, sagt eine Psychologin. Das sei schlichtweg Untreue. Die Debatte über “offene Beziehungen“ ist erneut entbrannt, und dieses Mal mangelt es nicht an gespaltenen Meinungen. Während die einen die Idee verteidigen, Beziehungen zu “modernisieren“, um der Routine zu entkommen, versichern andere, dass dies nur einen Namen verdient: Fremdgehen mit Erlaubnis.
Eine argentinische Psychologin versicherte kürzlich, dass nach der Pandemie die Fälle von reiferen Ehepaaren zugenommen haben, die sich entscheiden, ihre Beziehung zu “öffnen“, um der Langeweile zu entkommen, das Verlangen wiederzubeleben oder neue Erfahrungen zu machen. Laut der argentinischen Expertin bedeute eine offene Beziehung keinen Betrug, da alles auf Absprachen und Kommunikation basiere, so heißt es.
„Viele Menschen sagen, dass sie nach der Öffnung der Beziehung wieder mehr Sex mit ihrem Hauptpartner haben wollen“, erklärte die Spezialistin und löste damit in den sozialen Netzwerken alle Hand von Reaktionen aus.
In Paraguay jedoch betonte die bekannte Psychologin Yamili Awada, dass sie diese Haltung ganz und gar nicht teilt: „Langjährige, gelangweilte Ehen, in denen man das Gefühl hat, dass die Beziehung keine Befriedigung mehr bietet – das ist kein Grund für Untreue. Denn um es beim Namen zu nennen: Eine offene Beziehung bedeutet, untreu zu sein. Eine andere Person zu suchen, um sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen, nennt man Untreue, selbst wenn man dem Kind mit dem Begriff ’offene Beziehung’ einen neuen Namen gibt und beide damit einverstanden sind“, sagte sie.
Die Expertin argumentierte zudem, dass diese Art von Praktiken die Probleme eines Paares nicht lösen, sondern nur noch mehr emotionale Unsicherheit erzeugen. „Es hat keinen positiven Effekt auf das Paar. Die Langeweile mit Untreue zu bekämpfen, ist nicht der richtige Weg. Der Mensch ist komplex, er hat Geist, Verstand und Seele. Wenn man die Beziehung nur auf die Sexualität reduziert, reduziert man den Menschen letztlich auf ein Tier, das nur seine Instinkte befriedigen will“, äußerte sie.
Awada fügte hinzu, dass ihrer Ansicht nach niemand wirklich glücklich sein kann, wenn er sieht, dass eine andere Person dem eigenen Partner “Lust bereitet“. „Wenn ich zu meinem Ehemann sage: ’Ich gehe mit einem anderen ins Bett’, oder er zu mir sagt: ’Ich gehe mit einer anderen ins Bett’ – selbst wenn eine Vereinbarung vorliegt, bleibt es Untreue. Aufrichtigkeit hebt die Untreue nicht auf; niemandem gefällt es, wenn ein anderer den eigenen Partner ’zum Vibrieren’ bringt“, sagte Awada weiter.
„Es ist besser, eine Therapie zu machen“, heißt es
Die Psychologin stellte infrage, ob Menschen, die in solchen Beziehungen leben, wirklich glücklich sind oder lediglich versuchen, einem Trend zu folgen.
„Derzeit gibt es eine Philosophie des Hedonismus nach dem Motto: ’Ich tue, was ich will, solange ich glücklich bin’. Aber man müsste sich fragen, ob Menschen in offenen Beziehungen wirklich glücklich sind oder nur versuchen, modern zu sein“, erklärte sie.
Schließlich empfahl Awada, eine Paartherapie aufzusuchen, bevor man Entscheidungen trifft, die die Beziehung noch weiter verschlimmern könnten.
„Was sie tun müssen, ist eine Therapie zu machen, um ihre internen Konflikte zu lösen. Viele Menschen leben unglücklich, werden dadurch krank und sterben sogar vorzeitig, weil sie emotionale Konflikte mit sich herumtragen, die sie nie gelöst haben. Der Körper spricht das aus, was der Verstand verschweigt“, schloss sie.
Wochenblatt / Cronica















