Asunción: Wenn die kalten Tage einbrechen, gibt es kaum ein Bild, das die paraguayische Identität so sehr verkörpert wie der Dampf, der aus einer frisch zubereiteten Tasse Cocido Quemado (verbrannter bzw. karamellisierter Mate-Tee) aufsteigt. Mehr als nur ein Heißgetränk ist es ein von Generation zu Generation weitergegebenes Ritual, dessen einzigartige, handwerkliche Technik im In- und Ausland immer wieder Bewunderung auslöst.
Die traditionelle paraguayische Zubereitung des Cocido Quemado wurde kürzlich von TasteAtlas, dem populären Online-Führer für kulinarische Traditionen weltweit, gewürdigt. Basis war ein Beitrag des gastronomischen Content-Creators Guido Penayo. Er legte den Fokus auf das Element, das diesen Aufguss zu einem einzigartigen Erlebnis macht: Die Verwendung einer glühenden Kohle- oder Holzglut, die direkt auf Zucker und Zitrusschalen gelegt wird.
Diese tief in der paraguayischen Kultur verwurzelte Technik beginnt mit einem ebenso einfachen wie faszinierenden Vorgang: In einem Gefäß werden Zucker und Orangen- oder Zitronenschalen ausgelegt, auf die dann eine glühende Kohle platziert wird. Die intensive Hitze schmilzt und karamellisiert den Zucker augenblicklich, während gleichzeitig die ätherischen Öle der Zitrusfrüchte freigesetzt werden. Dadurch entsteht das rauchige, durchdringende Aroma, das für dieses Getränk so charakteristisch ist.
Bei vielen traditionellen Zubereitungsarten wird während dieses Prozesses auch die Yerba Mate hinzugefügt. Sie röstet zusammen mit dem karamellisierten Zucker und nimmt die rauchigen Noten der Kohle auf.
Sobald die Zutaten den gewünschten Karamellisierungsgrad erreicht haben, gießt man kochendes Wasser oder heiße Milch auf, sodass sich die gesamte Mischung auflösen und ziehen kann. Das Ergebnis ist ein intensives, aromatisches und wohltuendes Getränk, das für viele Paraguayer ein Symbol für Heimat, Winter und Tradition ist.
Experten und Liebhaber sind sich einig, dass das Unterscheidungsmerkmal des Cocido Quemado genau in der Verwendung von natürlicher Kohle oder Glut liegt. Der direkte Kontakt des Feuers mit den Zutaten erzeugt ein Geschmacksprofil, das sich auf Elektroherden, herkömmlichen Herdplatten oder durch industrielle Methoden unmöglich reproduzieren lässt.
Über seinen Geschmack hinaus repräsentiert der Cocido Quemado eines der am besten wiedererkennbaren gastronomischen Kulturgüter Paraguays. Er ist in Haushalten, Büros, Märkten und bei Familientreffen präsent – ein alltäglicher Brauch, der dem Lauf der Zeit und dem technologischen Wandel trotzt.
In einer Ära, die von der Suche nach authentischen Erlebnissen und traditionellen Aromen geprägt ist, erinnert der Cocido Quemado daran, dass die bestgehüteten Geheimnisse der Gastronomie manchmal nicht in der Raffinesse liegen, sondern in der Einfachheit eines Stücks glühender Kohle, einer Handvoll Zucker und dem kollektiven Gedächtnis eines ganzen Landes.
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