Mariano Roque Alonso: Vor mehr als zehn Jahren erwarb das MUVH vom IPS ein 17,8 Hektar großes Grundstück, um dort Wohnanlagen für Familien der Mittelschicht zu errichten. Der Staat investierte Millionen, doch das Projekt wurde nie abgeschlossen. Heute liegt das Gelände brach und wirkt völlig verfallen. Hier erfährst du, was die derzeitige Regierung mit dem Areal plant.
Das 17,8 Hektar große Grundstück in der Gemeinde Mariano Roque Alonso, direkt gegenüber dem Messegelände Expo, wurde im Jahr 2015 vom damaligen Nationalsekretariat für Wohnungswesen und Lebensraum (Senavitat), heute das Ministerium für Stadtplanung, Wohnungswesen und Lebensraum (MUVH), vom Institut für Sozialversicherung (IPS) erworben – zu einem Preis von fast 36 Milliarden Guarani (umgerechnet mehr als 6 Millionen US-Dollar zum damaligen Wechselkurs). Eigentlich sollte dort eine Wohnanlage speziell für Haushalte der Mittelschicht entstehen, doch heute befindet sich das gesamte Gelände in einem Zustand völliger Vernachlässigung.
Wie bei einem Vor-Ort-Besuch feststellen konnte, wächst das Unkraut überall auf dem Grundstück – obwohl der Staat Millionenbeträge bereitgestellt hatte, um das Areal zu erschließen und „baufertig“ zu machen. Grund dafür ist, dass die Vorgängerregierung dieses Projekt vorantrieb, was der aktuellen Regierung nicht hilft. Alle würden nur sagen, dass man ein Projekt der Abdo-Regierung beendet hat, was keiner der aktuellen Regierenden möchte.
MUVH investierte Millionen – doch es gibt keine Wohnungen
Für die Erschließungsarbeiten beauftragte das Ministerium das Konsortium „Verteidiger des Chaco“, bestehend aus dem Unternehmen Los Trigales S.A. und dem Ingenieur Miguel Ángel Cháves Hausman. Der ursprüngliche Auftragswert lag bei 68,235 Milliarden Guaranies (rund 11 Millionen US-Dollar), die endgültigen Kosten beliefen sich jedoch auf 81,737 Milliarden Guaranies (etwa 14 Millionen US-Dollar) – eine Kostensteigerung von 19,79 Prozent.
Zu den durchgeführten Maßnahmen gehörten interne Straßen, Leitungen für Trinkwasser und Abwasser, eine Kläranlage für häusliche Abwässer inklusive der erforderlichen Ausstattung sowie der Ausbau eines Hochbehälters und einer Trinkwasseraufbereitungsanlage. All diese Einrichtungen wurden als eine „voll erschlossene Siedlungsfläche“ bezeichnet, die sofort für den Bau von Wohnungen zur Verfügung stehen sollte.
Erste Anzeichen des Verfalls werden sichtbar
Trotz der millionenschweren Investition sind bereits erste Risse im Betonbelag der Straßen zu sehen – Teil der Infrastruktur, die größtenteils in der vorherigen Amtszeit begonnen und unter der jetzigen Regierung fertiggestellt wurde.
Ein zentrales Element des Projekts war zudem der Bau einer kompakten Abwasseraufbereitungsanlage. Sie sollte eine Fläche von höchstens 750 Quadratmetern einnehmen, damit möglichst viel Raum für den späteren Wohnungsbau erhalten blieb.
Wohnungen für die Mittelschicht – ein in Vergessenheit geratenes Vorhaben?
Am 23. Juni 2023 besuchte der damalige Minister des MUVH, Carlos Pereira, gemeinsam mit seinem Fachteam das Gelände, um das Projekt der Wohnanlage „Verteidiger des Chaco“ seinem Nachfolger Juan Carlos Baruja vorzustellen.
Damals gab das Ministerium bekannt, dass die Erschließungsarbeiten zu 91,55 Prozent abgeschlossen seien – dies bilde die grundlegende Voraussetzung für den anschließenden Bau der geplanten Wohnungen für die Mittelschicht.
Seither gab es jedoch keine weiteren Informationen zum Fortschritt des Vorhabens. Bis heute bleibt das Gelände weitgehend ungenutzt und liegt brach.
Das ursprüngliche Konzept sah vor, auf den 17,8 Hektar des ehemaligen IPS-Geländes eine vollständige Wohn- und Siedlungsfläche zu schaffen. Vorgesehen waren Wohnungen mit allen notwendigen Versorgungsanschlüssen sowie öffentliche Plätze und Freizeitbereiche für die zukünftigen Bewohner.
Minister: Ein Plan existiert – aber erst für das Jahr 2031
Auf die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Grundstücks erklärte der amtierende Minister Juan Carlos Baruja, dass die Regierung plane, das Areal für das „Wohnlager der Olympischen Spiele“ der Panamerikanischen Spiele 2031 in Paraguay zu verwenden. Nach Abschluss der Wettkämpfe solle daraus eine reguläre Wohnanlage mit zum Verkauf stehenden Wohnungen entstehen.
Der Minister gab an, bereits Gespräche mit dem Präsidenten des Paraguayischen Olympischen Komitees (COP), Camilo Pérez, geführt zu haben. Aktuell werde ein erster Entwurf erarbeitet – die genaue Anzahl der Wohneinheiten und ihre Ausgestaltung hängen dabei von den Anforderungen ab, die das Organisationskomitee der Spiele festlegt. Demnach bleibt das Areal wenigstens fünf weitere Jahre brach liegen.
Gleichzeitig räumte Baruja ein, dass sich das Vorhaben noch in einem sehr frühen Planungsstadium befindet: „Der Plan steckt noch in den Kinderschuhen.“ Das endgültige Design hänge unter anderem davon ab, wie viele Zimmer und welche Art von Unterkünften für die Panamerikanischen Spiele 2031 benötigt würden.
„Die Absicht ist, dort das olympische Wohnlager zu errichten – mit dem Ziel, die Gebäude später als Wohnungen zum Verkauf anzubieten“, so der Minister.
Das Konzept sehe eine gemischte Bebauung vor: mehrstöckige Wohnanlagen sowie niedrigere Gebäude – wobei das gesamte Vorhaben weiterhin nur am Anfang der Planung stehe.
Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft geplant
Was die Finanzierung angeht, so soll laut Baruja ein Modell nach dem Vorbild des Treuhandmodells angewendet werden, das das MUVH bereits für ein weiteres Grundstück an der Artigas-Allee nutzt. Vorgesehen ist eine Partnerschaft mit privaten Unternehmen: Der Staat bringt das Grundstück ein, ein privater Investor übernimmt die Finanzierung und die Bauarbeiten – und refinanziert seine Ausgaben anschließend durch den Verkauf der Wohneinheiten.
Zudem betonte der Minister, dass das Gelände trotz des aktuellen Zustands und der ersten Schäden über eine wertvolle Infrastruktur verfüge: befestigte Straßen, Trinkwasserleitungen, Abwassersysteme sowie die Aufbereitungsanlagen. Dies erleichtere die spätere Umsetzung des Projekts erheblich.
Bereits hergestellte Infrastruktur auf dem Gelände
Nach den ursprünglichen Projektplänen wurden folgende wesentlichen Anlagen errichtet – bis heute wartet das Areal jedoch auf den Baubeginn der Wohnungen:
- Erschlossene Gesamtfläche: 17 Hektar
- Für den Bau vorgesehene Fläche: 8,6 Hektar
- Betonierte Straßen
- Gehwege
- Trinkwasserversorgungsnetz
- Abwasserentsorgungsnetz
- Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 500.000 Litern
- Großspeicher mit einem Fassungsvermögen von 3 Millionen Litern
- Kläranlage für häusliche Abwässer mit einer maximalen Durchsatzleistung von 200 Kubikmetern pro Stunde
- Aufbereitungsanlage für Rohwasser aus dem Fluss, bestehend aus drei Modulen mit einer Gesamtleistung von 120 Kubikmetern pro Stunde
- Wochenblatt / Abc Color