Asunción / Berlin: Während in Deutschland aktuell erschütternde Zahlen über die Folgen des Sommers bekannt werden, wirft die Meldung des Robert Koch-Instituts (RKI) auch in Südamerika Fragen auf: Wie reagieren verschiedene Gesellschaften auf extreme Temperaturen?
Deutschland meldete für diesen Sommer einen Rekord von rund 14.000 hitzebedingten Todesfällen – mehr als je zuvor. In Paraguay hingegen gehören Temperaturen jenseits der 40 °C zum Alltag. Doch der Vergleich zeigt: Hitze trifft ein Land ohne Anpassung völlig anders als eine Region, die seit Generationen damit lebt.
Deutschland: Die unvorbereitete Infrastruktur
In Deutschland führte die Hitzewelle Ende Juni mit Spitzenwerten von über 41 °C zu einer massiven Übersterblichkeit, von der vor allem Senioren über 75 Jahren betroffen waren. Das Hauptproblem in Mitteleuropa ist struktureller Natur:
-Mangelnde Akklimatisierung: Die Bevölkerung ist physikalisch und kreislauftechnisch nicht an plötzliche Hitzeperioden gewöhnt.
-Bauweise: Deutsche Gebäude sind darauf ausgelegt, Wärme im Inneren zu speichern (Wärmedämmung für kalte Winter). Klimaanlagen in Privathaushalten oder Altenheimen sind nach wie vor die Ausnahme.
-Fehlendes Risikobewusstsein: Hitze wird in kühleren Breiten oft als „Sommerwetter“ verharmlost, anstatt als ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko wahrgenommen zu werden.
Paraguay: Gewöhnung, aber andere Schwachstellen
In Paraguay sind extreme Temperaturen in den Sommermonaten der Normalzustand. Die Anpassung der Bevölkerung unterscheidet sich grundlegend von der in Europa:
-Kulturelle und soziale Anpassung: Der Alltag richtet sich nach den Temperaturen (z. B. Ruhephasen in der Mittagshitze, ständige Flüssigkeitszufuhr durch Tereré).
-Technisches Umfeld: Klimatisierte Räume (Aire Acondicionado) gehören in Städten in Wohnungen, Büros und Bussen zum Standard.
-Physiologische Gewöhnung: Der menschliche Körper passt sich über Jahre an hohe Temperaturen an, wodurch plötzliche Kreislaufzusammenbrüche bei gesunden Menschen seltener sind.
Dennoch ist auch Paraguay keineswegs immun gegen die Gefahren der Hitze. Während in Deutschland das Ausbleiben von Klimaanlagen die Schwachstelle ist, liegt das Risiko in Paraguay vor allem in der Infrastruktur und der medizinischen Versorgung:
-Stromnetz-Überlastung: Bei extremen Hitzewellen kollabieren durch die hohe Last der Klimaanlagen regelmäßig Stromnetze (Cortes de luz), was gerade in Krankenhäusern oder bei vulnerablen Gruppen gefährlich werden kann.
-Arbeit im Freien: Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet im informellen Sektor oder in der Landwirtschaft im Freien, oft ohne ausreichenden Schutz vor der Sonneneinstrahlung.
-Vorerkrankungen: Auch in Paraguay verstärkt extreme Hitze chronische Herzkreislauf- oder Nierenerkrankungen. Da statistische Erhebungen zur Übersterblichkeit wie die des RKI in Paraguay oft nicht in gleicher Detaillierung durchgeführt werden, bleibt die Dunkelziffer hitzebedingter Todesfälle hoch.
Fazit
Der Rekordwert aus Deutschland zeigt, dass der Klimawandel Länder trifft, die historisch nicht auf Hitze vorbereitet sind. Während Europa erst lernen muss, seine Infrastruktur, Gebäude und Pflegeeinrichtungen an tropische Temperaturen anzupassen, kämpft Paraguay nicht mit der Gewöhnung an die Hitze selbst, sondern mit der Stabilität seiner Versorgungsinfrastruktur, um Mensch und Wirtschaft auch bei anhaltenden Extremlagen zu schützen.
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