Asunción: Münzen, die echt wirken, dubiose Schenkungen an Museen und Dokumente, die Fragen aufwerfen: In paraguayischen Ausstellungen werden vermehrt Exponate gezeigt, deren Authentizität stark angezweifelt wird.
Der bekannte Numismatiker Raúl Olazar schlägt Alarm. Seiner Analyse nach befinden sich in prominenten Sammlungen Fälschungen, die nicht nur Sammler finanziell schädigen, sondern auch das historische Erbe des Landes verfälschen.
Fälschungen in staatlichen Museen entdeckt
Olazar nannte konkret drei Institutionen, in denen er verdächtige Objekte identifiziert hat: Das Münzmuseum der Zentralbank von Paraguay (BCP), das Museum Tacuru Pucu in Ciudad del Este sowie das Artillerie-Museum.
Besonders scharf kritisierte der Experte eine an die BCP gespendete Münze: „Das ist ein absolutes Fälschungsobjekt, das seit Jahren im Umlauf ist, um Sammlern das Geld aus der Tasche zu ziehen.“ Noch deutlicher wurde er beim Artillerie-Museum: „Es ist eine Schande und eine völlige Respektlosigkeit gegenüber der paraguayischen Geschichte und dem Andenken an Marschall Francisco Solano López, dass diese Fälschung zusammen mit einem gefälschten Dokument voller Stolz als Original ausgestellt wird.“
Gefahr für den Markt und das historische Erbe
Der Experte warnte vor den Mechanismen hinter solchen Schenkungen:
-Falsche Legitimation: Eine Spende an eine anerkannte Institution wird von Betrügern oft als Gütesiegel missbraucht, um baugleiche Stücke für astronomische Summen zu verkaufen.
-Hohe Streitwerte: Solche angeblichen Raritäten erzielen auf dem Sammlermarkt problemlos Preise von bis zu 40.000 US-Dollar.
-Verfälschung der Historie: Neben dem finanziellen Schaden leidet das Geschichtsbild. Im Fall der angeblichen Münze mit dem Antlitz von Marschall Solano López gebe es keinerlei historische Dokumente, die eine Prägung zu seinen Lebzeiten belegen.
Expertenprüfungen gefordert
Moderne Techniken ermöglichen heute extrem präzise Nachbildungen. Um die Echtheit einer Münze festzustellen, müssen Parameter wie Gewicht, Durchmesser, Materialzusammensetzung und die Randprägung wissenschaftlich analysiert werden. Olazar fordert daher, dass staatliche Museen Exponate vor der Aufnahme in Sammlungen von qualifizierten Fachleuten eingehend prüfen lassen, um die Geschichtsschreibung Paraguays vor Manipulationen zu schützen.
Ausblick auf den Denkmalschutz
Der Skandal um vermeintliche Reliquien stellt die Inventarisierung paraguayischer Museen vor eine Zerreißprobe. Um den Verlust von Glaubwürdigkeit und Regressansprüche getäuschter Käufer zu vermeiden, werden die betroffenen Ministerien und die Zentralbank nicht umhin kommen, unabhängige Prüfungskommissionen einzusetzen, die den Bestand historischer Exponate im Land lückenlos auditieren.
Wochenblatt / Cronica















