Totgesagte leben länger – vor allem, wenn das Krankenhaus den Papierkram erledigt hat!

Pedro Juan Caballero: Manchmal meint es das Schicksal (oder die hiesige medizinische Kompetenz) einfach zu gut mit der Planung. Im Nordosten des Landes  erlebten die Angehörigen der 51-jährigen Gregoria Aparecida Ovelar de Brizuela kürzlich einen Moment, den man sonst nur aus schlechten Horrorfilmen kennt. Die eigene Beerdigung als unerwartete Party mit der vermeintlich Verstorbenen.

Wenn der Papierkram schneller ist als der Puls

Alles begann ganz bürokratisch und routiniert im Hospital Regional. Nach Angaben der Ärzte hatte die Patientin einen Infarkt erlitten. Man stellte kurz entschlossen einen offiziellen Totenschein aus, setzte formschön 20:20 Uhr als Todeszeitpunkt an und übergab den „Fall“ an die Familie, damit man sich um die wichtigen Dinge des Lebens – oder eben des Todes – kümmern konnte. Soweit, so unglücklich.
Die Angehörigen machten keine halben Sachen, organisierten den Transport und lieferten den vermeintlichen Leichnam bei der Bestattungsfirma Pax Amambay ab, wo bereits alles für den letzten Abschied vorbereitet wurde. Kaffeetisch,Kondolenzbuch, gedämpftes Licht – das volle Programm.

Die Auferstehung im Bestattungsinstitut

Doch bevor der Pfarrer ansetzen konnte, passierte das Unfassbare: Sagen wir mal so, Gregoria hatte offenbar so gar keine Lust auf Blumenkränze. Mitten in den Vorbereitungen schlug die Dame die Augen auf und fing an zu atmen.
Man kann sich das Gesicht des Bestatters vorstellen, der vermutlich gerade noch über den Sargpreis verhandeln wollte, als plötzlich die „Kundin“ nach frischer Luft schnappte.

Zurück auf Anfang (und bloß nicht in die Notaufnahme)

Statt unter die Erde ging es für Gregoria also im Eiltempo zurück ins Hospital Regional – dorthin, wo man sie wenige Stunden zuvor noch erfolgreich für tot erklärt hatte. Dort wurde sie postwendend auf die Intensivstation verfrachtet, wo sie sich nun mit einem stabilen Puls und vermutlich jeder Menge Fragen an die behandelnden Ärzte erholt.
Die Familie ist verständlicherweise „mild irritiert“ und verlangt nun Erklärungen von den Weißkittel-Profis, wie man einen lebendigen Menschen so gründlich abmelden kann. Das Krankenhaus selbst hüllt sich in beredtes Schweigen.
Man fragt sich unwillkürlich: Wenn schon die Diagnose von lebenden Patienten so kreative Blüten treibt – wie sieht es dann erst mit den Statistiken aus? Eines steht jedenfalls fest: In Paraguay sollte man in Zukunft wohl erst dann mit dem Trauern beginnen, wenn der Betroffene mindestens drei Tage lang keinen Kaffee mehr getrunken hat.

Wochenblatt / Extra

CC
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