Länger leben, besser leben: Das System, das das Altern in Paraguay transformieren will

Asunción: Der Komplex Santo Domingo positioniert sich als Referenz für die ganzheitliche Betreuung von Menschen über 60 Jahren, mit einem Ansatz, der über die Grundversorgung hinausgeht und auf Lebensqualität abzielt.

Dr. María del Rosario Marín, Direktorin der Einrichtung, erklärte in der Sendung Residentas (Kanal GEN), dass das Zentrum seit fast vier Jahren in Betrieb ist. Es wurde mit der Vision ins Leben gerufen, eine umfassende emotionale, kognitive und physische Betreuung zu bieten.

Der Komplex befindet sich an der Avenida Lombardo, hinter dem alten Altenheim Santo Domingo, und untersteht dem Gesundheitsministerium. Im Gegensatz zu traditionellen Altenheimen kombiniert der Komplex Santo Domingo zwei Hauptbereiche: Einerseits den ambulanten Bereich mit spezialisierten Praxen für Geriatrie, Rheumatologie, Zahnmedizin und andere Fachrichtungen für Senioren. Andererseits die Residenz, in der derzeit 92 Menschen in prekären Lebenssituationen wohnen.

„Die Aufnahme erfolgt über die Direktion für Senioren, die jeden Fall unter sozialen und gesundheitlichen Aspekten prüft“, erklärte Marín. Die Kapazität der Einrichtung ist bereits erschöpft, und es gibt eine Warteliste – ein Spiegelbild des wachsenden Bedarfs im Land.

Eines der Unterscheidungsmerkmale ist das Tageszentrum (Centro Día), eine Art „KiTa“ für Senioren, die nicht in der Einrichtung leben. Dort verbringen sie den Tag mit professioneller Begleitung, Verpflegung und therapeutischen Aktivitäten. Hinzu kommt der Club für gesundes Altern, in dem unabhängige Senioren an Freizeitaktivitäten, medizinischen Check-ups und sozialen Angeboten teilnehmen. In den letzten Monaten erreichte dieses Programm etwa 750 Personen.

Die kulturelle Herausforderung des Alterns

Die Direktorin wies darauf hin, dass es in Paraguay immer noch Widerstände gibt, ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen unterzubringen. Sie betonte jedoch die Notwendigkeit, die Qualität der Pflege zu hinterfragen. „Es gibt Menschen mit finanziellen Mitteln, die den ganzen Tag allein sind. Manchmal machen Gesellschaft und professionelle Betreuung den entscheidenden Unterschied“, sagte sie.

Zudem beharrte sie darauf, wie wichtig es sei, sich bereits in jungen Jahren auf das Alter vorzubereiten. „Das ist ein Prozess, der schon in der Schule gelehrt werden sollte: dass man in der Zukunft ein älterer Mensch sein wird“, so Marín.

Die Einsamkeit

Obwohl die Grundbedürfnisse im Komplex gedeckt sind, bleibt die größte Herausforderung emotionaler Natur. „Was sie am meisten brauchen, ist Gesellschaft“, betonte Marín.

Deshalb lud sie die Bürger dazu ein, den Komplex zu besuchen. Die Türen stehen täglich offen, nach vorheriger Abstimmung mit dem Sozialbereich. „Sie sind glücklich, wenn sie Besuch bekommen. Diese Zeit ist viel wertvoller als jede Spende“, drückte sie aus. Feiertage wie Weihnachten oder Muttertag sind für die Bewohner besonders sensibel, vor allem für diejenigen, die keinen Familienbesuch erhalten.

Innerhalb des Komplexes entstehen jedoch auch neue Geschichten. Einige Bewohner finden als Paare zusammen, nehmen an Freizeitaktivitäten oder internen Wettbewerben teil. Eine der beliebtesten Persönlichkeiten ist die 92-jährige Blácida, die zur „Königin“ des Hauses gewählt wurde und sich beharrlich weigert, ihre Krone abzugeben. „Wir mussten andere Kategorien schaffen, weil alle mitmachen wollen“, berichtete die Direktorin.

Der ambulante Bereich verzeichnet derzeit zwischen 42.000 und 44.000 Konsultationen pro Monat. Der Service ist kostenlos und steht jeder Person über 60 Jahren offen. Termine können per WhatsApp unter 0982 781 941 vereinbart werden.

Die Direktorin betonte abschließend, dass der Komplex Santo Domingo danach strebt, sich als Modell zu festigen, das im ganzen Land repliziert werden kann – mit einem Fokus auf Würde, Autonomie und das ganzheitliche Wohlbefinden älterer Menschen.

Wochenblatt / Hoy

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