Das Flugzeug von Stroessner ruht in den Bergen von Pirayú

Caacupé: Wer Zeit und Muße hat, sollte die Reste von dem Stroessner Flugzeug besuchen. Ein ehemaliges Mitglied der Crew hat es in die Berge von Pirayú gebracht.

Das lange zylindrische Bauwerk taucht plötzlich inmitten einer Waldlichtung am Ende einer kurvenreichen Schotterstraße auf, die die Hänge grüner Hügel von der Route zwischen Pirayú und Caacupé in der Nähe der Gegend Cerro Verá hinaufführt.

Die Szene scheint aus einem Film von Werner Herzog zu stammen, einem Schiff, das mitten in der Wüste oder im Dschungel gestrandet ist, in diesem Fall den Überresten eines riesigen Flugzeugs in den verlassenen Bergen von Pirayú. Auf seiner staubigen und schlechten Struktur ist zu lesen: Lineas Aereas Paraguayas (LAP), die legendäre Fluggesellschaft, die das Regime von General Alfredo Stroessner (1954-1989) gründete und mit seinen Lichtern und Schatten als die beständigste Stufe der Luftfahrt in Paraguay gilt.

Wie ist das Flugzeug hierhergekommen?

Lacú Ramírez, ein Dorfbewohner, zieht es vor, eine mythische Geschichte in Guaraní zu erzählen: Vor Jahren musste das Flugzeug notlanden und konnte seitdem nie wieder abheben. Er hat es nicht gesehen, aber so haben sie es ihm gesagt. Die wirkliche Version ist weniger fantastisch. Mario Medina, Stadtrat von Pirayú und Pilot, sah eines Tages im Jahr 2017, dass eine Gruppe von Arbeitern damit begann, den Rumpf eines alten LAP Electra C-Flugzeugs in der Nähe des Flughafens zu demontieren.

Dieses Flugzeug war eine ZP-CBY, die im Juli 1973 Präsident Stroessner und mehrere Personen seiner Regierung zu einem offiziellen Besuch durch Europa und Afrika führte. „Ich schlug vor, dass sie uns erlauben, es für Trainingsflüge an unserer Akademie zu verwenden und ich erhielt dafür die Genehmigung“, sagt Medina. Der Stadtrat kennt das Flugzeug gut, da er Teil seiner Besatzung war und die Position des Kommissars an Bord einnahm. „Wir sind sehr angetan von diesem wahren Relikt der paraguayischen Luftfahrt“, sagt er.

Sie mussten das Flugzeug in zwei Teile zerlegen, um den Rumpf auf das Grundstück seiner Familie in der Gegend von Cerro Verá zu bringen, wo er es wiederaufbauen wollte, sowohl für Rundflüge als auch um eine Touristenattraktion zu errichten.

Die Lockheed L-188C Electra mit einer Kapazität von 84 Passagieren gehörte zunächst der nordamerikanischen Fluggesellschaft Eastern. Die Fluggesellschaft kaufte es 1969. Mit der Registrierung ZP-CBY begannen Flüge nach São Paulo, Brasilien, mit drei wöchentlichen Frequenzen. Am 14. Juli 1973 führte es den Diktator Alfredo Stroessner und Regierungsmitglieder zu einer der größten Touren auf der Suche nach internationaler Unterstützung. In Spanien wurde er vom Diktator Francisco Franco empfangen.

Stroessner wollte offiziell auch nach Deutschland, dem Land seiner Vorfahren, konnte aber nur inoffiziell nach Bayern von Ministerpräsident Alfons Goppel eingeladen werden, wo er auch seine Cousins ​​Heinz Stroessner und Gustav Unger traf. Die Bundesregierung forderte ihn bereits auf, den NS-Kriegsverbrecher Josef Mengele, der die paraguayische Staatsangehörigkeit erlangte, auszuliefern, doch der Diktator missachtete diese Anweisung.

Darüber hinaus befand sich das Flugzeug in Portugal, Frankreich, Marokko, Kap Verde, Kanarischen Inseln und Recife. Jetzt bewundern Wanderer die schon etwas verwahrloste Kabine des Flugzeugs, indem sie um sie herum Zeltlager errichten und Selfies machen, um ein Szenario zu erschaffen, das wie ein Atomkrieg aussieht. Zwischen dem verlassenen Rumpf des Flugzeugs leben aber die damaligen Geschichten wieder auf.

Wochenblatt / Ultima Hora

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6 Kommentare zu “Das Flugzeug von Stroessner ruht in den Bergen von Pirayú

  1. Das heißt wohl die heutig (1619 Lokalzeit) fürstlich bezahlten Amigos der damalig (1319) Paragauyschen Fluggesellschaft planen schon die Wiederbelebung der nationalen Paragauyschen Fluggesellschaft. Die Flugzeuge hat man schon, müssen nur noch ein wenig restauriert werden. Also, es werden noch Investoren gesucht. Diese dürften unter dem(r) einen oder anderen Leserinn oder Leser des Wochenblattforums sicher zu finden sein. Bei denjenigen wenigstens, die nicht zufrieden sind mit Bananen, Hängematte und 40 Euro monatlich aus Chicle-Verkauf im Bus.

  2. Bayerischer MinisterPRÄSIDENT Alfons Goppel
    Staatsbesuch mit FamilienanschlußVon Carl Schmidt-Polex 3. August 1973
    Alfredo Stroessner, Präsident aus einem fast vergessenen lateinamerikanischen Hinterwäldlerstaat, auf Besuch in Hof, der Heimatstadt seiner Vorfahren. Großvater Stroessner lebte hier, im Nordosten Bayerns, als bayerisch-königlicher Lokomotivführer; der Vater als Brauerei-Angestellter, der schließlich 1898 nach Paraguay auswanderte, das für die Hofer Bürger noch heute kaum mehr als ein weißes Fleckchen auf dem Globus ist.

    Staatsbesuch in Bayern – mit Familienanschluß. Bundespräsident Heinrich Lübke hatte sich nichts Böses dabei gedacht, als er Paraguays Präsidenten-Diktator in die Bundesrepublik einlud. Die Herren der inzwischen veränderten Bonner Szenerie wiederum waren nicht unglücklich darüber, daß der Lateinamerikaner seinen Besuch auf Bayern und dort vorwiegend auf das Kennenlernen von zurückgebliebenen Verwandten in Hof beschränkt wissen wollte. Die Financial Times konnte diesen Vorgang in die folgende Betrachtung kleiden: „Der Besuch ist auf Bayern beschränkt, eine Gegend, die progressive Kreise in Bonn für ebenso reaktionär halten wie Paraguay.“

    Der Vetter aus Dingsda kam mit großem Gefolge, Verwandten, Freunden, Rundfunkreportern, die mit gebührendem Pathos jedes Wort ihres Präsidenten kommentierten und es „live“ nach Asuncion meldeten. Zuerst kam Stroessner in die bayerische Landeshauptstadt. Erzählte Tochter Graciela auch, der Präsident und Papa habe Tränen in den Augen gehabt, als die „Electra“ der paraguayanischen Luftlinie Münchner Boden berührte, so besann sich der seit 19 Jahren eisern amtierende Präsident angesichts des schwergewichtigen Begrüßungskommandos (Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel als Bundesratspräsident und Außenminister Walter Scheel) schnell jenes Anliegens, das ihn in die Bundesrepublik geführt hat. „Ich bin stolz darauf“, sagte er, „wenn man in der Welt sagt: Es ist ein Deutscher, der Paraguay regiert.“

    Selbst Alfons Goppel blickte verlegen in die Runde, als Stroessner „jene ewigen deutschen Tugenden“, nämlich Arbeitsfreude, Pünktlichkeit und Disziplin, als Maßstäbe pries, nach denen er seit nunmehr 19 Jahren seine Republik regiert. Studentengruppen und Amnesty International hatten per Handzettel ein wenig Straßenaufklärung versucht. Die Umgebung von Stroessner befand es indes als unangebracht, daß ausgerechnet in diesen Tagen, „da der Traum unseres Präsidenten in Erfüllung geht“, auf politische Gefangene verwiesen wurde, die aus fliegenden Hubschraubern stürzten oder als Leichen im trägen Paranáfluß trieben.

    So intensiv auch die emotionale Bindung des Paraguay-Präsidenten an seine alte Heimat sein mag, die Sprache Goethes und Schillers ist seine Stärke nicht. So konnte es auch in Hof zu dem Mißverständnis kommen, daß Stroessner einer Gruppe jugendlicher Demonstranten dankend zuwinkte, die nichts anderes skandierten als „Mörder Stroessner, raus aus Hof“. Später und ein wenig aufgeklärter über die Vorgänge, meinte der Präsident, bei ihm zu Hause in Paraguay wäre es wohl kaum möglich, daß ein Gast unter den Augen der Polizei beschimpft werde.

    1. Das ist ja klar, dass Oflodor das nicht geschrieben hat, sondern ein Journalist, welcher Kommentareschreiberling würde sich diese Mühe machen. Trotzdem sehr lesenswerter Kommentar, danke @Oflodor.

  3. @Oflodor
    Danke fuer den Kommentar. Sehr lehrreich. Ja so war er, der paraguayische Abgott den man heute in Abdo wieder aufzuleben versucht.
    Nur muss man bedenken, auch in anspielung an den Kommentar von @Erich Bunte, dass die Zeit nicht mehr zurueckzuholen geht. Jeder Diktator ist einmalig weil eben die Zeit nie dieselbe ist. Daher ist so ein Abdo nur ein billiger Abklatsch der Diktatorsehnsucht von anno dazumal des paraguayischen Volkes. Jeder Mensch ist eben einmalig und nicht in einer Zweitauflage wie ne Schallplatte wieder aufzulegen oder wie eine revidierte Version eines Buches. Der Grossvater, fast haette ich gesagt „Hitlers“, Stroessners hat wohl im Krieg 1870 gegen die Franzosen gedient. So hat er den Vater Stroessners staendig die Geschichten erzaehlt „wie die grossartigen Bayern die Franzmaenner am laufen brachten und wie diese das Weite gesucht haetten – diese Memmen“. So diese Gutenachgeschichten hat der Vater „klein Alfred“ auch jeden Tag erzaehlt „von der ewigen Ueberlegenheit der Bayern die nichts und Niemand besiegen koenne“.
    Mit diesen Geschichten schlitterte „man“ dann in den 1. Weltkrieg „wo der tapfere Soldat die Kugel mit der blossen Brust aufhielte“. Diese Mentalitaet hatten die Daenen nach Ueberlieferungen auch 1845 – der unbesiegbare daenische Soldat.
    Auch in Kanada haelt der Englaender und eingewanderte Deutsche den Franzmann eher fuer einen „Bettkrieger dessen Schuerzenjaegerei ihm den 100 jaehrigen Krieg gekostet hat“ – und damit die Weltherrschaft. Bei Trafalgar erlitten die Englaender rund 450 Tote waehrend die kurzen Schrapnellkanonen bei den Franzosen ueber 4500 Tote verursachten wo die eiserne Disziplin des englischen Soldaten weitgehend gefuerchtet war und ausschlaggebend fuer den Sieg gegen Napoleon war – auch heute noch sehen die deutschen Fremdenlegionaere ihre englischen Kameraden als die besten Soldaten der Legion an mit denen nicht zu spassen waere.
    Also schon 1973 waren die Schwanzwedler in Deutschland an der Macht – kurz vor dem Grossauftritt der Rot-Gruenen aber nach dem Zerfall des Christentums im grossdeutschen Raum. Ob paraguayer oder Mennoniten „reif“ fuer die Demokratie seien?! In der Praxis kann man es weder bei diesen noch jenen erkennen.
    Mit Christus steht und faellt halt alles.
    Apostelgeschichte 4,11 Das ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verworfen wurde, der zum Eckstein geworden ist.
    Epheser 2,20 auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist,
    1. Petrus 2,6 Darum steht auch in der Schrift: »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, soll nicht zuschanden werden«.
    1. Petrus 2,7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die aber, die sich weigern zu glauben, gilt: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, gerade der ist zum Eckstein geworden«,

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