Der verrückte Mariscal López: Ein Theater unter Polizeischutz

Asunción: Die “Verrücktheiten des Marschalls“ heißt ein Theaterstück in Anlehnung an Mariscal López, bei der Schauspieler die geschichtsträchtige Figur von Paraguay durch den Schlamm ziehen. Nur die Polizei konnte eine Aufführung möglich machen.

Mitten in der demokratischen Ära und drei Jahrzehnte nach dem Ende der dunklen diktatorischen Zeit überrollte eine Menge von Anhängern des geschichtsträchtigen Marschalls, angeführt von dem Colorado Politiker José Ocampos, die Uraufführung des Stücks mit Buhrufen Beleidigungen und gewalttätigen Ausschreitungen.

Tatsächlich präsentierte der Regisseur Anuncio Galeano eine Aufführung im Clown-Stil, durch das Geschwafel und den Unsinn eines urkomischen Mannes, der in den Straßen von Asunción unterwegs war und sich selbst Marschall nannte. Das heißt, das Drehbuch hat eigentlich gar nichts mit dem historischen Charakter zu tun.

Die große Angst vor den verbalen Angriffen und sogar das Weinen eines kleinen Schauspielers von sieben Jahren führten dazu, dass das Stück am Donnerstagabend auf der Bühne erneut aufgeführt wurde, jedoch mit starker Polizeipräsenz, aus Angst vor neuen Ausschreitungen wie bei der Premiere. Jedoch weit davon entfernt, die Besucherzahlen zu verringern, lockte der Versuch der Zensur mehr Menschen ins Theater, die gespannt waren auf das Werk, über das so viel gesprochen werden musste.

Galeano hat bereits die entsprechende Anzeige wegen verbaler Aggression eingereicht und Referenten des Nationaltheaters besuchten die Show mit Protestplakaten, die dazu ermutigten, eine Zensur hinter sich zu lassen.

„Es ist eine Arbeit, die von einem echten Charakter inspiriert ist. Jeder kam, um ihn auf der Straße zu sehen, er hatte psychische Probleme und er war immer als Soldat verkleidet. Es war eine Inspiration“, sagte Galeano.

Er fügte hinzu, dass er immer noch sehr überrascht sei. „Nicht einmal in der Diktatur geschah so etwas. Normalerweise, was sie taten, war eine Person zu den Proben zu schicken, um zu sehen, ob das Stück gezeigt werden kann oder nicht. Aber dieses Mal drohte man mir sogar mit dem Tod“, sagte der Regisseur, immer noch beeindruckt von den Geschehnissen.

Wichtige Referenten der Kunstszene, wie die Filmemacherin und Schauspiellehrerin Tana Schémbori, besuchten am Donnerstag, das Theaterstück. Sie sagte, sie sei in Sorge, in welcher Verfassung sich die Meinungsfreiheit des Landes befinde.

„Solchen Angriffen ist mein siebenjähriger Sohn ausgesetzt, der in dem Stück mitspielt. Es gibt immer noch eine sehr rückständige Einstellung zu Kunst und Kultur. Hoffentlich erfolgt ein Umdenken und die Menschen erkennen, dass die Aufführung voll von Metaphern ist, wenn es auch eine Kritik am Marschall ist. Ich glaube auch, dass eine solche gewalttätige Aktion gegen einen künstlerischen Ausdruck etwas Gutes ist“, sagte sie.

Wochenblatt / ABC Color / Hoy

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10 Kommentare zu “Der verrückte Mariscal López: Ein Theater unter Polizeischutz

  1. Warum hier alle so stolz auf Francisco Solano Lopez sind, Straßen Plätze und Einkaufscenter nach ihm benannt wurden, erschließt sich mir nicht.
    Er hat im Dezember 1864 einen Eroberungskrieg gegen Brasilien, um Zugang zum Meer zu gewinnen, begonnen.
    Das Ergebnis war eine Totale Niederlage mit dem Verlusst des halben Staatsgebietes Paraguays und dem Verlusst von mehr als der Hälfte der Bevölkerung.
    Kann mir jemand erklären, warum dieser Mann als Held verehrt wird?

    1. Aber sicher doch, der gute Mann wird hier genauso verklärt wie Adolf von vielen Deutschen. Man hat nicht angegriffen, sondern wurde verraten und ist von den schäbigen Nachbarn angegriffen worden. Der Untershied zwischen Lopez und Adolf: Lopez hat mitgekämpft und ist heldenhaft umgekommen, während Adolf sich in einem Bunker verkroch und dann auch noch Selbstmord beging. Was natürlich von vielen Deutschen auch als Lüge angesehen wird, damit Adolf besser aussieht. Er könnte auch noch viele Jahre glücklich in Südamerika verbracht haben und von dort in die hohle Erde hinabgestiegen sein. Vielleicht ist er auch mit einer der geheimen Reichsflugscheiben zum Mond geflogen.

  2. Mariscalito (Marschall) war nicht unbedingt ein wahnsinniger. Nach wikipedia und den neuesten deutschen Gelehrten hatte Paraguay eine der groessten und besser ausgebildeten Streitkraefte der Zeit. Dank Dr. Francia u.a. Paraguay fuehrte rund 150.000 Soldaten ins Feld wo die Aliierten rund 199.000 Soldaten ins Feld brachten davon 164.000 Brasilianer, 30.000 Argentinier und 5.000 Uruguayer. Mit etwas Kriegsglueck, besserer Ausbildung und sehr guter Generaele haette Paraguay eventuell sogar gegen die Allianz siegreich sein koennen – aber eben in dem Maasse Deutschland gegen die Alliierten eine Chance hatte. Chance auf Sieg wohl aber Wahrscheinlichkeit genau so gut wie keine. Zum Beispiel der kleinere Alliierte Argentinien konnte ein Gesammtaufgebot von rund 184.000 Mann aufbringen. Also in Notsituation duerften die Allierten wohl ein Heer haben aufstellen koennen von gut und gerne 400.000 Mann. Paraguay duerfte mit seinen 150.000 aufgebotenen Soldaten wohl schon seine ganzen Reserven damit erschoepft haben, denn die zusaetzlichen 150.000 Mann um bis zu 300.000 Soldaten zu gelangen die anscheinend gefallen sind auf seiten Paraguays, hat man wohl alles von 11 Jahren bis 90 Jahren aufbieten muessen. Das heisst die gesammte Wirtschaftskraft wurde fuer den Krieg aufgeboten – friss oder stirb.
    Diese ganzen Zahlen sind auch mir neu da 100.000 tote brasilianische Soldaten (von 164.000) mir recht hoch vorkommen und auch von den 30.000 argentinischen Soldaten bissen 25000 ins Gras – das sind rund 60% Verluste auf brasilianischer Seite, 83% Verluste auf argentinischer und 54% Verluste auf uruguayischer Seite. Bei Paraguay sinds dann 100% Verluste, also alle tot. Diese Verlustzahlen sind horrend hoch, kein Wunder dass die Alliierte in Asuncion mit ner Mordswut im Bauch ankamen und alles pluenderten, vergewaltigten und abbrannten was ihnen in die Haende fiel.
    Mit Generaelen wie Napoleon Bonaparte und den damaligen Franzmaennern als Soldaten (die das Evangelium der Demokratie alle Welt aufzwingen wollten – zum besseren Wohle aller!) haette Paraguay aber den Krieg gegen solche Uebermacht gewinnen koennen – nur eben war Lopez nicht Napoleon und der paraguayer nicht der Franzmann von 1800.
    Damals wurde alles Europaeertum in Paraguay ausgeloescht, denn diese waren ja die eigentlichen Kriegstreiber, und was uebrigblieb waren die Indianer.
    Die aktualen Grenzen Paraguays sind in etwa die Grenzen bis wo die Paraguayer siedelten, da die brasilianischen Konfliktzonen weitgehend menschenleer waren sowohl wie auch die an Argentinien abgetretene Gebiete – es gab eben damals wenig Bevoelkerung die in einem konstanten Ringen war ihre Staatsgebiete zu bevoelkern so dass weite Teile der heute besiedelten Regionen weitgehend menschenleer waren. Die brasilianischen Truppen mussten ja erst in ihre eigenen Gebiete vordringen bis sie bis Paraguay kamen und den Krieg ins Land brachten.
    Paraguay hat aehnlich wie Deutschland reiche Erfahrung gegen uebermaechtige Allianzen zu kaempfen. Bezeichnenderweise kam das Freimaurertum nach dem Dreibundkrieg nach Paraguay da Peter der Zweite, Mitre, Gaston d’Orleans, de Lima e Silva und Flores Freimaurer waren – der Mariscalito nicht.
    Die umstrittenen Gebiete waren damals weitgehen menschenleer und keine der Staaten hatte sich wirklich in ihnen festgesetzt.
    Auch war das einer der Kriege wo die oekonomische Lage und Nachschubwege schon ausschlaggebend waren – wer die starkste Wirtschaft hatte, gewann. Z.B. Paraguays Fort Humaita wurde von einem deutschen Juden gebaut aber mit Kanonen bestueckt die nur gegen Holzschiffe effektiv waren – das Fort wurde zu einer Zeit gebaut wo es noch keine Panzerschiffe des Typs Monitor gab. Als die brasilianische Flotte Humaita durchlieg feuerten die paraguayer wie wild und trafen, nur waren die brasilianischen Schiffe mit Stahlplatten benietet (Monitor Typ. Das meiste des Schiffes befand sich unter Wasser wo nur der Kanonenturm ueber Wasser war und alles mit Eisenplatten vernietet, was eine herkoemmliche Napoleonkanone nicht durchschlagen konnte) und die Geschosse prallten harmlos ab (nur 1 Schornstein fiel runter ansonsten gab es keine Schaeden bei der brasilianischen Flotte). Humaita galt bis dann als „unpassierbar“ – nur war sein Equipment (Kanonen) veraltet.
    Also ja, der Krieg war gross, das sterben noch groesser aber Paraguay kam recht glimpflich davon da es die Gebiete behielt die es sowieso bevoelkerte, President Rutherford Hayes pro Paraguay das Schiedsurteil faellte und Paraguay nachher den Chacokrieg ja 1935 gewann. Im Chacokrieg brachte Paraguay wieder ein Heer von 100.000 Mann ins Feld wovon 30.000 von denen starben – das sind 30% Verluste und allemal weniger Verluste als jeder der Alliierten prozentual im Dreibundkrieg erlitt.

  3. Hier ein Bild von damals (oder Kupferstich) wie einige der Schiffe der brasilianischen Flotte die Festung Humaita passieren. https://en.wikipedia.org/wiki/Passage_of_Humait%C3%A1#/media/File:Passagem_de_Humaitá.jpg
    Die Nacht wurde taghell durch die explodierenden Kanonenkugeln. Nur die Panzerschiffe waren vom Typ Monitor die halb unter Wasser waren und das was zu sehen war, war schwer gepanzert (man sah nur den Kanonenturm). 1 Schornstein wurde von einem brasilianischen Schiff wohl durch einen Direkttreffer abgeschossen – sonst wurde nichts beschaedigt.
    Die festung Humaita bestand aus einer 1.8 Km langen Kanonenreihe die in einer Flussbiegung stationiert wurden in U- Form. Am ende der Batterie hatte man eine Seekette durch den Fluss gezogen die die Schiffe anhielt. So wie ich verstand hatte man nicht daran gedacht dass die Seekette schon eine Weile im Wasser lag und stark angerostet war als die Brasilianer kamen so dass die Panzerschiffe diese durchstiessen und diese riss (sie war ja auch nur fuer Holzsegelschiffe gebaut).
    Wikipedia schreibt dieses ueber die Ursachen des Dreibundkrieges (man vertraute zu sehr auf die unbesiegbare Festung Humaita): „The widespread perception which it created in its heyday – that Paraguay was a country difficult to invade – may have induced its Marshal-President Francisco Solano López to take unnecessary risks in foreign policy and, in particular, to seize government vessels and provinces of the much more populous Brazil and Argentina and to send armies to invade them and Uruguay.“.
    Man gab gehoerig Zunder – nur drangen die (veralteten) Napoleonkanonen nicht mehr durch die modernen Panzerplatten der brasilianischen Flotte.

    1. Ja da gibts noch viel dazu zu sagen. Wikipedia gibt weitreichendere Infos als jedes paraguayische Schulbuch.
      Wiesner de Morgenstern, ungarischer Militaeringenieur (wohl damls schon Teil der KuK Monarchie Oesterreich-Ungarn) entwarf die Festung Humaita (bekannt als die groesste Festung in Suedamerika und als „das Sewastopol Suedamerikas“) z.Z. Carlos Antonio Lopez. Die brasilianische Flotte war damals schon im Anmarsch so das Carlos Antonio Lopez 6000 Soldaten im Eilmarsch dahin beorderte wo diese dann in 15 Tagen die Hauptbatterien, genannt „London“ (d.i. Londres in Spanisch), unter Wisner de Morgenstern (wohl ungarischer Jude) im Kasemattenform erbauten. Da drehte die brasilianische Flotte ab denn damals bestand diese noch nur aus Holzschiffen. Auch wurden sofort Hochoefen in Humaita gebaut die die Kanonenkugeln rotgluehend heiss machen konnten die die Holzschiffe dann bei einem Treffer in Brand steckten. All das war aber schon z.Z. des Dreibundkrieges veraltete Technologie dank der Panzerhalbwasserschiffe des Typs Monitor und Merrimack wie im Foto von damals zu sehen (eher wird da das Konfoederiertenmodell der Suedstaaten der USA genannt „Merrimack“ gezeigt. Im Video (https://www.youtube.com/watch?v=Dwq4WIsZCro&t=1235s) zeigt das brasilianische Museum eine der Stahlplatten der brasilianischen Schiffe die von paraguayischen Kanonen getroffen wurden die diese aber nicht durchschlagen konnten. Auch waren die Heeresingenieure der paraguayer damals alles Englaender, Amerikaner, Polen und de Morgenstern als Oesterreich-Ungar. Auch verwendete man selbstgemachte Seeminen bei Humaita die eines der brasilianischen Panzerschiffe versenkte mit 155 Mann Besatzung. Diese Seeminen wurden von einem Amerikaner bekannt als „Mister Krueger“ gebaut. Der Heeresapotheker, George Frederick Masterman, baute die Zuender (Glasampullen mit Schwefelsaeure, Zucker und Potassium chlorat die an schwimmende Zinkkanister angebracht wurden gefuellt mit 600 Kg Schwarzpulver die dann zerbrachen und das Pulver chemisch entzuendeten. Diese wurden jede Nacht eine ins Wasser gelassen die die Brasilianer dann in gefaehrlicher Arbeit in der Nacht mit langen Stoecken aus dem Wasser fischen mussten hoffend, dass die Glasampulle nicht zerbrach und das Ding in die Luft flog), wobei 2 von diesen bei deren Explosionen umkamen, einer mit Namen Krueger flog in die Luft worauf ein Pole dann die Dinge bauen und jede Nacht ins Wasser lassen musste. Ein Englaender Namens George Thompson ersetzte dann de Morgenstern als dieser krank wurde welcher dann Humaita weiter befestigte und der einzige Ingenieur des Heeres der Paraguayer war und vor allem die Schanzen und Befestigungen bei Curupayty (einzige siegreiche Schlacht der paraguayer) und Angostura entwarf.
      Man sieht also, all die Denkarbeit wurde von weissen Amerikanern oder Europaeern getan.
      https://en.wikipedia.org/wiki/Fortress_of_Humait%C3%A1
      https://en.wikipedia.org/wiki/George_Thompson_(engineer)
      Man sieht alle Waffen waren hausgemacht. Kanonen wurden selber hergestellt nahe bei Asuncion, Zuender machte man selber mittel Improvisation und Seeminen mittels Zinkkanister baute man selber. Was fertigt man heute selber an an Kriegswaffen in Paraguay? Die Ausloeschung des Europaeertums hat das Land um Jahrhunderte zurueckgeworfen da man heute alles importiert und nur Lebensmittel exportiert.

  4. Verrückt ist lediglich, dass so etwas aufgeführt wird, obwohl man Polizeischutz braucht. Lopez hat damals alles auf eine Karte gesetzt und hätte er gewonnen was möglich gewesen wäre, hätte Paraguay auch tatsächlich die Vormachtstellung gehabt. Worum geht es sonst in der Politik? Warum ist denn die USA heute Weltmacht? Mit diesen tollen Schauspielern hier wird man keine.

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