Die Deutschen waren schon immer sehr präsent in Paraguay

Asunción: Laut einer französischen Veröffentlichung zu Paraguay aus dem Jahr 1886, in dem spezifische Statistiken zu finden waren, hatte Paraguay eine weitaus kleinere Fläche und 30 Mal weniger Einwohner als heutzutage.

Im Jahr 1886 betrug die Fläche Paraguays gerade einmal 230.000 Quadratkilometer, also etwas die Hälfte von dem was man heute als Herz Südamerikas kennt. Die damalige Gesamtbevölkerung betrug 263.000 und war vergleichbar mit der Türkei, wovon Ausländer keinen kleinen Anteil hatten. Die genaue Auflistung kommt nachfolgend:

231.878 Paraguayer, 4.895 Argentinier, 825 Italiener, 530 Brasilianer, 476 Deutsche, 321 Spanier, 228 Franzosen, 198 Uruguayer, 116 Portugiesen, 112 Schweizer, jeweils 53 Österreicher und Briten, 30 Griechen, 18 Chilenen, 16 Bolivianer, 14 Belgier, fünf Peruaner, drei Russen, zwei Dänen und ein Grenadier. Allein in der Hauptstadt Asunción lebten 24.838 Menschen.

Die meisten Ausländer, die nach Paraguay kamen, siedelten sich in Kolonien an und waren meist unter sich. Allen voran die Deutschen in San Bernardino, folgten später Japaner, Australier, Mennoniten und Koreaner.

Wochenblatt / Paraguay de antes

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4 Kommentare zu “Die Deutschen waren schon immer sehr präsent in Paraguay

  1. Jeremia Ritter von Ochs vor dem Berg

    Das ist was ich hier schon zeitueber singe und predige: Paraguay ist heute groesser den jemals. Obzwar das Gegenteil in allen Schulen gelehrt wird. Die Haelfte des Staatsgebietes bedeutet dass nur Ostparaguay als Paraguay galt und zum Staatsgebiet Paraguays offiziell zaehlte.
    Das zeigen auch alle Landkarten von Auslaendern gezeichnet vor und nach dem Dreibundkrieg. Nur waehrend des Dreibundkrieges figurieren Teile der „verlorenen“ Gebiete Ostparaguays als Teil von Paraguay – da wurden offensichtlich schnell Landkarten in Auftrag gegeben vom Mariscalito. Dann lief die Sache schief und Paraguay war wieder das was es sowieso immer war – und zwar nur Ostparaguay in seinen heutigen Grenzen.
    Die Deutschen die es nicht nach den USA schafften kamen dann nach Paraguay aber vor allem Brasilien wo damals Millionen Deutsche einwanderten. Von denen kamen dann vor ein paar Jahrzehnte die sogenannten Deutschbrasilianer nach Ostparaguay um da Soja anzupflanzen weil sie so quasi von den Brasilianern verfolgt wurden – so viel ich verstand wurden die eingewanderten Deutschen von den imperialistisch gesonnenen Portugiesen in Brasilien nur geduldet aber nie so richtig angenommen. Brasilien kaempfte ja auch auf Seiten der Alliierten im 2. Weltkrieg gegen die Achsenmaechte.
    Allerdings war Paraguay um 1600 und davor als spanische Gobernacion del Paraguay viel groesser und man verstand dass das Stammesgebiet der Guarani gleichbedeutend mit dem Hoheitsgebiet der Gobernacion del Paraguay das Teil des Virreinato del Rio de la Plata (Vizekoenigreich des Silberflusses) war. Um 1513 stiessen die Guarani Indianer mit dem Inkareich zusammen und daher sehen die Paraguayer dank ihrer Identifikation mit dem Guaranistamm den Chaco als paraguayisches Hoheitsgebiet an – denn die Guaraniindianer entsandte Expeditionskorps zum Inkareich und griffen dieses an. Die Guaraniindianer obne im Chaco sind Nachfahren dieses Expeditonskorps das nicht weiter als bis da gelangte in ihrem Expansionsstreben – sie kriegten wohl eins auf die Schnauze von den Inkas, die heutigen Bolivianer, Peruaner und Chilenen und liessen sich dann als Grenzwacht im oberen Chaco nieder.
    Die Karte von 1889, also nach dem verlorenen Dreibundkrieg zeigt aber deutlich dass Paraguay einen 70 Km bis 100 Km breiten Landstreifen des Paraguayflusses auf der Seite des Chaco beansprucht (1:1 Million Massstab = 1 cm = 10 Km Landstrecke auf der franzoesischen Karte).
    https://www.mre.gov.py/cndl/index.php/mapas/mapas-historicos
    Die ganzen Landreklamationen der Paraguayer an die Brasilianer und Argentinier stammten von vor 1600 wo Paraguay noch groesser war und dessen Governementsgebiet das Guaranistammesgebiet abdeckte. Nachher wurde die Gobernacion del Paraguay aber sukzessive administrativ von den Kolonialspaniers verkleinert bis es nur auf die etwaige Groesse Ostparaguays geschrumpft war zugunsten anderer Gouvernements. Daher der Konflikt: man wollte wieder so gross sein wie zwischen 1500 und 1600 und meinte zudem der Nachfolger des Jesuitenstaates zu sein der ja vorrangig mit Guaraniindianer arbeitete und bis zum Uruguayfluss reichte.
    Schon 1647 verstand man unter Gobernacion del Paraguay nur Ostparaguay (in etwas bescheiden groesseren Grenzen) und der Chaco galt als Niemandsland oder Indianerland. Den Chaco beanspruchte damals offenbar niemand weil man vor den wilden Indigenen angst hatte – zudem lechzte niemand nach der Durststrecke von Landstrich da der Conquistador Alejo Garcia da umkam. Man kann das in den Karten sehr schoen sehen wie es gelaufen ist.
    1656 reichte der Zipfel Ostparaguays noch kartographisch bis Uruguay an der Muendung vom Rio de la Plata.
    Dann 1668 reichte Ostparaguay wieder auf der Karte bis zu dem Zusammenlauf der Fluesse die den Paraguayfluss mit Wasser speisen (heute Brasilien, wohl Matto Grosso do Sul).
    Also zum Stand dieser beider Karten (1656 und 1668) wollte der Mariscal den Lauf der Geschichte zurueckdrehen.
    In der Karte von 1732 stellt der Zipfel Ostparaguays der bis zum Rio de la Plata bei Uruguay geht gerade die Umfaenge der Jesuitenprovinz dar. Mit durchgehenden Landstrichen am Paranafluss die heute nicht zu Paraguay gehoeren (aber diese Landstriche sind nicht sehr breit).
    In der Jesuitenkarte von 1733 wird wiederum oberhalb von L’Assomption (franzoesisch fuer Asuncion, was ja Himmelfahrt bedeutet) der Chaco nicht zur Gobernacion de Paraguay gerechnet.
    In den jesuitischen Karten von 1749 und 1756, auf der hoehe der Jesuitenprovinz kurz vor deren Rauswurf, wird Paraguay als Alliierter des Jesuitenstaates wiederum gross gezeichnet deckungsgleich mit dem Jesuitenstaat. Die Jesuiten wollten ja die Gobernacion del Paraguay zu ihrem Staat machen und daher galten die entferntesten Jesuitenreduktionen als Grenze der Gobernacion del Paraguay.
    Dann 1773 wurden die Jesuiten aus dem spanischen Kolonialreich rausgeworfen und der Orden sogar aufgehoben. Es gab zu viele Neider wegen deren Steuerfreiheit.
    Aber schon im Jahr 1771 (kurz vor dem Rauswurf der Jesuiten) wurde Paraguay widerum nur als Ostparaguay angesehen nur in etwas groesserem Umfang.
    1782 wurde dann Paraguay zu einem grossen Governement und umfasste sogar Uruguay wo hier ein runder Kreis von Asuncion gezogen wurde welches dann das Gebiet Paraguays war. Recht gross. Und wegen dem runden Kreisumfang kommt der Chaco in seinen heutigen Umfaengen auch ganz ins Paraguayische Governementsgebiet rein.
    1785 gibts dann bedeutende Schrumpfungen des paraguayischen Gebietes.
    Und zuletzt sieht man dann auf der Karte von 1861 wo die umstrittenen Gebiete liegen und dass Paraguay wiederum nur als Ostparaguay (der groessere Umfang Ostparaguays ist jetzt umstritten) angesehen wird. Wiederum aber ein etwa 100 Km Streifen entlang dem Paraguayfluss dem Paraguay im Chaco nach dem Vertrag von 1832 zugesprochen war.
    Dann 1862 sieht man die Landstriche jehnseits des Paranaflusses wieder als brasilianisches Gebiet an.
    1863 dann versteht die Johnson Karte nur das Ostparaguay in den heutigen Grenzen als Paraguay an. Also ab dann sieht man nur Ostparaguay als Paraguay. Der Chaco gehoert in der Johnsson Karte zu Bolivien.
    Waehrend dem Krieg, in der Kratzenstein & Held Karte von 1865, wird General Mitre als Generalissimus der Aliierten angesehen und die umstrittenen „paraguayischen“ Gebiete als „Corrientes“ bezeichnet (heute Argentinien) und als „Departamento de San Salvador“, welches heute wohl das Matto Grosso do Sul brasiliens ist. Paraguay schickte sich also an vermeintliche Gebiete von 1600 wieder einzuverleiben und administrativ zu benennen (z.B. Departamento San Salvador).
    Man hatte die Schnauze voll staendig administrativ geschrumpft zu werden und Gebiete an andere Governements abgeben zu muessen die dem spanischen Koenig mehr im Ohr lagen und ging etwa ab 1860 zu einer offensiveren Expansionspolitik ueber. Paraguay erinnerte sich vergangener grandioser Umfaenge und wollte die Uhr zurueckdrehen zur glorreichen Zeit des Jesuitenstaates – der auch oft nur auf dem Papier bestand da zwischen 2 Jesuitenreduktionen hunderte Km Gebiet lag und dieses somit einverleibt wurde. In etwa so wie wenn die Schweizer in Rosaleda eine Kolonie gruenden und dann von Basel her einen Kreis ziehen und alle Gebiete zwischen Base und Rosaleda als schweizer Hoheitsgebiet ansehen (Italien, Uruguay, ganz Afrika, etc).
    Argentinien ist so gross weil die Paraguay waehrend der Kolonialzeit vom Seeweg des Rio de la Plata abschnitten und somit mehr politisches Gewicht in Spanien hatten. Dadurch wurde das Gouvernement del Paraguay verwaltungsmaessig kleingeschrumpft. Ansonsten waren die Kernlande Paraguays immer das heutige Ostparaguay – nur mit ein paar Gebieten mehr die aber nicht sooo umfangreich sind wie man das dem Volk in den Schulen weissmachen will.
    Der Versuch das Gebiet Paraguays mit dem Guaraniindianerstammesgebiet gleichzusetzen brachte u.a. den Krieg herbei – man erinnerte sich der glorreichen Zeiten von 1513 wo die Guarani dem Inka paroli boten und sehnte sich nach diesen Zeiten zurueck.
    Ansonsten ist Paraguay heute viel groesser als es kurz vor dem Krieg ueberhaupt war. Die Departemente Corrientes und San Salvador duerften wenn dann nur spaerlich mit Menschen bevoelkert gewesen sein so dass sie meist nur auf dem Papier figurierten.

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