Die paraguayische Unpünktlichkeit, eine schlechte Angewohnheit

Asunción: Eine halbe Stunde zu spät zu einer Besprechung oder eine Tätigkeit in letzter Minute passiert häufig bei den Paraguayern. Die Unpünktlichkeit ist eine schlechte Angewohnheit fast im ganzen Land.

Millionen von Vorwänden werden als Rechtfertigungsgrund für die Unpünktlichkeit genannt, jedoch sind diese Ausreden kaum wahr. Die berühmteste ist meistens, dass der Bus, das Auto oder Motorrad einen Defekt hatte.

„Die Besprechung beginnt nie pünktlich“ denken viele Einheimische, wenn eine Aktivität geplant ist. Kommt man jedoch zu spät, ist es eine peinliche Sache, wenn die Person wegen der Unpünktlichkeit die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht.

Die Aufgaben in der Familie, der Schule und im Haushalt bleiben oftmals einfach liegen. Sonntagnachmittag werden dann noch schnell die Hausaufgaben gemacht, um sie für Montag dem Lehrer zu präsentieren zu können. Die Hausarbeit wird auf später aufgeschoben, dann bricht aber die Verzweiflung aus, weil unvorhergesehene Umstände auftauchen und man merkt, dass die anstehenden Aufgaben nicht mehr zu schaffen sind.

Auf die eine oder andere Weise denken wir manchmal, dass es schlecht ist, zu spät zu sein. Es ist jedoch eine schlechte Angewohnheit, die viele Paraguayer haben.

Ich habe dieses Paradigma gebrochen und erinnerte mich daran, dass man die schlechte Gewohnheit, eine halbe Stunde zu spät zu kommen, loswerden kann. Eines Tages kann die schlechte Eigenschaft dazu führen, dass man sogar seine ersehnte Arbeitsstelle verliert. Obwohl viele die Gewohnheit haben, alles in letzter Minute zu erledigen, ist das kein Grund, es auch zu tun. Legen Sie die Ausreden beiseite und schauen Sie auf die Uhr, um pünktlich zu erscheinen.

Von José Peralta (18)

Wochenblatt / ABC Color

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11 Kommentare zu “Die paraguayische Unpünktlichkeit, eine schlechte Angewohnheit

  1. Ach so, jetzt habe ich endlich kapiert, warum alle ständig und überall, im Auto, auf dem Moto, unter dem Mango sitzend wartend bis mil herunterfällt, bei Zuschauen wie der Müll abfackelt und die Müllabfuhr am Hause vorbeifährt, bei allen 3F-Tätigkeiten (Fessen, Frinken, Faulenzen) auf ihr iTelefon schaun. Wegen der Uhr ist das. Aha, wieder einmal etwas auf wochenblatt gelernt.

  2. Viele ?? doch wohl alle und sie bekommen es vorgemacht von Richzter Staatsanwälten die Gerichtstermine haben aber nicht erscheinen weil der Friseurtermin oder das Frühstück zu lange gedauert hat und deshalb ganze verhandlungen verschoben werden. Das land ist einfach nur zum ko… hoffe das ich es bald verkassen kann.

    1. Es gibt nur folgende Möglichkeiten mit der Andersartigkeit der hiesigen Kultur zurecht zu kommen: 1. Sich blind und taub stellen, alle guten Angewohnheiten über Bord werfen, mitmachen und sich einreden alles ist optimal und wunderbar. Oder 2. resignieren, sich völlig abkapseln und Trost im Alkohol suchen. Oder 3. Innerlich frei machen von all dem, was einem total gegen den Strich geht, sein eigenes kleines Paradies aufbauen und sich nicht beeindrucken lassen was andere so treiben, aber dennoch seine Werte und Grundsätze erhalten und ruhig Kritik üben was einem gegen den Strich geht. Man muß sich ja nicht zum angepaßten Esel machen lassen. Außerdem fallen für gewöhnlich Einwanderer den Paraguayern in keinster Weise zur Last, bekommen von niemanden etwas umsonst (weder von Privat noch vom Staat) und müssen uns daher nicht ständig wie unterwürfige Dauergäste verhalten, die nur investieren und brav zahlen sollen, aber ansonsten die Klappe zu halten haben. Oder 4. Wir halten es hier nicht aus ohne Schaden zu nehmen und gehen mit „großen Erfahrungen“ und vermutlich finanziellen Verlusten wieder in die alte Heimat zu zurück. Aus meiner und auch anderer Erfahrungen heraus kann ich feststellen, daß Einwanderer i.d.R. ca. 5-8 Jahre benötigen, bevor sie sich hier endlich mit der doch völlig anderen Kultur und Denkweise zurecht gefunden haben. Danach ist man „über dem Berg“ und findet seinen Weg. Leider gehen in diesem Zeitraum viele Beziehungen und Ehen kaputt, weil jeder der Partner anders mit den Problem umgeht oder eben nicht umgehen kann. Es geht nur gemeinsam und mit Zusammenhalt durch dick und dünn – oder die Beziehung ist am Ende auch noch hin. Alles hängt eben von der Psyche des einzelnen Menschen ab. Man muß sich schon eine gewisse Härte zulegen und den Kampf aufnehmen. Wer das nicht kann, sollte lieber heute als morgen die Heimreise antreten.

      1. 1. Sich blind und taub stellen 2. resignieren, Alkohol 3. Innerlich frei machen, gibt es auch noch eine
        4. Möglichkeit: Lärm, Gestank und Intelligenzbestialität ertragen, ohne dass man dabei etwas unternehmen kann. Einfach nur ertragen, ertragen, ertragen. Jeder ist gut beraten einfach nur zu ertragen, ertragen, ertragen, sonst wirst dann selbst erleben, wie sich ein Messer im Rücken sich anfühlt (vor vorn kommt nur intelligentes Grinsen, denn Feigheit hat Angst dir von vorn mit einem Messer zu begegnen).

  3. Unpuenktlichkeit ist eine paraguayische Tugend – wer puenktlich kommt, kommt viel zu frueh. Das ist unhoeflicher, als zu spaet zu kommen.
    Auch ist es nicht noetig, den anderen Bescheid zu sagen, wenn man zu spaet kommen wird. Schliesslich ist es ja voellig normal, spaet zu kommen. Da braucht man auch kein WhatsApp-Speicher verbrauchen wenn man „Llego mas tarde“ verschickt, wenn in den 25 anderen Whatsapp-Gruppen Nachtfotos von Models oder Videos, wo ein Mann in einer viel befahrenen Strasse einen Strip vollzieht.
    Der 18-jaehrige Jose Peralta ist offensichtlich naiv zu glauben, dass man Erledigungen nicht in letzter Minute machen sollte – kann man sehr wohl. Da kann man andere Sachen nach hinten verschieben – dann hab ich auf jeden Fall morgen und uebermorgen auch noch was zu tun. Schlau, ne?
    Und wenn unter Zeitdruck die Sachen nicht ordentlich gemacht werden, geht die Welt nicht unter. Todo tranqui. Jeder macht mal Fehler – aber immer ist der andere Schuld.

    1. Hahah, ja, da können die meisten ja nichts dafür zu spät zu erscheinen. Auch nicht, dass der tote Hund nicht brennen will, den man im Hinterhof nach Wochen seines Ablebens angezündet hat. Auch nicht, dass man keine Schaufel besitzt. Auch nicht, dass es auf dem Kinderspielplatz (Hinterhof) für die Kinder eigentlich toxisch wäre. Auch nicht, dass die Kinder halt dort spielen müssen, da ohne Plata nix mit Tschopping ist. Auch nicht, dass man in die Blumenkohlkiste gegriffen hat. Auch nicht… na, das erspare ich uns jetzt.

  4. Nur gut, dass es dieses Forum gibt, denn vermutlich würden sonst einige der hier Schreibenden im täglichen ‚Europäersein-Frust‘ platzen.

  5. Es ist weltweit wohl mehrheitlich so, eine teure Uhr sowie ein teures Handy zu haben, aber die Uhrzeit nicht zu kennen. Das Handy hat diese angeborenen Instinkte noch verstärkt, aber dennoch kann ich mich an meine Jugend in den 90igern also der Vorsmartphone Zeit recht gut erinnern. Ich hatte so einige Freunde, wenn man denen sagte, um 7 komme ich und wir gehen los, dann kam ich also um 10 vor 7 und… sah diese Freunde natürlich in Trainingshose. Es war also so, dass diese mich erwarteten und dann erst begannen sie sich zu duschen zu parfümieren etc. bis man also dann irgendwann losging.
    Das heisst natürlich auch, dass egal wann ich gekommen wäre sich für mich nichts ändert. Ich sitze herum und darf Daumen drehen, wesentlich war nur, dass die es nicht tun müssen. Wie das geregelt wurde, wenn die sich untereinander besuchten, weiss ich nicht so genau, ich nehme aber an, die haben sich vor Ort getroffen und es kam jeder irgendwann. Es ist aber so, dass wir hier nicht von wichtigen Terminen sprechen. Zumindest so weit waren wir als 16 jährige auch schon, man wundere sich aber nicht, wenn es in gewissen Staaten von quasi allen und quasi immer so gemacht wird.

    1. 100 Punkte! Die „Frustis“ hätten wohl besser ihr Hirn eingeschaltet bevor sie sich blindlinks und ohne Ahnung irgendwo niedergelassen haben.

  6. Eines habe ich mir schon lange abgewöhnt: Auf irgend einen Paraguayer zu warten.
    Wenn der/die nicht zum vereinbarten Termin erscheint (+/- 15 Minuten), dann war es das.
    D.h., ich gehe einfach wieder weg, wenn keiner vor Ort auftaucht.
    Beschwert hat sich bis dato niemand, auch wenn ihnen dadurch Plata durch die Lappen geht.
    Die meisten fragen nicht einmal nach!
    Kapieren werden sie das nie. Selbst die tollen ( so bezeichnen diese sich selbst) Händler/Handwerker haben keinen Plan,
    warum man das nicht akzeptiert.
    Ich habe mich schon oft gefragt, wo, wann und vor allem wie verdienen die ihr Geld?
    Unter Mango sitzen und warten bis es Plata regnet?

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