Die schwierige Arbeit des Recyclings in einer desorganisierten Stadt

Asunción: Das Recycling durch mehr als 600 Familien auf der Mülldeponie Cateura ermöglicht es ihnen, ihr tägliches Brot zu verdienen. Der Preis dafür ist aber hoch.

In der Metropolregion werden laut den städtischen Diensten der Gemeinde Asunción durchschnittlich 655.000 Kilo Müll pro Tag erzeugt. Ungefähr 1,5 Kilo Müll produziert jeder Einwohner der paraguayischen Hauptstadt täglich.

Für Patricio Ortiz, Direktor für Umweltqualität aus dem Sekretariat der Umwelt (Seam), sei dieser Betrag im Vergleich mit der Realität in der anderen Länder der Region gering. Auf der anderen Seite erklärt er, dass in städtischen Gebieten die Müllmenge immer höher sei als in ländlichen Gebieten.

Tonnen von Müll landen auf der Deponie Cateura, die von dem privaten Unternehmen Empo SA verwaltet wird. Die Arbeiter dort, jene Männer, die häufig diskriminiert und kriminalisiert werden, sortieren aus, was zum Verkauf dient und bringen es Recycling-Unternehmen. Das Geld, das sie dafür bekommen, ernährt ihre Familien.

Leider sei das Geschäft in Paraguay begrenzt, so Ortiz, weil nur vier Arten von Materialien wiederverwertet werden: Kunststoff, Pappe, Aluminium und Glas.

In anderen Ländern der Welt ist das Recycling umfassender, dabei können auch elektronische Geräte wiederverwertet werden. Dies ist eindeutig der Technologie und den privaten Investitionen von Unternehmern zu verdanken. Dabei entsteht ein doppelten Vorteil: Ein ökonomischer Wert wird durch das ausgediente Material erzielt und die Qualität verbessert sowie die Lebensdauer der Deponien verlängert.

In Cateura fallen jedoch Abfälle ohne Klassifizierung an.

In der Hauptstadt von Paraguay arbeitet jeder Müllsammler im Allgemeinen Hände ohne Handschuhe. Sie haben nicht die Möglichkeit, in eine nahe gelegene Klinik zu gehen, wenn sie während ihrer fast zwölfstündigen Arbeit mit Spritzen, Gläsern oder scharfen Gegenständen verletzt werden.

„Wir haben keine Unterstützung von irgendeiner Institution, wir haben keine Handschuhe, Masken, Uniformen, wir haben kein Gesundheitszentrum“, klagte Carmelo Ortiz, ein Mann, der sich seit 30 Jahren dem Recycling von Wertstoffen aus dem Müll verschrieben hat.

Die Lösung besteht für die Seam zunächst darin, Investitionskapital zu erhalten. Zweitens müssen Mülleimer für jede Art von Abfall aufgestellt werden und eine Erziehung der Bürger für ihre korrekte Verwendung erfolgen. Dann sollten die Gemeinden einmal in der Woche verschiedene Arten von Müll einsammeln und die Abfälle auf Deponien klassifizieren.

Das Trennen von Müll übernehmen die Sammler auf der Deponie Cateura. Diese Arbeitnehmer sollten eigentlich in einer Recyclinganlage mit Sicherheits- und Hygienemaßnahmen arbeiten, was jedoch weit von der nationalen Realität entfernt ist. Die Arbeiter sind organisiert, es sind mehr als 600, nur in den Bezirken, die die Deponie umschließt. Sie tragen Westen in drei Farben, um sich selbst zu identifizieren und nach Art des Mülls zu klassifizieren, entweder aus Asunción oder aus der Metropolregion.

Sie arbeiten 24 Stunden am Tag in zwei Schichten. Die erste Schicht ist von 6.00 Uhr bis 17.15 Uhr und die zweite Schicht von 17.30 Uhr bis 6.00 Uhr. Wenn die Hitze und die Luftfeuchtigkeit hoch sind, wie es in diesem Land die meiste Zeit des Jahres passiert, leiden sie unter Übelkeit, Ohnmachtsanfällen und Dehydrierung.

In Paraguay müssen wir uns immer noch auf eine Gesellschaft zubewegen, die einen Job anerkennt, der für viele nicht existiert.

Von den gesamten Abfällen, die im Land anfallen, werden nur 10% wiederverwertet, eine niedrige Rate aufgrund der Agglomeration und des Mangels an Unternehmen, die in diesem Bereich ernsthaft arbeiten. Ziel der Seam ist es, mindestens 15% der Abfallverwertung zu erreichen.

Wochenblatt / Ultima Hora

Der Zweck dieses Dienstes ist die Wertsteigerung der Nachrichten und um einen flüssigeren Kontakt zu den Lesern zu etablieren. Kommentare sollten an das Thema des Artikels angepasst werden. Die Kommentatoren sind ausschließlich für den Inhalt verantwortlich, der sachlich und klar sein sollte. Schimpfwörter und persönliche Beleidigungen sowie Rassismus werden nicht geduldet.

6 Kommentare zu “Die schwierige Arbeit des Recyclings in einer desorganisierten Stadt

  1. Verdorbenes Frisch

    Antworten

    Auch wenn die «Vorgezogene Recycling Gebühr» hierzulande erfunden werden würde, so würde das nichts nutzen. Wer könnte sich dann noch einen TV leisten, wenn dieser zwei Euro VRG mehr kosten würde?
    Aber das wird bestimmt auch so klappen mit der Erziehung der Konsumenten. Die sind ja hier besonders empfänglich.
    Am besten macht man das so wie meine Nachbarn, die offenbar keine Müll produzieren, da der Müllabfuhrgebühren – Eintreiber vom Beatmetenhäuschen an deren Haus vorbei läuft und direkt auf mein Haus zugeht. Ja, der Alemanne de M. ist ja so gut erzogen und hat auch Plata. Wer keinen Müll produziert muss auch keine Müllabfuhrgebühren und auch keine Bußen, man verstößt ja nicht gegen Gesetzte, das ist doch gerecht.
    Einige hier können auch gar keine monatlich Müllabfuhr bezahlen, da Bier auch kostet, entweder verbrennen sie die Bierbüchsen oder leben vom Altmetall, ich weiß es auch nicht. Vom Arbeiten jedenfalls nicht.

  2. Der Mann hat gut Reden.Wie ist es den mit verwertbaren Müll in Europa.Ja er wird wieder verwertet.
    Ein großer Teil geht in Entwicklungsländer, früher sehr viel nach China,Ein großer Teil wird verbrannt ohne Gestank in Müllverbrennungsanlagen was nichts anderes ist als ein Kraftwerk.
    Wer wirklich einen Blumenkopf gewinnen will braucht eine moderne Müllsortieranlage mit einer Müllverbrennungsanlage/Kraftwerk.Selbst Autoreifen liefern bei der Zementherstellung noch den Brennstoff mit den richtigen Filtern die Energie.

    1. Für große Städte wie Asuncion, wäre eine MVA (Müllverbrennungsanlage) die Lösung.
      Es müssen mindestens 400 to / Tag angeliefert werden, damit sich eine solche Anlage rechnet.
      Die Müllklasse ist hierbei unerheblich. Mischmüll mit einem guten Anteil von Papier/Tetrapak/Verbundstoffen ist ideal,
      da dadurch die Verbrennung optimal funktioniert und somit wenig Fremdenergie zugeführt werden muss.
      Der Vorteil einer MVA liegt klar auf der Hand:
      Die Umwelt wird so gut wie nicht belastet, solange man die Rauchgasreinigung nicht manipuliert (Könnte hier zu einem Problem werden).
      Die Reststoffe lassen sich einwandfrei trennen. D.h. diese können dem Recycling wieder zugeführt werden.
      Dies betrifft auch die Rückstände aus der Rauchgasreinigung. Schwefel, Kalk usw.
      Die letzten Endes verbleibende Schlacke kann als Zuschlagstoff bspw. für den Straßenbelag verwendet werden.
      Die beim dem Verbrennungsprozess entstehende Abwärme wird bei der klassischen MVA in elektrische Energie umgewandelt. Bei erweiterten Systemen kann prozentual Fernwärme oder diese ausschließlich produziert werden.

      Eine solche Anlage könnte man hier überhaupt nicht bauen. Nicht wegen der Technik, die man sowieso importieren müsste, alleine die vielen offenen Hände die einem hier entgegen gestreckt werden würden, um überhaupt eine Genehmigung zu bekommen, wäre die Haupthürde.

      Es gab hier schon Investoren die mehre solche Anlagen installieren wollten…sie haben sich dagegen entschieden.

  3. Verdorbenes Frisch

    Antworten

    Wobei man auch erwähnen muss, hier gibt es keine Sperrgut – Abfuhr. Hier wird viel mehr wiederverwendet als in Europa. In DÖCH ist man ja so verwöhnt und wechselt mal die Möbel, die alten stellt man auf die Straße. Stirbt jemand möchte gar niemand seine Möbel übernehmen und landen in der Verbrennungsanlage oder im Brockenhaus. Hier findest aber gar nichts auf der Straße, aller wird gebraucht. Selbst nicht mehr gebrauchte Fenster, Türen, Sanitäreinrichtung vom wieder abgereisten DÖCHLER, alles was zum Abmontieren nicht viel Arbeit ergibt, wird wiederverwendet.

  4. Hallo Verdorbenes Frisch, es wird sogar, man staune, auch Zeug mitgenommen, was man noch braucht,hehe. Wer sein Haus alleine stehenlässt, hat nach kurze Zeit auch keine Fenster mehr drin oder Ziegel oberdrauf?

Kommentar hinzufügen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.