Ein Krankenhaus ist kein Hotel

Asunción: Harte Wort für einen Mediziner und den Leiter des Notfallkrankenhauses „Emergencias Medicas“, Aníbal Filártiga. Er erinnerte öffentlich daran, dass nicht zu jedem Patient eine Tante, eine Großmutter und ein Hund anreisen müssen.

Patienten aus dem Inland, meist mit Unfallverletzungen bringen manchmal Wochen in dem Spezialkrankenhaus zu. Wie in Paraguay üblich bleibt ein Familienmitglied beim Patienten um ihn zu versorgen, da Krankenschwestern überlastet sind und Medikamente permanent fehlen. Allerdings fehlt es für diese Personen an Übernachtungsmöglichkeiten, weswegen das Militär schon Zelte aufstellen ließ. Jedoch entstand im Hinterhof des Krankenhauses eine kleine Stadt, die aus allen Nähten platzt.

„Wenn zu jedem Patient nur ein Familienangehöriger kommen würde hätten wir nicht das Problem einer Überbevölkerung, wie es jetzt existent ist. Derzeit ist die Anzahl der Angehörigen drei Mal so hoch wie die Anzahl der Patienten. Das ist kein Hotel und wir sind auch nicht verpflichtet allen die hier her kommen einen Schlafplatz zu garantieren“, sagte der Mediziner.

„Die paraguayische Kultur bringt mit sich, dass jeder Patient seine Tante, seine Oma, seinen Hund und die ganze Welt mitbringt. Sie campen auf dem Hinterhof und kochen gemeinsam und dann wenn sie gehen hinterlassen sie alles verschmutzt. Einige Personen entledigen sich ihre Notdurft an jedem erdenklichen Ort des Krankenhausgeländes und wir müssen das jeden Tag ertragen“, fügte er hinzu.

(Wochenblatt / Abc)

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4 Kommentare zu “Ein Krankenhaus ist kein Hotel

  1. Das Problem liegt ganz woanders. Warum herrschen in den öffentlichen Krankenhäusern oft Zustände wie in einem Schweinestall?

    1) Funktionieren die Krankenhäuser nicht wie sie funktionieren sollten.

    2) Kommen immer die Angehörigen mit, da die Ärzte ständig Medikamente brauchen, die die Angehörigen in den umliegenden Farmacias kaufen müssen, die sich in der Hand von gewissen Personen befinden. Die Angehörigen haben vor allem die Aufgabe Geld aufzutreiben.

    3) Die Krankenpflege ist ein weiteres Thema. Ein Angehöriger muss immer in der Nähe sein um den Kranken helfend zur Seite zu stehen, da die Krankenschwestern überfordert sind und glauben die Angehörigen müssen für den Kranken da sein und nicht sie als Schwestern.

    Würden die Krankenhäuser den Kranken aufnehmen und dann in ihre Obhut nehmen, müssten Besuchszeiten eingehalten werden und das Problem würde nicht mehr existieren. Da man aber die Angehörigen zur Ader lässt, wird sich an diesem System nie was ändern.

  2. hallo asuncioner
    genau so ist es,wirklich mit wenigen worten die sachlage
    beschrieben.eines moechte ich noch hinzufuegen.andauernd
    wird irgend eine „analisis“angfordert,und die ist meist
    zu bezahlen,weil man sie angeblich sofort braucht.
    momentan habe ich in der verwandtschaft so einen fall.ein kind wurde nach asuncion ueberwiesen und seine
    mutter und die oma sind natuerlich mitgefahren.

  3. …da die Krankenschwestern permanent überlastet sind….

    Haha ! Überlastet damit, im Aufenthaltsrauf zu sitzen, zu schwatzen und Tereré zu trinken.
    So sieht es nämlich aus.
    Auch mit den Ärzten ist es nicht besser.
    Das Personal fühlt sich nicht für die Krankenpflege zuständig, dafür sind die Angehörigen da.
    Man muß die kranken Angehörigen selber waschen, evtl. die Windeln wechseln ( und das als Laie bei frisch operierten Menschen ), das Essen wird ins Zimmer gestellt, außerhalb Reichweite des Kranken. Ist kein Angehöriger zum Füttern da, wird das Tablett nach einiger Zeit wieder abgeholt.
    Medikamente muß man privat einkaufen, dafür stehen sie dann nachher nochmal auf der Rechnung.
    Ebenso die nicht erbrachten Pflegedienste, nicht erfolgten Visiten, nicht stattgefundene ärztliche Versorgung.
    Man muß die Bettwäsche selber mitbringen, selber wechseln, usw.
    Und das wohlgemerkt nicht im Comun-Krankenhaus, sondern in einem sehr hoch angesehenen kirchlichen KH auf der Privatstation.
    Gar nicht davon zu reden, daß die zuvor genannte Summe, die die OP + Aufenthalt kosten solle, am Schluß mehr als das dreifache beträgt, obwohl es weder Komplikationen noch unerwartete Probleme gab.

    Die Krankenhausleitungen sollen erst mal ihr Personal ans Arbeiten bringen und nicht nur den Patienten und den Angehörigen das Geld aus der Tasche ziehen.
    Dann müssen sie auch keine „Feldlager“ für mitgereiste Angehörige anlegen.

  4. Ich musste schmunzeln, als ich den Artikel las – und richtig laut lachen, als ich mich erinnerte, mit welchen Vorstellungen manche Deutsche hier unterwegs sind 🙂
    Selber war ich nach Not-OP über mehrere Wochen in verschiedenen Krankenhäusern … welch ein Erlebnis!
    Es reicht vom 4-Sterne-Hotelzimmer mit Erste-Klasse- Service von Ärzten und Personal bis zum Slum mit Kakerlaken, verstopftem Waschbecken und verkackter Toilette.
    Letzteres war zwar wirklich ein Dreckstall und die Schwestern völlig überlastet, aber auf die Ärzte lasse ich nichts kommen. Z.T. fähiger und engagierter, als in Deutschland! Die Kosten waren minimal.
    Die Klinik vorher in ASU kostete zwar täglich über 1.000 EUR (war noch ohne KV), war es aber auch wert, bezügl. Ärzten und Zimmer.
    Man darf auch nicht vergessen: in Deutschland zahlte ich für meine PKV vor 6 Jahren 760,- EUR mtl…
    .
    Und das Beste zum Schluss: Was in Deutschland als „definitiv nicht operabel“ bezeichnet wurde, konnten die Ärzte hier in Paraguay operieren, und ich lebe seither (5 Jahre) beschwerdefrei.
    Zwei Bekannte dagegen, die in Deutschland wegen der Bauchspeicheldrüse behandelt wurden, sind verstorben.
    .
    Die völlig unterschiedliche Kultur hier ist zwar (auch in Krankenhäusern) recht gewöhnungsbedürftig, aber mit gutem Willen, Aufgeschlossenheit und Humor packt man jede Hürde 🙂

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