Etwas verwässert

Asunción: Im vergangenen März kündigte Präsident Abdo einen Strukturreform des Landes an. Da der Schulterschluss mit Cartes damit nicht gemeint sein kann, fragt man sich was hier Priorität genießt und ob es noch dazu kommt.

Mit der angekündigten Strukturreform sollte der Staatsapparat verkleinert werden, es sollten öffentliche Gelder optimaler eingesetzt werden und die Löhne des öffentlichen Dienstes der Realität angepasst werden. So viel zu den Plänen.

Dank der Abgeordneten, die zum Cartes-Flügel gehören, wurde aus der Anpassung an die Realität nichts. Sie unterbanden dies und zwar nicht auf eigenen Wunsch. Kein Abgeordneter aus dem HC Flügel entscheidet auch nur eine Sache so wie er will. Jede Entscheidung ist auf Papier niedergeschrieben und entspricht in 100 von 100 Fällen dem, was der Ex-Präsident anordnet.

Da Abdo ankündigte, dass die Personen, die das unterbinden wollen, also die gegen die Senkung des Maximallohnes auf Präsidentenniveau sind, zu persönlichen Feinden werden, müsste Horacio Cartes ein Feind sein. Doch genau mit ihm kam es zu einem Schulterschluss, man begrub das Kriegsbeil zum Wohle des Volkes.

Das Volk ist demnach nicht das Volk, sondern die 1.600 Personen, die mehr als 37,9 Millionen Guaranies pro Monat verdienen, denn bisher wurde in keiner staatlichen Dienststelle auch nur ein Lohn auf dieses Niveau gesenkt. Alle, wirklich ausnahmslos alle, profitieren davon, dass sich das dafür nötige Gesetzesprojekt weiterhin im Nirvana zwischen beiden Kammern des Parlaments befindet. Wer hat das Nachsehen? Die Politiker und ihre Familienmitglieder zumindest nicht. 100% von dem was Abdo ankündigte war bestenfalls frei erfunden aber garantiert nicht ernst gemeint. Eine Staatsreform war nie gewollt. Mit dem aktuellen System profitieren ausreichend gut situierte Menschen.

Wochenblatt

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10 Kommentare zu “Etwas verwässert

  1. Vor einigen Wochen lieh sich Paraguay 1,6 Mrd. US Dollar auf dem Finanzmarkt, um der hiesigen Wirtschaft wegen Corona zu helfen. Wie heute aus recht guter Quelle zu erfahren ist, hat sich der Staatschef alles unter den Nagel gerissen. Nur, wenn der kleine Einwanderer ein paar tausend Euros überweisen will, wird er von den Banken behandlet wie ein Verbrecher.

    1. Da muss ich zustimmen! Wegen lausigen 5.000 USD machen die ein Wirbel, das ist unglaublich. Man muss aufs Messer beweisen, woher die Kohle kommt. Die haben echt ein Rad ab!

        1. Mein Konto in Deutschland, Transfer über Wells Fargo zu USD Konto bei Itaú. Bankauszüge der letzten 3 Monate ist das Minimum, besser noch die Bank will Gehaltszettel sehen ansonsten wird das Konto für weitere Transaktionen gesperrt.

  2. Die Löhne müssen so hoch sein. Schließlich verdienen ein paar Privilegierte dieses Gehalt x 16 pro Jahr. Jedes Quartal einen grati-Zahtag, damit sie auch Motiviert sind bei Regen zu erscheinen. Halt, das ist ja noch nicht alles x16. Da kommen ja noch zwei Weihnachtslöhne hinzu. Das macht dann, Moment, aha, x18 pro Jahr. Zeigt meine Calcapp. Also wo kämen die denn hin, wenn sie im reichen Paragau 300 Euro x 18 pro Jahr verdienen würden, die die Mehrheit der Insassen des Paragau nicht verdient? Nein, also für mich klingt 7000 Euro x 18 schon etwas besser. Nicht umsonst stirbt man an einem Bienenstich, weil der einzige Arzt eines Distrikts gerade in den Ferien ist, nicht umsonst gehen die Kinder bei Regen nicht zur Schule, weil es sich mit Regenschirm in der einen so schlecht zeichnen und tanzen lässt usw usf.

    1. Nochmals halt. Die verdienen den Zahltag nicht nur x18 pro Jahr. Da kommen noch 999 Spesen und Zulagen hinzu. Was für Spesen? Na, Kinder-, Schul-, Benzin-, Essens-, Kleidungs-, Krankenversicherungs- und viele mehr Zulagen und Spesenvergütungen. Die Motivationsspesen sind wie erwähnt schon in den 18 Monatsgehältern inklusive. Da kann man sich vorstellen, dass es für den Normalo willkommen ist, wenn ein paar rico Gringos de Alemamia hierher kommen und ihr Geld liegen lassen. Man kann es sich auch nachts holen oder durch abzocken mittels Kinderarbeit von Erwachsenen mit der Mentalität von 4-Jährigen holen.

    2. Zu der Sache mit dem Schulausfall bei Regen muss ich sagen, dass das in vielen Schulen nicht mehr der Fall ist und man inzwischen so gar Klassen wiederholen muss, wenn man eine gewisse Anzahl an Fehlstunden hat; aber auch in meiner Schulzeit hier war es so, dass für mich die Schule ausfiel, weil die Straßen unpassierbar waren. Wenn es während dem Unterricht stark zu regnen begonnen hat, dann hatten wir auch meist mehrere Millimeter Wasser auf dem Klassenzimmerboden. Da lohnte es sich einfach wirklich nicht zur Schule zu gehen; zumal es sich bei dem, was man hier in den Schulen lernt, eigentlich generell nicht lohnt hinzugehen.

  3. Darf ich es als pure Frechheit bezeichnen, dass ein Großteil der Bevölkerung für den Mindestlohn, von dem ja dann auch noch etwas abgezogen wird, 12 Std., an je sechs Tagen die Woche arbeitet, während die Politiker dort halbtags im Parlament sitzen, sich beschweren, wenn’s mal länger dauert und dann fast das zwanzigfache verdienen? Dass diejenigen sich auch noch vor die Kamera trauen… Unfassbar…

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