Festnahme eines Argentiniers deckt mutmaßliches Netzwerk für Menschenhandel in San Bernardino auf

San Bernardino: Die Festnahme eines argentinischen Staatsbürgers in Asunción könnte der erste Schritt zur Zerschlagung eines mutmaßlichen Netzwerks für Kinderhandel und sexuelle Ausbeutung sein, das in Paraguay operiert.

Der mutmaßliche Täter ist Ariel Fernando Morán, der am vergangenen Montag an der Costanera Norte der Hauptstadt zusammen mit einer 17-jährigen Jugendlichen festgenommen wurde, die seit dem vorherigen Freitag als vermisst gemeldet war.
Der Fall, dessen erschütternde Details nun ans Licht kommen, wird wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Anwerbung von Minderjährigen zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung untersucht.

Tatsächlich durchsuchten die Staatsanwaltschaft und die Polizei gestern, am Mittwoch, das Haus, das Morán in San Bernardino gemietet hatte. Dort stellten die Beamten unter anderem Drogen, Kameras und Mädchenkleidung als Beweismittel sicher.
Alles begann, als das aus San Pedro stammende Mädchen mit Freundinnen die Messe Expo de Mariano Roque Alonso besuchte. Nach Angaben der Behörden und der Familie soll Morán die Jugendliche auf dem Messegelände angesprochen, sie von ihrer Gruppe getrennt und tagelang von der Außenwelt isoliert gehalten haben.

Die Jugendliche wurde demnach zuerst in das Haus in San Bernardino und später in einen Geländewagen gebracht, wo sie nach eigenen Angaben Todesdrohungen erhielt, damit sie nicht um Hilfe rief.

Die Rettung wurde durch einen klugen Schachzug des Opfers möglich: In einem unachtsamen Moment Moráns gelang es ihr, ihren Standort an eine Freundin zu senden, was der Polizei ermöglichte, sie aufzuspüren. Das Mädchen wurde unter Schock stehend vorgefunden.

Der Argentinier wurde von der Anti-Menschenhandel-Staatsanwältin María Isabel Arnold wegen schwerer Nötigung einer Minderjährigen und Drogenbesitzes angeklagt, nachdem etwa 20 Gramm Kokain sichergestellt worden waren.

Das Ermittlungsteam aus Staatsanwaltschaft und Polizei fand zudem Videokameras und ein Stativ, das auf das Hauptbett gerichtet war, Kleidung von Jugendlichen (teils mit Blutspuren), Sexspielzeug und rezeptpflichtige Medikamente. Dies lässt vermuten, dass Morán Material über sexuellen Missbrauch von Kindern herstellte, um es zu vermarkten.

Die Ermittler vermuten, dass die elektronischen Geräte Teil eines Aufnahmestudios für Ausbeutungszwecke waren, und schließen nicht aus, dass Morán Teil eines größeren Netzwerks ist, das in der Region operiert.

Angesichts der erdrückenden Beweislage entschied sich Morán für eine öffentliche Gegendarstellung, in der er alle Anschuldigungen kategorisch bestritt. Der Argentinier behauptete, die Jugendliche habe ihm erzählt, sie sei 19 Jahre alt, und er habe sie über eine Dating-App kennengelernt – sprich, ein 46-jähriger Mann behauptete, von einer Minderjährigen getäuscht worden zu sein.

„Wie hätte ich sie ihrer Freiheit berauben können, wenn wir auf dem Mercado 4 und in einem Freizeitpark waren?“, verteidigte er sich. Morán forderte die Behörden heraus, die Audioaufnahmen mit den von der Familie angezeigten Drohungen zu beweisen, und bezeichnete die Situation als „einen Wahnsinn“. Der Angeklagte deutete zudem an, dass sich hinter der Anzeige ein finanzielles Interesse verbergen könnte, legte bislang jedoch keine Beweise vor, die diese Theorie stützen.

Staatsanwältin Arnold steht vor der Aufgabe, ein mögliches Menschenhandelsnetzwerk mit einem knappen Budget und unter dem gesamten Druck zu zerschlagen, den der Fall durch seine mediale Aufmerksamkeit erlangt hat.

Santiago Peña versprach auf dem Forum „Paraguay Sin Trata“ (Paraguay ohne Menschenhandel) anlässlich des Welttags gegen Menschenhandel, dass es „keinen Raum für Straflosigkeit geben wird, wenn es um Straftaten geht, die die Freiheit, Unversehrtheit und Würde von Menschen verletzen“. Innenminister Enrique Riera forderte seinerseits „eine gemeinsame Antwort des Staates“.

Wochenblatt / LPO

CC
CC
Werbung

Bitte achten Sie darauf, dass Ihre Kommentare themenbezogen sind. Die Verantwortung für den Inhalt liegt allein bei den Verfassern, die sachlich und klar formulieren sollten. Kommentare müssen in korrekter und verständlicher deutscher Sprache verfasst werden. Beleidigungen, Schimpfwörter, rassistische Äußerungen sowie Drohungen oder Einschüchterungen werden nicht toleriert und entfernt. Auch unterschwellige Beleidigungen oder übertrieben rohe und geistlose Beiträge sind unzulässig. Externe Links sind unerwüscht und werden gelöscht. Beachten Sie, dass die Kommentarfunktion keine garantierte oder dauerhafte Dienstleistung ist. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung oder Speicherung von Kommentaren. Die Entscheidung über die Löschung oder Sperrung von Beiträgen oder Nutzern die dagegen verstoßen obliegt dem Betreiber.

Kommentar hinzufügen