Feuerwehrmann und Familie

Eine Gesetzesvorlage, damit freiwillige Feuerwehrleute eine Krankenversicherung über die staatliche IPS bekommen, dümpelt schon eine Weile in den Katakomben des Parlaments. Paraguay.com hat einen echten Feuerwehrmann interviewt, der erzählt, wie er sich für diese aufopferungsvolle Tätigkeit entschieden hat.

Jorge Barreto ist 47 Jahre alt und hat fünf Kinder. Er ist aktuell Kommandant der 3. Einheit (La Tercera), die in Sajonia, einem Stadtteil nahe dem Mikrozentrum von Asunción, stationiert ist.

An einem Sonntag im Jahr 1996 las Jorge die Zeitung (damals noch auf Papier) um zu sehen, was es Neues in der Welt gab und sein Blick blieb an einer Einladung zu einem Kurs für Interessenten für die Feuerwehr hängen. Er arbeitete damals als Grafik-Designer und erinnert sich: „Es ist eine Lüge, dass jedes kleine Kind bereits Feuerwehrmann werden möchte. Mir kam die Idee an diesem Tag. Ich setzte mich auf mein Fahrrad in Richtung 3. Kompanie um herauszufinden, was es damit auf sich hat.“

Einige Stunden später kam er zurück nach Hause und erzählte seiner Frau über seine Eindrücke, sie unterstützte ihn. Damals war nur seine erste Tochter, Teresita, geboren, später folgten noch vier weitere Kinder. Im Laufe der Jahre hat Jorge viele Spezialisierungen erfahren und den Job als Grafikdesigner für eine Karriere als Berater im Bereich von Brandverhütung bei Gebäuden und Großereignissen aufgegeben.

Wie ist der Tagesablauf eines Feuerwehrmanns?

Als wir uns für die Akademie meldeten wussten wir, dass alle keinen Samstag mehr frei haben würden. Zu meiner Zeit war die Ausbildung nur Samstags, heute nimmt sie Samstag und Sonntag in Anspruch. Nach knapp einem Jahr, im Falle einer erfolgreich absolvierten Prüfung, legen wir unseren Eid ab.

In unserer Kompanie trainieren wir Samstags zwischen 14:30 und 19:00 Uhr, danach bleibt eine Gruppe bis am Sonntag um 12 Uhr in Bereitschaft, eine weitere Gruppe löst bis Montagmorgen um 6 Uhr ab. Wir haben alle fünf Tage einen Bereitschaftsdienst, bei anderen Kompanien ist das alle drei oder vier Tage nötig, je nach Personallage. Viele kommen direkt von der Arbeit zur Bereitschaft oder gehen von einer Wache zur Arbeit.

Bereitschaft, kann man da schlafen?

Ja, wenn alles ruhig bleibt, schlafen wir die Nacht durch und gehen ausgeruht unserer Wege. Falls wir die ganze Nacht durcharbeiten, duschen wir und gehen zur Arbeit.

Wie hoch ist die Bezahlung?

Der Name der Institution sagt es eigentlich klar; wir sind freiwillige Feuerwehrleute. Wir gehen alle einem Beruf nach, der uns ernährt. Unter uns gibt es Ärzte, Ingenieure, Geschäftsführer oder freie Berater, wie mich. Wir bekommen weder Gehalt noch irgendeine Prämie bei der Feuerwehr. Es ist andersherum, wir bezahlen einen Sozialbeitrag, allerdings in eher symbolischer Höhe. Die meisten von uns müssen auch ihre Uniformen und Sicherheitsausstattung aus eigener Tasche bezahlen.

An Wochenende oder an Feiertagen, wenn wir 24-Stunden-Schichten machen, sammeln wir von allen Geld ein, je nachdem wie einer kann, um für Verpflegung zu sorgen. An Feiertagen bekommen wir einen Zuschuss von der Institution, aber wenn viele da sind reicht es nicht und wir machen für gewöhnlich eine Sammlung, im Sinne eines etwas substanzielleren Speiseplans.

Wie kommt die Familie mit dieser Aufgabe klar?

Meine Familie unterstützt mich, sonst wäre das unmöglich. Selbstverständlich sind sie immer etwas besorgt um mich. Ich war etwa drei oder vier Jahre verheiratet, als ich mich für die Aufgabe entschied, meine Frau gab grünes Licht und zwei Wochen später schrieb ich mich für den Kurs ein.

Manche Momente sind natürlich nicht so schön. Als Feuerwehrmann kann man bei vielen familiären Aktivitäten nicht dabei sein, Geburtstage, Jahrestage, Muttertag, Neujahr, Weihnachten und so weiter. Manchmal denkt man schon, warum mache ich das und in der Institution schärfen sie uns ein, die Familie an die erste Stelle zu setzen. Es ist immer eine freiwillige Entscheidung, Zeit mit der Familie zu verbringen oder mit den Kollegen, wo oft bei den Einsätzen jede Hand gefragt ist.

Wie ist Deine Familie abgesichert wenn Dir etwas passiert?

Wir sind dafür selber zuständig. Wir unterschreiben bei der freiwilligen Feuerwehr, dass wir auf jegliche Forderung gegenüber der Institution bei Unfällen oder Todesfällen verzichten. Wenn wir unsere freiwillige Beschäftigung erwähnen ist es nahezu unmöglich, dass uns eine Versicherung als Mitglieder akzeptiert. Wenn Unfälle passieren und Kollegen mit Verletzungen oder Behinderungen zurückbleiben, legen wir normalerweise zusammen, dann organisieren wir Veranstaltungen und stiften den Erlös. Nachdem er dies sagt legt er eine kleine Pause ein und sagt: „Es tut mir leid. Es ist schwer darüber zu reden. Wir haben Kollegen, die sich in solch einer Situation befinden.“

Viele Kameraden werden einfach krank, aber wenn einer 15 Jahre Rauch und viele giftige Substanzen eingeatmet hat, kann man schon vermuten, dass das auch mit unserer Arbeit zusammen hängen könnte. In Paraguay gibt es dazu keine Studien, allerdings ist in Kanada kürzlich eine Untersuchung erschienen, nach der die meisten Feuerwehrleute an 15 verschiedenen Krebsarten sterben, die alle in Verbindung mit unserer Aktivität gebracht werden.

Das Gesetzes-Projekt

Das Projekt wurde von den Senatoren Eduardo Petta und Víctor Bogado eingebracht und will eine 1,5-prozentige Steuer auf Versicherungsdienstleistungen erheben. Der Markt bewegt 300 Millionen US-Dollar und ein großer Teil davon (48%) entfällt auf Kfz-Versicherungen, deren Versicherungsnehmer zu unseren hauptsächlichen Klienten gehören.

Darüber hinaus sind Versicherungen die Hauptnutznießer unsere Tätigkeit. Wenn wir ein Feuer erfolgreich bekämpfen, mindert dies den Schaden und die Leistung, welche die Versicherung zu begleichen hat.

Quelle: Paraguay.com, Foto: Facebook

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