Große Enttäuschung: Mindestlohn steigt ab Juli, allerdings weniger als 70.000 Guaranies

Asunción: Obwohl im Land eine Teuerungsrate von wenigstens 20 % zu spüren sind, zeigen offizielle Instrumente, wie die Messungen der Zentralbank gerade einmal 2,4 Prozent Inflation an. Der Präsident machte sich stark, dass der Index, der diese Zahl misst realistischer wird. Allerdings soll dieser neue Messung erst 2028 in Kraft treten, wenn seine Amtszeit zu Ende geht.

Die jährliche Anpassung des Mindestlohns wird unter 70.000 Guaranies liegen, wenn ausschließlich der aktuelle Mechanismus angewendet wird, der auf der Vorjahresinflation basiert. Die Prognose entfacht die Debatte zwischen Arbeitnehmern, Unternehmern und der Regierung darüber neu, ob das derzeitige System die tatsächlichen Lebenshaltungskosten der Paraguayer widerspiegelt.

Die bevorstehende Anpassung des Mindestlohns bringt eine wiederkehrende Diskussion in Paraguay ins Rollen: Reicht die auf der Inflation basierende Erhöhung aus, um die Kaufkraft der Arbeitnehmer zu verbessern?

Nach Schätzungen, die auf einer kumulierten Inflation von 2,4 % basieren, würde der gesetzliche Mindestlohn ab dem kommenden Juli um lediglich 69.577 G. steigen. Sollte dieses Szenario eintreffen, wäre die Anpassung eine der niedrigsten der letzten Jahre und würde den Mechanismus zur Aktualisierung der Arbeitseinkommen erneut infrage stellen.

Derzeit liegt der Mindestlohn bei 2.899.048 G. Die Gesetzgebung schreibt vor, dass die Anpassung unter Bezugnahme auf die Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) berechnet werden muss, der von der Zentralbank von Paraguay (BCP) gemessen wird. Nach diesem Kriterium würde die prognostizierte Erhöhung kaum mehr als 69.000 G. betragen. Die BCP meldete für den Monat Mai eine Inflation von 0,1 %.

Die Zahl stößt vor allem bei den Gewerkschaften auf Kritik. Diese argumentieren, dass die offizielle Inflation nicht die tatsächliche Verteuerung von lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen für Arbeiterfamilien widerspiegelt. Die Arbeitnehmervertreter fordern seit Längerem eine tiefergehende Überprüfung des Berechnungssystems und schlagen Erhöhungen vor, die über dem Inflationsprozentsatz liegen.

Auf der anderen Seite verteidigt der Unternehmersektor die Nutzung des VPI als technischen Parameter und warnt davor, dass größere Erhöhungen die Arbeitskosten belasten könnten – insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, die ohnehin vor Herausforderungen stehen, formelle Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Diskussion findet im Nationalen Mindestlohnrat (Conasam) statt, einem dreigliedrigen Organ, das sich aus Vertretern des Staates, der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber zusammensetzt. Die endgültige Empfehlung muss der Exekutive vor Mitte Juni vorgelegt werden, damit die eventuelle Anpassung – wie gesetzlich vorgeschrieben – am 1. Juli in Kraft treten kann.
Über den endgültigen Prozentsatz hinaus zielt die Grundsatzdebatte auf das Modell der Lohnanpassung ab. Verschiedene Ökonomen sind der Ansicht, dass das aktuelle System zwar dazu beiträgt, die Kaufkraft gegenüber der Inflation teilweise zu erhalten, aber nicht zwangsläufig die Kaufkapazität der Arbeitnehmer verbessert oder mit dem Wirtschaftswachstum des Landes Schritt hält.

In den letzten Jahren hat sich die Diskussion über den Mindestlohn verschoben: Es geht nicht mehr nur um die jährliche Anpassung, sondern auch um die Qualität der Arbeitsplätze, die Informalität und die realen Kosten des Warenkorbs für Familien. Während einige Sektoren eine umfassende Reform des Systems vorantreiben, betonen andere, dass jede Änderung schrittweise erfolgen muss, um negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu vermeiden.

Da der Juni bereits läuft, warten Tausende von Arbeitnehmern auf die endgültige Entscheidung. Klar scheint jedoch: Wenn sich die Anpassung auf die 2,4 % Inflation beschränkt, wird die Erhöhung kaum ausreichen, um die Wahrnehmung der Bürger auszugleichen, dass die Preise für Lebensmittel, Transport und Dienstleistungen schneller steigen, als es die offiziellen Statistiken widerspiegeln.

Wochenblatt / El Nacional

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