Haftanstalten Reform von Nöten

Asunción: Die letzte Flucht von vier Frauen aus dem Frauengefängnis macht ein weiteres Mal auf schreckliche Weise deutlich in welchen Konditionen die Haftanstalten des Landes sind. Nach Aussagen der Ministerin für Justiz und Arbeit, Lorena Segovia, ist die Überbelegung in dem Gefängnis bei 100% angelangt. Eine gleiche Situation durchleben auch alle anderen Haftanstalten der Republik. Aus ihnen wurden Menschenlager anstatt Zentren zur Resozialisierung.

Verurteilte, Prozessierte und Untersuchungshäftlinge werden einfach zusammen in diesen Gebäuden eingesperrt, in Überbelegung und ohne große Chancen auf eine erneute Integrierung. Zusammengepfercht und ohne Kontakt nach draußen verbringen viele Menschen Jahre ohne zu arbeiten oder sich auf das Ende der Haftzeit vorzubereiten.

Leicht nachzuvollziehen ist der Fakt, dass diese Gefängnisse kriminelle Universitäten sind anstatt ein Ort der langsamen Resozialisierung. Hinter Gittern bilden sich neue Banden, die bei nach Begnadigung, Freispruch oder Ende der Haftzeit aktiviert werden. Durch die Unordnung hinter Gittern, die für das Land keineswegs unnormal scheint, erntet die hiesige Justiz kritische Blicke von internationalen Menschenrechtsorganisationen.

Im Jahr 2010 hat der damalige Präsident, Fernando Lugo, die Schließung des größten und gefährlichsten Gefängnisses des Landes, Tacumbú, angeordnet. Heute leben immer noch 3.600 Häftlinge da, von denen nur ganz wenige verurteilt sind. In Ciudad del Este wiederholt sich das gleiche Thema, 900 Gefangene in einem Gebäude, was für 300 errichtet wurde.

Die Gefängnisse oder auch Justizvollzugsanstalten müssen der Gesellschaft gegenüber sicher sein und sich nicht in Trainingslager für Delinquenten verwandeln. Die aktuelle Regierung hat sich mit der Auslagerung von rund 300 Häftlingen nach Emboscada nur etwas Luft verschafft. Ein durchaus weiter verfolgbarer Plan wäre eine großangelegte Haftanstalt im südlichen Chaco. Das Projekt dafür wurde schon komplett ausgearbeitet.

Wichtig bei einer Reform ist zu verstehen, dass es nicht nur um fehlende Einrichtungen geht sondern um die Veränderung des Konzeptes. Die Rehabilitation des Insassen kann bei Kontinuität zu besseren Resultaten führen als sie sich selbst zu überlassen, ohne Rechte hinter Gittern. Neue Gebäude, wie das in San Juan Baustista, spiegeln jedoch die gleiche Vorgehensweise wie immer wieder.

So kurz vor den Wahlen wäre es doch interessant sich die Vorschläge der Kandidaten zu diesem brisanten Thema anzuhören.

(Wochenblatt / La Nación)

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