Heute vor 37 Jahren: Das Somoza Attentat

Asunción: Wer die Kreuzung kennt und dies noch mit dem Attentat verknüpfen kann denkt sicherlich des Öfteren darüber nach. Noch heute würde es als Stoff für einen Film dienen.

Am 17. September 1980, also heute vor 37 Jahren, um 09:55 Uhr morgens starb der nicaraguanische Ex-Diktator Anastasio Somoza Debayle bei einem Attentat auf der Kreuzung Avenida España und America.

Sein Fahrzeug, ein weißer Mercedes Benz W116, wurde von sieben argentinischen Guerillas beschossen, welche der heute ausgestorbenen linksradikalen Organisation ERP angehörten. Enrique Gorriarán Merlo, der die Gruppe anführte, machte sich mit diesem Anschlag über die Angst der Polizisten des Stroessner Regimes lustig.

Der Ex-Präsident von Nicaragua wurde mit einer Maschinenpistole sowie einer Bazooka beschossen, die im Schoß des Opfers explodierte und das Dach des Wagens aufriss. Der Motor der S-Klasse lief nach der Attacke seelenruhig weiter.

Der bombenähnliche Einschlag war noch 20 Blocks weiter zu hören. Mit Somoza Debayle starb auch sein US-amerikanischer Finanzberater Joseph Baittinger der vorn neben dem nicaraguanischen Chauffeur César Gallardo saß. Der Fahrer wurde durch die Druckwelle mehrere Meter aus dem Auto auf den Asphalt gestoßen.

Die Sicherheitskräfte, kommandiert von Pastor Coronel, konnten einen der Täter, Hugo Alfredo Irurzún schnappen. Dieser wurde mehrmals gefoltert und starb. Seine Festnahme war nur deswegen möglich weil er zurück zu seinem Haus kam um vergessenes Geld in Höhe von 4.000 US-Dollar und mehrere Waffen abzuholen.

Coronel erklärte, dass Irurzún bei der Festnahme starb. Sein Körper jedoch war übersät von Folterspuren mit einem Geruch nach Kloake, was damals auch dazu verwendet wurde.

Um jedoch dem Ex-Diktator so nahe zu kommen und ihn zu attackieren bedurfte es eine Überwachung vor Ort, die wie aus einem Drehbuch scheint.

Vier Männer und drei Frauen gaben sich als Produktionsteam und Schauspieler für eine Verfilmung rund um Julio Iglesias aus, der damals drei Titel dem Land Paraguay widmete. Sie mieteten eine Residenz an, die nur unweit von der amerikanischen Botschaft, der Präsidentschaftsresidenz und des Verteidigungsministeriums war. Insgesamt waren zehn Personen an der Vorbereitung und Ausführung des Verbrechens beteiligt.

Die Gruppe mietete zudem einen Kiosk an, von dem man schon die Straßenecke España und Sacramento im Blick hatte.

Anastasio Somoza Debayle lebte wie ein arabischer Scheich in Asunción. Er ging in Nachtbars und zeigte sich nur mit dem bekanntesten Models. Der exzentrische und überhebliche Mittelamerikaner nahm sich Sachen heraus, die eigentlich nur Stroessners Familie zustanden.

Bei dem Anschlag an der Kreuzung sollte die Bazooka zuerst eingesetzt werden, da der Mercedes Benz gepanzert war. Schlussendlich hatte der Schützte Irurzún Probleme damit weswegen einer seiner Kollegen mit einem M 16 auf den Ex Diktator schoss. Erst danach zerstörte die Granate die Limousine.

Während in Paraguay Mitgefühl und Konfusion sich unter der Bevölkerung breit machten feierte man in den Straßen des mittelamerikanischen Landes seinen Tod.

Wochenblatt / Última Hora / Abc Color

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7 Kommentare zu “Heute vor 37 Jahren: Das Somoza Attentat

  1. Somoza hatte auch im Exil politische Kommentare abgegeben und den damaligen US Präsidenten an seinem Sturz beschuldigt.
    Interessanterweise wurden schon Minuten nach dem Attentat dieses im US Fernsehen gezeigt und die Attentäter konnten Paraguay schnellstens verlassen.
    Die paraguayische Polizei machte noch wochenlang Strassenkontrolle im Inland um die Attentäter zu fassen.

  2. Auch ich erinnere mich noch lebhaft an diesem Tag,ich wollte am selben Tag mit meinem LKW Asuncion verlassen Richtung Coronel Oviedo-Rosario-Volendam,nach dem es passiert war.Mehrere Barrieren,umgehängte MPs-Documentos por Favor,wer sich nicht ausweisen konnte – aussteigen und es wurde erstmal der Kopf geschoren.Interessant das ich heute zum ersten mal lese wer dafür verantwortlich sein sollte.In der paraguayischen Presse war nichts zu erfahren,man munkelte nur CIA.Noch heute verfolge ich,seit langem wieder in Deutschland das Geschehen in meiner alten Heimat Dank Wochenblatt.Gutes Gelingen weiterhin

  3. Danke für den Zeitzeugenbericht lieber Heinz Schirmacher! Drei, eigentlich ganz nebensächliche Bemerkungen in Ihrem Kommentar fallen auf: bzw. geben Anlaß darüber nachzudenken: 1.) Allen „Anhängern & Träumern“ einer Diktatur sollte nur an dieser „Kleinigkeit“ auffallen, wie es um die Rechte der Bürger bestellt ist. „… wer sich nicht ausweisen konnte, dem wurde erstmal der Kopf geschoren“ und wer weiß was anschließend noch mehr. 2.) Schon damals wurde für „alles Übel der Welt“ die CIA verantwortlich gemacht, genau wie heute. Und ist erstmal ein dummes und zersetzende Gerücht in die Welt gesetzt zieht es seine Kreise und findet seine leichtgläubigen und voreingenommenen Anhänger die sich freiwillig zum Vervielfältiger dieser böswilligen Propaganda, meist aus linken Kreisen und Rußlandverehrern, die sich russisch-demokratische Verhältnisse wünschen. 3.) Schon damals, wie auch heute, zieht es viele der einstmals hier her Eingewanderten wieder zurück in die alte Heimat. Die Anzahl der Einwanderer mit denen der Rückkehrer hält sich bekanntlich in etwa die Waage. Warum wohl?

    1. „Und ist erstmal ein dummes und zersetzende Gerücht in die Welt gesetzt zieht es seine Kreise und findet seine leichtgläubigen und voreingenommenen Anhänger die sich freiwillig zum Vervielfältiger dieser böswilligen Propaganda, meist aus linken Kreisen und Rußlandverehrern, die sich russisch-demokratische Verhältnisse wünschen.“
      Wow, wenn Sie als unverbesserlicher Polemiker in die Analen des Wochenblatts eingehen wollen, machen Sie ruhig so weiter. Für interessierte hier eine Liste einiger CIA Verbrechen, welche erwiesen und öffentlich sind: http://www.neopresse.com/politik/usa/cia-geheimdienst-oder-terrororganisation/

  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Anastasio_Somoza_Debayle

    „Anastasio Somoza Debayle (Tachito) (* 5. Dezember 1925 in León, Nicaragua; † 17. September 1980 in Asunción, Paraguay) war Präsident und Diktator von Nicaragua von 1967 bis 1972 und von 1974 bis 1979

    In den Jahren 1948 und 1949 kam es mit Costa Rica und 1955 und 1957 mit Honduras zu Grenzkonflikten, in welchen Somoza als Oberbefehlshaber der Nationalgarde mit US-amerikanischem Rückhalt agierte.

    Im Dezember 1972 vernichtete ein Erdbeben die Hauptstadt Managua praktisch vollständig. Dabei starben rund 10.000 Menschen. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen und Anastasio Somoza Debayle, als Chef der Nationalgarde faktisch Herrscher des Landes, und seine Familie nutzten das Erdbeben, die akute Not und den Wiederaufbau, um sich an Grundstücken zu bereichern und Banken und Bauwirtschaft an sich zu reißen. Später wurde aufgedeckt, dass die Familie Somoza internationale Hilfsmittel im Wert von rund 500 Millionen US-Dollar massenhaft unterschlagen hatte, die zur Beseitigung der Folgeschäden des Erdbebens geschickt worden waren, unter anderem auch Blutplasma, das in die USA zurückimportiert wurde.

    Ermordung
    Am 17. September 1980 wurde er Opfer eines Attentats von Mitgliedern der argentinischen Revolutionären Volksarmee (ERP) in der Hauptstadt Paraguays, Asunción, die ihn in seiner ungepanzerten, weißen Mercedes-S-Klasse-Limousine mit Schüssen aus M-16-Gewehren und einer RPG-7-Granate töteten.[19] Einer der Attentäter, Hugo Alfredo Irurzún (Capitán Santiago), wurde bald darauf entdeckt und von einer paraguayischen Polizeieinheit getötet.[20]
    Laut einem Buch des ehemaligen NIA-Agenten und Kuba-Experten Professor Brian Latell soll der Plan zur Ermordung Anastasio Somoza Debayles von den Sandinisten und vor allem von Fidel Castro gekommen sein, der die Sandinisten über Jahre logistisch versorgte und mit kubanischen Hilfstruppen verstärkt hatte. Somoza war ein Erzfeind Castros und hatte lange Jahre eng mit der US-amerikanischen Regierung zusammengearbeitet. So hat er mit seinem Bruder Luis den Truppen der Invasion in der Schweinebucht Übungsraum zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig scheint sein glühender Antikommunismus auch ein weiterer Grund für Castros Vorgehen gegen ihn gewesen zu sein.“

    Soweit aus Wiki und man sieht, daß man wirklich nur korrupt und völlig skrupellos sein muß um als Freund der US-Elite zu gelten. (In Wiki steht noch einiges) Sadam Hussain und Bin Laden waren auch mal Freunde des großen Bruders, der hat sie quasi unterstützt bzw. aufgebaut.

    1. Stimmt alles was Du geschrieben hast. Manni/Simplicus schreiben was er will.
      Anastasio Somoza Debayle (Tachito) war ein Verbrecher, der hat den Tot mehr fach verdient.
      Politische Gefangene mussten ihre Eigenen Hoden essen ua. Somoza hat nach den CIA-Folterhandbuch gefoltert.
      Seine Leute wurden von der CIA ua. Ausgebildet. Was die Kontras nach seinen Sturz,gemordet haben,geht auf keine Kuhhaut.
      Bazooka ist kein RPG-7/7B. Die Bazooka die sieht anders aus und ist nicht so wirksam und gut!

  5. Ich war erst 14 als ich in der Nähe war. Das Fahrzeug in dem ich war fuhr nicht mehr weiter. „was ist passiert?“, „ein Attentat“ ! 14 Tage danach hatte ich einen tragisch folgenschweren „Motorradunfall“ . Ich war einige Zeit in „Koma“ (auch „Herzstillstand“) und weiß bis Heute nicht : wie das passieren konnte. Unfallbericht nicht vorhanden. Ort: Filadelfia. Kurz vorher war Präsident Alfredo Strössner zu Besuch. Die „Mennoniten“ hatten Jubiläum und gaben ein „Riesen“ Grillfest. Wer kennt die Wahrheit?

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