Lug und Betrug

Col. Jorge Naville: Wer glaubt, dass er jemand in Paraguay vertrauen darf, kann sich manchmal täuschen. Sogar die Deutschen räumen Grundstücke leer, wenn sie verkauft sind. Ein aktuelles Beispiel aus der Nähe von Mbocayaty.

Die Vorgeschichte: Vor Jahren starb ein Deutscher, der ein etwa fünf Hektar großes Grundstück besaß. Darauf befanden sich ein Anwesen staatlicher Ausführung sowie mehrere Gästehäuser. Ein Teil der Fläche wurde landwirtschaftlich genutzt, der andere Teil besitzt einen alten Baumbestand. In den Nebenhäuser lebten deutschstämmige Angestellte. Zum jetzigen Zeitpunkt auch noch. Die Immobilie wurde von den Angehörigen aus Deutschland zum Verkauf ausgeschrieben.

Jahrelang passierte nichts, bis nun anscheinend ein Deutschbrasilianer den Besitz erwarb. Er will Ende des Monats einziehen. Das erste Problem tauchte auf, nachdem die noch auf dem Grundstück lebenden Personen nicht ausziehen wollen, nur unter der Bedingung, entweder eine hohe Ablöse oder ein anderes Domizil zu bekommen. Nachdem dieses Unterfangen vorerst auf Eis liegt kam den deutschstämmigen Verwandten der Angestellten eine glorreiche Idee. Sie nutzten das stürmische Wetter der letzten Wochen als Vorwand aus mehrere Bäume der besten Sorten, wie Lapacho, Zeder und weitere umzusägen und aus dem Grundstück zu schaffen.

Nachdem kein Sägewerk in der Nähe liegt und der Transport mit großen Risiken verbunden ist wurde schon begonnen, mit der Kettensäge Bretter zu schneiden und diese dann wohl zu vermarkten.

Wie die Geschichte ausgeht, ist noch ungewiss. Sicherlich werden die auf dem Grundstück wohnhaften Angestellten behaupten, der Sturm hätte die Bäume umgeknickt und sie mussten deshalb “entsorgt“ werden. Wer nicht direkt dabei war wird wohl kaum das Gegenteil beweisen, obwohl mittlerweile schon andere Anwohner auf das möglicherweise “illegale“ Treiben aufmerksam wurden.

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6 Kommentare zu “Lug und Betrug

  1. Hier gibt es nur eins:“ SS–Selbst Schuld!“
    Vertrauen ist Gut, Kontrolle ist besser!
    Das ist nichts neues, wer ein Grundstück verkauft muss sich schon einen sauberen Verwalter beschaffen (Penibel alles Übergeben)der wirklich alles zusammen hält. Denn muss man erstmal finden,gut bezahlen und natürlich erstmal haben.
    Penibel alles Übergeben, keine Generalvollmacht geben, nicht das auf ein mal einiges Beine bekommen hat.
    Ist man als Eigentümer nicht immer da braucht man ihn Natürlich auch.
    Die Erben sind in Deutschland,da können die Mäuse machen was sie Wollen. Kater ist in Deutschland!…
    Das ist so fast normal im Land!

  2. Die Erben del Aleman. Bis die erfahren, dass er nun die Radieschen von unten anschaut sind längst alle eingezogen und schwer wieder rauszubekommen. Sehr schwer sogar. Das weiß doch jedes Kind hier.
    Dazu muss man ganze zwei Zeugen bringen – am besten Berufskollege und Vorgesetzter – und einen „guten“ Escribano. Der Kaufvertrag sieht dann etwas so aus: Das Grundstück und alles was darauf steht wurde vom Alemannen für die Summe von 20 Mio Guaranies erworben. 10 Mio Guaranies wurden bereits anbezahlt, sodass noch (leider) kein Titulo übergeben werden konnte.

    Auch wenn nirgends eine Quittung über die 10 Mio Gs vorhanden ist – sonst macht man sie noch vorhanden – noch eine rechtskräftige Unterschrift (Tote unterschreiben im Normalfall nix mehr) interessiert es niemanden, was die Erben del Aleman aus Alemania zu melden haben, Kaufvertrag ist Kaufvertrag, Strom/Wasser wird natürlich bezahlt, da ja schon angemeldet. Wer wird schon Strom/Wasser abstellen, wenns immer schön bezahlt wird.
    Da kann die Polizei oder Justiz ruhig an den Rand des Grundstückes kommen und sich vom Kauffertrag überzeugen und wieder abzotteln. Können mal die Alemanen aus Alemania ihre Beweise vorlegen, Anwälte und Übersetzer beschaffen, jahrelange juristische Mühlen durchlaufen…
    Nach 10 Jahren, vorher dürften die aus Alemania eh keinen juristischen Erfolg erzielt haben, noch die Grundstücksteuern der letzten 10 Jahren bezahlen (effektiv: 4,5 Mio. Gs., nach Einigung mit den Munispalidades: 1 Mio Gs.).
    Und die Gringos aus Alemania denken immer noch, wir hätten kein edukatives TV mit Telenovelas hier.

    1. Der Käufer ist der Dumme. Wer sowas kauft, ohne dort gewesen zu sein, ohne etwas für einen ortsansässigen Profi zu zahlen (NICHT den „Freund“ vom Deutschen Wirt!) der reinen Wein einschenkt, läuft dann halt in so eine dumme Sache.

      Wird vermutlich auf Totalausfall der Investition hinauslaufen. Die gehen dort nicht so leicht (oder billig) wieder weg. Rechtliche Mittel sind schlecht, stumpf oder gar nicht vorhanden. Genau wie Fili schreibt.

      1. Fili Grano hat voll kommen Recht mit seinen Beitrag,nur so schlau waren die Leute nicht!
        Der Kaufer bekommt das Grundstück, aber wie! Ein Totalausfall wird er nicht haben,Aber ein ausgeplündertes Grundstück den den Kaufpreis im Ansatz nicht mehr Wert ist.
        Die gehen raus, wenn es richtig Feuer gibt, geht das auch ohne Geld, im eigenen Interesse!

  3. Wer jetzt denkt, ich sein nur ein böser Mensch, der solche Machenschaften wie ein Kaufvertrag, der nie unterschrieben wurde, unterstellt, dem muss ich mitteilen, dass ich genau diesen Fall selbst miterlebe.
    Es geht nicht um einen Deutschen, sondern um Familieninternes einer paraguayschen Familie.
    Der guten Ordnung halte ich fest, dass ich keinesfalls der Meinung bin, dass alle Paraguayer solche Machenschaften betreiben. Es ist viel mehr das Justizsystem, welches sehr leicht ausgehebelt werden kann und möchte nur jeden warnen.
    Ich nehme jetzt mal an, dass auch ohne groß Literatur gelesen zu haben jeder hier die Geschichte des Europäers kennt, der von seiner Hausangestellten jahrelang betreut wurde und ihr nach seinem Ableben alles vermachte. Da ist ja auch nichts schlechtes dran. Wenn dies sein Wille war.
    Nur, ein Testament gilt, so wie mir meine Anwältin gesagt hat, wenig hier. Zuerst erben die Kinder, dann die Eltern, dann der Ehepartner. Schlecht jedoch, wenn diese weit weg sind. Sind diese Paraguayer, so müssen sie sich sofort um das Erbe kümmern. Leben Sie VIER Jahre im gleichen Haushalt hat die Lebensgefährtin die gleichen Rechte wie in einer Ehe.
    Nur, eben, wenn man zwei Zeugen und den richtigen Escribano (wessen Kind zufällig in der Klasse der Professorin sitzt, welche sich in das Grundstück eingenistet hat), so kriegt diese auch mit oben erwähnter Geschichte Strom, Wasser und ist schwer wieder rauszukriegen (desalojo). Das Gesetzt sagt, wenn ein Escribano sowas macht, dass es rechtlich gültig ist, da wird es auch für die Munispalidades bzw. Fiscales schwierig zu ermitteln, ob die Geschichte war ist. Das wäre ja einfach zu prüfen, wenn dieser „Käufer“ die Quittung vorlegen könnte, doch die will vorerst mal keiner sehen.
    Aber zugegeben, einfach zu behaupten, das Grundstück sei gekauft, aber man habe keinen Titel (Titulo), weil noch nicht alles bezahlt wurde, der ist wirklich nicht schlecht. Viel kriminelle Energie, welche ich denke, bei weitem nicht alle Paraguayer an den Tag legen.

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