Offener Brief von mennonitischen Siedlern der Kolonie Bergthal an Mario Abdo Benitez

Kolonie Bergthal: Die Redaktion erreichte ein offener Brief von mennonitischen Siedlern aus der eingangs erwähnten Kolonie. Er ist an den zukünftigen Präsidenten von Paraguay, Mario Abdo Benitez, gerichtet.

Wir drucken den Brief ungekürzt ab. Ein Hinweis in eigener Sache: Benitez war zur Gründungsfeier der Kolonie Sommerfeld eingeladen und hatte seine Zusage dafür gegeben. Aufgrund von dem Flugzeugabsturz, bei dem vier Personen, unter anderem der Landwirtschaftsminister Luis Gneitung, ums Leben kamen, musste der Termin abgesagt werden.

Wir schreiben, um Ihnen einen herzlichen Gruß zu senden und Sie zum Jahrestag unserer Gemeinschaft einzuladen. Wir vertrauen voll und ganz Ihrer Regierung und bitten Sie, als bescheidene paraguayische Bürger anerkannt zu werden.

Wie bekannt ist, gedenken die 1948 von den Mennoniten aus Kanada gegründeten Mennoniten Kolonien, Sommerfeld und Bergthal den 70. Jahrestag der Ankunft der Siedler zu feiern und wir haben von den Einladungen erfahren, und dass Sie wahrscheinlich an dieser Feier teilnehmen werden.

Mit diesem Brief möchten wir Sie willkommen heißen und Ihnen mitteilen, dass Ihre Anwesenheit für eine so wichtige Feier unserer Gemeinschaft von großer Ehre sein würde und wir möchten die Gelegenheit nutzen, Ihnen einige Zeugnisse über die Realität der Kolonie Bergthal zu übermitteln, in der wir seit Jahrzehnten leben.

Wir sind alle in dieser Kolonie geboren, leben hier seitdem und haben hier somit die Kindheit, das Schulalter, die Jugend und unser ganzes Leben in diesem wunderbaren Land verbracht, was für uns, wir können sagen, ein Paradies ist. Vor allem danken wir Gott, den früheren, gegenwärtigen und zukünftigen Regierungen und besonders dem paraguayischen Volk, die die wahren Besitzer dieser wundervollen Länder sind und mit denen wir arbeiten und unsere Anstrengungen jeden Tag teilen.

Die Mennoniten sind weltweit als arbeitendes Volk bekannt und unsere Vorfahren haben es mit ihren unermüdlichen Bemühungen geschafft, das gesamte in dieser Gemeinschaft beobachtete Reich aufzubauen. Sie haben uns immer gelehrt, dass der Glaube an Gott, harte Arbeit und Ehrlichkeit grundlegende Säulen der Gemeinschaft sein sollten, und deshalb sind wir unseren Vorfahren dankbar.

Aber wie immer, wo Fortschritt ist, gibt es auch Schwierigkeiten und nicht alles was glänzt, ist Gold. Heute ist unsere Gemeinschaft in Konflikt und erlebt sehr schwierige Zeiten.

Unehrlichkeit, große Veruntreuung von Geld, Klonen und Fälschen von Rechnungen und das Versäumnis, Rechnungen zu verfassen, haben zu Spaltungen und Dutzenden Gerichtsverfahren geführt, aber leider hat die Finanzmacht in fast 10.096 der Fälle triumphiert. Gerichtsverfahren sind in den meisten Fällen alle gestoppt worden.

Wir haben viel Fortschritte gemacht, aber wir sind auch gescheitert, und zwar an einem der wichtigsten Faktoren der Menschheit, nämlich der Bildung und heute sehen wir die Konsequenzen. Von den mehr als 600 zwischen sieben und 14-jährigen Kindern dieser Gemeinschaft besuchen heute nur etwa 46 eine vom Ministerium für Bildung und Kultur anerkannte Schule. Ungefähr 24 von ihnen sind Schüler der El Sendero Schule in der Kolonie Sommerfeld und weitere 22 der Primavera Schule, die kürzlich in dieser Gemeinschaft eröffnet worden ist. Die anderen betreten die kleinen Schulen in den Dörfern, jeweils 20 bis 30 Schüler. Die Bildung ist sehr arm und sie lehren nur das Einfachste. Keiner der Lehrer hat eine akademische Ausbildung oder eine Immatrikulation, die einen Lehrauftrag erfordert. Da kann jeder Lehrer sein, außer Frauen oder die nicht Gemeindemitglieder. Von der Ankunft im Jahr 1948 bis heute folgt das gleiche Bildungssystem, das praktisch ein Vorzimmer der Kirche ist, in der der religiöse Führer die höchste Autorität hat. Die offizielle Sprache des Landes zu lehren und die Nationalhymne zu singen, ist in diesen Schulen streng verboten. Die einzige erlaubte Sprache ist Deutsch.

Zu den Folgen dieser Probleme, die die Kolonie Bergthal in dem Augenblick betrifft, wie sie in den Massenmedien gesehen haben werden; und für das Defizit in der Verwaltung der Zivilgesellschaft, die fast keine Vorbereitung, nicht wissend wie man sich ausdrückt, die Unfähigkeit der Angestellten in der Lage zu sein einen Dialog zu führen, all dies wegen des Mangels einer angemessenen Ausbildung und durch die Nicht-Beherrschung der Sprache.

Weil wir die Gesetze des Landes nicht kennen sind wir Opfer von Fachleuten, die diese Situation ausnutzen und verfügen nicht über die notwendigen Werkzeuge, um interne Konflikte zu lösen, durch welche heute jede Familie betroffen ist, denn das hat zu einer großen finanziellen Verschuldung geführt, die eines Tages gedeckt werden muss und so auch ungeheure Spaltungen in manchen Familien auslöste.

Die Diktatur ist hier immer noch in Kraft. Einschüchterung und Diskriminierung stehen auf der Tagesordnung. Diejenigen, die nicht mit allem einverstanden sind, werden bestraft und ausgeschlossen und ihnen wird die Ausweisung aus der Kolonie angedroht. Aber trotzdem sind wir entschlossen, weiter für das Gute und die Zukunft unserer Kinder und des paraguayischen Volkes zu kämpfen und wir vertrauen voll und ganz, dass Ihre Regierung uns die Lösung bringen wird, die wir in unserer Gemeinschaft brauchen.

Wir danken schon im Voraus und hoffen auf Ihr Verständnis. Wir wünschen Ihnen viel Mut und Weisheit für die kommende Jahre und möge Gott ganz Paraguay segnen durch Ihre Regierung.

Wochenblatt

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17 Kommentare zu “Offener Brief von mennonitischen Siedlern der Kolonie Bergthal an Mario Abdo Benitez

  1. Dieser „offene Brief“ von Mennoniten der Kolonie Bergthal zeigt leider die traurige, rückständige Seite der Mennoniten auf. Dennoch ist diese Seite nicht symptomatisch für alle Mennoniten, sondern eben nur eines Teiles davon. Die Bandbreite der mennonitischen Kultur bzw. deren Glaubens reicht von erzkonserativ und abgeschottet bis hin zu sehr modern, aufgeklärt und gebildet. Was sie aber alle eint, ist der unbedingte Glaube an Gott, der Bibel als Fundament ihres Glaubens und ihrer Handlungen. Wenn man sieht, wie sich die Welt in den letzten 100 Jahren gewandelt hat (und leider vielfach nicht zum Besseren) dann kann man schon verstehen, daß es Mennoniten gibt, die sich von dieser Welt abschotten wollen. Die Frage ist nur, wie lange können sie das durchhalten, denn die Einflüsse „der Welt“ werden nicht vor ihren Türen und Kindern Halt machen. Ich habe sehr viel Kontakte zu den Monnoniten in ASU und im Chaco und kann nur deren Freundlichkeit und Zuverlässigkeit hervor heben. Wer einige Tage unter diesen Mennoniten verbracht hat (und sei es nur im Mennohotel ASU) der wird bestätigen können, wie friedlich es dort zugeht, wie die Menschen respektvoll miteinander umgehen und wie ein ganz besonderer Geist in ihren Reihen herrscht. Man fühlt sich da so richtig geborgen wie auf einer friedlichen Insel im stürmischen Ozean. Es ist geradezu wohltuend für den Geist und die Seele, wie eine Auszeit vom geistigen Müll und den Gehässigkeiten der Mitmenschen. Daher möchte ich jedem Zugewanderten empfehlen, doch einige Tage im Chaco unter den Mennoniten zu verbringen. Es gibt z.B. in Filadelfia ein sehr schöne Hotel namens Filadelfia. Allerdings muß man auf die Mennoniten direkt zugehen und in ein Gespräch verwickeln. Dann werden sie sich öffnen und es entstehen meist sehr gute, wertvolle Gespräche.

  2. ja das passiert halt wenn man sich „in der eigenen kolonie“ einkastelt. man hätte schon jahre lang die bildung genauestens pflegen können und hätten dadurch einen überdurschnittlichen wert erreicht im gegensatz zu den staatlichen einrichtungen. aber die sturheit meist der vorfahren die eigene bildung weiterzubetreiben drang die andere bildung nach aussen. dafür kann auch der präsident nichts sondern nur die siedler selber die „offener“ leben sollten um nicht zu sagen „jeder muss sich anpassen“ sonst passiert nichts.

  3. Wer kennt die ganzen Umfänge der Affäre von Bergthal? Bitte Kontaktaufnahme mit Heinz WhatsApp 0971 701634

  4. „Von der Ankunft im Jahr 1948 bis heute folgt das gleiche Bildungssystem, das praktisch ein Vorzimmer der Kirche ist, in der der religiöse Führer die höchste Autorität hat.“ „Die Diktatur ist hier immer noch in Kraft. Einschüchterung und Diskriminierung stehen auf der Tagesordnung. Diejenigen, die nicht mit allem einverstanden sind, werden bestraft und ausgeschlossen und ihnen wird die Ausweisung aus der Kolonie angedroht.“ „Weil wir die Gesetze des Landes nicht kennen………“
    Bei den konservativen Moslems ist das auch nicht anders, dort ist der Koran das Gesetz; in der Kolonie Bergthal offenbar die Bibel.

    1. Anton, da muß ich ganz entschieden widersprechen! In der Kolonie Bergthal ist nicht die Bibel das Gesetz, sondern das was die „Ältesten“ daraus interpretieren um ihre Macht über die Gemeinde ausüben zu können. Das aber steht ganz klar im Widerspruch zum Evangelium und der Botschaft Jesus. In den streng konserativen Mennogemeinden ist es den Mitglieder sogar streng untersagt, die Bibel zu lesen, wie früher in der katholischen Kirche. Das Recht die Bibel zu lesen und auszulegen und darüber zu predigen steht ganz allein dem Pfarrer und den Ältesten der Gemeinde zu. Das ist das Problem. Und wer Macht über andere hat, gleitet u.U. ganz schnell ab, diese Macht zu mißbrauchen. Nebenbei bemerkt, auch die Papstaufrufe zu den schlimmen Kreuzzügen waren biblisch niemals begründbar und widersprachen ganz klar dem Evangelium. Das Papstum mißbrauchte seine Macht, verdrehte das Evangelium und führte die Gläubigen in die Irre, so wie das auch heute in der angeblichen Flüchtlingsfrage wieder geschieht.

      1. @Simplicus
        Deshalb ist in meinen Augen Religion so gefährlich. Die Interpreten bestimmen was Gottes Wille ist und dieser entspricht dann komischerweise immer dem Willen der Interpreten. Auch die Bibel selbst ist eine Interpretation, denn der heidnische Kaiser Konstantin bestimmte welche Evangelien in die Bibel aufgenommen werden und welche nicht. Ich glaube nicht an Gott, weil ich noch immer auf diesen Gott warte der die Prophezeiung Jesaja 11,6-9 erfüllt. Haben Sie auch schon einmal ein nicht in der Bibel enthaltenes Evangelium gelesen?

        1. Anton: 100% richtig, aber die Laienprediger bzw. Religions-Wahninnigen kapieren es einfach nicht, weil sie es nicht kapieren wollen. Sie scheinen zu glauben, dass ihnen ihre Halstarrigkeit den Weg ins ewige Paradies garantiert und ebnet.

    2. Ausweisung aus der Kolonie angedroht? Ist echter bloedsinn;wer in bergthal geboren ist hat sein recht da zu wohnen ob er ein moslem ist oder mennonit;viele sind aber schon verlassen und wuenschten sehr das sie da nicht geboren waeren.Viel bergthaler verstehen ihren Koran garnicht richtig, weil sie sich nur auf ihre ausgewaehlte(oder ausgesuchte] schwache Diener verlassen und selber nicht entscheiden wollen was besser waere fuer alle Buerger.

  5. “Kinderseelen werden zerstört“
    Ehemaliges Zeugen Jehovas Mitglied: So hat die Sekte das Leben von mir und meiner Familie bestimmt
    Quelle: Focus online von heute, Sonntag

    gewisse Ähnlichkeiten mit Mennoniten, zumindest dieser Kolonie, sind durchaus vorhanden.

  6. So wie ich die Paraguayer kennen gelernt haben, und die Mennos sind nun mal auch Paraguayer, sind sie trotzdem glücklich: wenn sie ihren Müll anzünden und Kindergartenmusik auf 130 dB hören können, am besten gleichzeitig, wenn man den Grill aufgestellt hat. Alle glücklich und zufrieden. Schreiben ja: in diesem wunderbaren Land. Also, so what?

    1. Ups, an alle Einzeilerschreiber: da ist noch ein Buchstabe „n“ zuviel drin. Bitte nicht gleich aufregen, todo tranqui!

  7. Das überall nicht Gold ist , was glänzt , ist klar
    Aber das es im Bergthal so zugeht , hätte nicht geahnt .
    Die Macht war noch immer süß , und das Vertreiben. ….. noch mehr
    Da entscheidn Einige : Ich habe das Recht den jzu vertreiben , der auch mitgeholfen hat mitzubauen , mitzugestalten. . Das Vertreiben ist mit Quälerei, Neid und Hass verbunden.
    Dia andere machen mit , bis sie selber drann sind . Dann werden sie Bewohner weniger .
    Anschauunsbild Kolonie Neuland .Nur noch eine Handvoll Bewohner mit veschiedenen Glaubensrichtungen .
    Aber das Wort Vertreiben wird gerne verwendet . Für Verfehlung wirst nicht kritisiert , sondern vertiefen .
    Obwohl fast jeder Russlandsdeutsche einen ,, Vertriebenenausweiss hat “
    Schnelli wurde vergessen , wie Häser für einen Ramsch verkauft worden sind oder Mafia sich gratis geholt hat .
    Fast die letzte Hose wurde noch im Hotel ,, Olympia “ heruntergezogen .
    Die Krönung : Der Bus wurde von den Pseudopolizisten angehalten. Der Rest kann sich jeder denken .
    Leiden wir alle an Demenz -Gedächtnisverlust? Weil es uns das Vertreiben so viel Spaß macht ?
    Einerstes ist der Tipp mit Philadelphia -Hotel gut , anderseits was bringt es mir , wenn ich mit Gesprächeeeee wie ein saures Bier anbieten muss .Macht man so Geschäfte?
    Ich verstehe es so:damit man aus dem Paradies nicht raus muss , wird man gleich nicht reingelassen, weil jemand das Verständnis Glauben für sich gepachtet hat ?????
    Mein Gadächtnis ist noch nicht (!!!) KURZ . HABE NICHT VERGESSEN , ALS MAN MICH i in Petersburg nicht INS HOTEL ( Platz war für mich reserviert) hereingelassen hat , weil Nationalität: Deutsch stand .
    Also , Philadelphia :,, Nein , Нет ,Жөкеге „

  8. Jetzt jammern, und das aus den eigenen Reihen, das fehlte gerade noch. Tja, das passiert wenn man Menschenfurcht mit Gottesfurcht verwechselt. Typisch für den Mennonit. Egal ob Bergthal oder sonstwo eine Kolonie aus dem Chaco, es geschieht Ihnen nur Recht!!

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