Paraguay und seine Probleme mit dem Geldtransfer

Asunción: Einige von uns hatten gewiss zu einem Zeitpunkt hier in Paraguay dasselbe Problem: Bargeld, Geldtransfers und Banken. Schnell findet man sich in einem Nebel der Ungewissheit wieder, navigiert zwischen Straßenwechslern in Asunción und Cooperativas. Alle angebotenen Lösungen kommen entweder mit enorm vielen Einschränkungen wie Schwierigkeiten bei der Kontoeröffnung, dem einreichen von Dutzenden Nachweisen oder Dokumenten oder Limits bei Cooperativas oder scheinen von der unangenehmen Notwendigkeit geprägt zu sein, einer anderen, teils völlig Fremden Person mit großen Summen Geld vertrauen zu müssen. Sicher, die Finanzwelt in Paraguay unterscheidet sich stark von der in Deutschland und das sollte natürlich keine Überraschung sein, wenn man in ein solches Land auswandert, aber dennoch fühlte ich mich oft verloren. Diese Erfahrung ist offensichtlich nicht einzigartig, denn ich bin auf viele Zuwanderer gestoßen, die Ähnliches erlebt haben. Zwar ist die Situation nicht unlösbar, dennoch wäre eine einfache und endgültige Lösung sehr willkommen.

Viele hatten Tipps und Tricks parat, jeder kannte irgendwen, der wiederum jemanden kannte und dessen Nachbar hat eine Firma und die machen das alles, man kennt es ja. Doch keiner dieser Vorschläge bot eine echte, langfristige Lösung. Hohe Kosten, willkürliche Wartezeit, Unzuverlässigkeit und Unsicherheit schienen die Konstanten zu sein. Wie oft durfte ich mir anhören, dass ich nicht “tranquilo genug bin” und dass es hier halt eben anders läuft, bis ich auf die Welt der Kryptowährungen stieß. Ein Bereich, der mir nicht fremd, aber auch nie besonders interessant erschien, bis ich erfuhr, dass jemand genau dieses Medium genutzt hatte, um seine finanziellen Herausforderungen zu bewältigen. Beim Thema Krypto klingelten bei mir zunächst direkt die Alarmglocken. Jeder von uns ist sicherlich schon mal mit Krypto und den dazugehörigen Gefahren in Kontakt gekommen. Skeptisch, aber neugierig begann ich also meine Recherche und verließ mich dabei nicht nur ausschließlich auf die Aussagen meines Bekannten.

Zu Krypto gibt es im Land ziemlich genau einen Fakt: Es ist unreguliert. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es weder verboten noch erlaubt ist. Es ist wie ein streunender Hund, es ist halt einfach da. Manche streicheln ihn, andere hüten sich vor potenziellen Krankheiten oder Bissen. In der gesamten Regierung gibt es kein einziges Organ oder Gremium, was sich mit Krypto befasst. Man kann keinerlei offizielle Information anfordern, da es weder offizielle Informationen gibt noch eine Anlaufstelle, bei der man sich diesbezüglich melden könnte. Banken&Co wollen dementsprechend wenig davon wissen, jedoch ist es nicht verboten. Krypto ist im Land existent und stetig am wachsen.

Wie kommt man also an Krypto, wenn die gängigen bekannten Exchanges wie Binance, Kraken&Co keinerlei möglichkeiten haben Zahlungen zu senden oder zu empfangen wenn man Paraguayer bzw. In Paraguay ist? Dazu gibt es überraschend viele Antworten, von denen ich einige ausprobiert habe.

Im Land ist der Peer-to-Peer (P2P) Handel die gängigste Methode, um an Kryptowährungen zu kommen. Dabei setzt man sich mit einer Person in Verbindung, die entweder Krypto oder FIAT (herkömmliche Währungen wie bspw. USD) besitzt und darüber hinaus ausreichende positive Bewertungen. Das ganze erinnerte mich an meinen Cedula-Prozess, als ich mit meinem Einwanderungshelfer auf der Straße Geld wechselte. Dann geht man mehr oder weniger in Vorkasse: man trifft sich mit der Person mit der abgemachten Summe und dann findet die Transaktion statt. Dazu wurde ich von meinen p2p Kontakten direkt zu ihnen nach Hause eingeladen. Die damit verbundenen Risiken bedürfen wohl keiner weiteren Erklärung. Ich war enorm verwundert, schließlich konnte es doch nicht die Lösung sein, sich mit fremden Privatpersonen in deren Häusern zu treffen, um Bargeld gegen Krypto zu tauschen oder umgekehrt. Nach einigen Enttäuschungen im privaten bzw im p2p-Sektor stieß ich schließlich auf die drei offiziellen Hauptakteure im paraguayischen Kryptomarkt: Cripex, Bitbase und X4T.

Cripex schied schnell aus, da über sie kaum Informationen zu finden waren. Sie scheinen laut Google dauerhaft geschlossen zu sein, und ihre Website ist wenig informativ. Zusätzlich werden auf deren Website Motorräder und Immobilien angeboten, was mich ziemlich verunsicherte. Kontaktversuche via Email und Telegram blieben wochenlang erfolglos. Auch ein physisches Lokal gibt es leider nicht. Ein Bekannter, der bereits länger hier in Paraguay lebt, meinte schließlich, dass Cripex wohl auch Mining betreiben würde und sich von dem Dasein als Exchange nach einer recht erfolglosen Zeit distanziert hat. Nachdem Cripex also für mich als Option ausgeschieden war, gab es nur noch zwei ernstzunehmende Kandidaten: Bitbase und X4T.

Bitbase verfügt über einen physischen Laden mit einem Bitcoin-ATM in der Nähe des Shopping del Sol. Dies war zunächst einmal ein Pluspunkt, insbesondere für jemanden, der den direkten Kontakt schätzt. Der Laden ist klein aber fein, schick hergerichtet und bietet auch einige Produkte wie Kleidung oder Bücher zum Thema Krypto. Das Unternehmen ist spanischen Ursprungs und hat seinen Service auf Paraguay ausgedehnt, allerdings beschränkt es sich ausschließlich auf den Handel mit einigen sehr wenigen Coins. Die Website von Bitbase ist einfach und unkompliziert. Mein Besuch in ihrem Laden war eine Erfahrung für sich. Ich durchlief einen längeren KYC-Prozess (so heißen die Verifizierungsprozesse der Kunden), der neben einer Überprüfung meiner Cedula auch eine Telefonverifizierung beinhaltete. Danach wurde mir erst klar, dass der Service nicht nur ausschließlich in bar, was an sich kein Problem ist, sondern darüber hinaus auch nur für ca. vier bis fünf native Coins, darunter Bitcoin, verfügbar ist. Einen eigenen Swap bzw. Trade, um weitere Kryptowährungen zu erhalten, bietet Bitbase nicht an. Um es noch komplizierter zu machen, musste ich mich zusätzlich auf einer anderen Kryptobörse registrieren, nur um ein Wallet für meine neu erworbenen Bitcoins zu haben, da Bitbase keine Wallets zur Verfügung stellt, bis auf einige Cold Wallets, die sie in ihrem Büro verkaufen. Als ich dann die Gebühren für eine Transaktion sah, die im Wert von 200.000 Guaraní fast ein Viertel von meiner Einzahlung kostete, wurde mir klar, dass dies keine nachhaltige Lösung sein könnte.

Dann kam die recht neue X4T ins Spiel. Die Registrierung auf ihrer Website war einfach und funktionierte ohne meine Anwesenheit in deren Räumlichkeiten. Ich füllte den KYC-Prozess aus, der meine Cedula benötigte, und hatte sofortigen Zugang zu allen üblichen Dienstleistungen einer Krypto-Börse, inklusive meinem eigenen Wallet, welches ich auch für Einzahlungen und Abhebungen anderer Exchanges nutzen kann. Der nächste Schritt führte mich in das Büro von X4T, das ebenfalls in der Nähe des Shopping del Sol liegt. Ich wurde von einem internationalen Team begrüßt, das sowohl aus Paraguayern als auch aus Deutschen besteht. Die Atmosphäre war professionell und einladend. Jede meiner Fragen wurde gründlich und geduldig beantwortet. Hier war der Dienst nicht nur auf Bitcoin beschränkt, sondern bot eine breite Palette von Kryptowährungen, so wie man es von einer richtigen Exchange kennt.. Erleichternd war die Tatsache, dass für die Einzahlung keine Gebühren anfielen und dass X4T jedem Kunden ein eigenes Wallet zur Verfügung stellt. Ein weiterer Pluspunkt war der sehr gute Kundensupport, der neben dutzenden Artikeln zu allgemeinen Fragen, der Gebührenstruktur der Plattform und generell hilfreichen Informationen über die Kryptowelt auch Videos mit Anleitungen zu Prozessen wie der Kontoerstellung oder dem KYC Prozess beinhaltet. Darüber hinaus verfügt X4T über einen 24/7 live Kundenchat, an den man sich jederzeit mit allen Anliegen wenden kann.

Was für mich aber das Sahnehäubchen war, ist die Möglichkeit, Geldtransfers von und nach Europa problemlos abzuwickeln. Einige Bekannte und freundliche Menschen auf Telegram erklärten mir, dass sie X4T nutzen, um Gelder von Europa nach Paraguay zu schicken und hier bei X4T in bar abzuheben, und umgekehrt. Auch bei diesem Prozess half mir das freundliche Team im Büro. Das löste nicht nur mein ursprüngliches Problem, sondern eröffnete mir auch neue finanzielle Möglichkeiten in der Welt der Kryptowährungen.

Ein Dank geht an D. und einige Telegram Gruppen und ihre freundlichen Mitglieder, die mir bei meiner Reise durch die Kryptowelt Paraguays enorm geholfen haben.

Wochenblatt / Leserzuschrift

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3 Kommentare zu “Paraguay und seine Probleme mit dem Geldtransfer

  1. Nur Bares ist Wahres. Mach mal ein konkretes Beispiel, wie viel Guaraní hier in bar abgehoben werden können, wenn man beispielsweise 1000 Euro schickt. Inkl. aller Gebühren versteht sich.
    Wer hat den privaten Schlüssel zu der Wallet (erstellt und verwaltet diesen)?

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    1. Die notorischen Disliker, die bei dieser Frage den Daumen runter geklickt haben, mögen doch bitte mal zum Ausdruck bringen, was an dieser Frage auszusetzen ist.
      Ich habe den Eindruck, diese Leute können weder lesen und begreifen und noch weniger schreiben.

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    2. Sofern ich das richtig verstanden habe, dreht sich dort momentan (noch) alles um Bargeld. Ich selbst bin Kunde seit Oktober und habe in diversen Telegram Gruppen von dieser damals noch recht neuen Firma gehört. Bin dann hin um mich selber zu überzeugen und habe mit kleineren Beträgen in USD und Guarani angefangen einzuzahlen.

      Man bekommt bei der registrierung ein Kundenwallet zugewiesen, worauf man dann seine Krypto hat. Dort habe ich seit nunmehr 5 monaten eine Summe über 10.000€ liegen und kann jederzeit frei darüber verfügen, sprich, an ein anderes Wallet/Exchange oder wieder in Bargeld auszahlen lassen und umgekehrt.

      Registrieren und einzahlen ist kostenlos, Auszahlen in Bar hat eine Gebühr von 3% und auszahlen in krypto, sprich an ein anderes wallet/exchange 2%. Limits gibt es anscheinend keine. mehr infos kann man hier https://support.x4t.com/article/fees finden. darüber hinaus haben die einen sehr guten support dem man jederzeit sämtliche fragen stellen kann.

      Anscheinend planen die auch bald, Überweisungen von und an Bankkonten zu ermöglichen, so könne man wohl “bald” von bspw Deutschland an die Überweisen, bekommt dafür Krypto und das kann man dann hier in bar bzw an ein paraguayisches Konto auszahlen lassen.

      Ich selbst bin nur mäßig an Krypto interessiert jedoch nutze den service auch für Geldtransfers bzw das Lagern von Bargeld wofür ich laut Banken keine ausreichenden Nachweise habe. Zusätzlich schadet es nicht, ein paar Bitcoin zu haben 😉

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