Paraguayisch-venezolanische Beziehung mit ungewissem Ausgang

Asunción: Es war nicht Fernando Lugo (2008 – 2012), der Hugo Chávez, den Führer der bolivarischen Republik Venezuela, die Tür nach Paraguay öffnete. Dafür könnte man Nicanor Duarte Frutos (2003 – 2008) verantwortlich machen oder bzw. für die den riesigen Schuldenberg gegenüber der PDVSA, den er nach Nachfolgeregierung überlassen hat.

Typisch für Hugo Chavez Frias wurde sein erster Auftritt in Paraguay einer der sich im Gehirn einprägt. Er landete mit seinem Flugzeug nur wenige Minuten nachdem der kubanische Staatschef Fidel Castro das erste Mal paraguayischen Boden betrat. Das war am 14. August 2003 um 06.00 Uhr morgens.

Im VIP Salon des Flughafens Silvio Pettirossi scherzte er mit seinem Mentor Fidel. Außerhalb der Regeln für Staatschefs lachten sie laut und umarmten sich. Viele wunderten sich damals warum Kommunisten und Sozialisten zur Amtseinführung eines rechten Staatschefs nach Paraguay kamen. Nicanor jedoch wusste wie man gewisse ideologische Sachen kombinierte und zeigte sich freundlich mit den historischen Führern. Die hiesige Linke schämte sich für so ein Verhalten.

Chávez gab lange Interviews im paraguayischen Fernsehen. Während jedem Gespräch mit einem Journalisten zog er eine kleine Verfassung in Buchform aus der Hosentasche und schenkte sie der Gespräch führenden Person. Nicanor Duarte Frutos wurde eine Replik eines Schwertes des Freiheitskämpfers Simón Bolivar geschenkt in Verbindung mit der Bitte die Korruption zu bekämpfen.

Ein weniger symbolisches Geschenk kam im Juli 2006 mit der Unterschrift in Caracas unter eine Vereinbarung zwischen Chávez und Nicanor. Damit war die Lieferung von venezolanischem Erdölderivaten besiegelt. Paraguay benötigte damals rund 18.600 Barrel pro Tag. Diese günstigen Produkte sollten rund 90 Millionen US-Dollar jährlich den Staat kosten.

Der Kauf von Kraftstoffen lief jedoch nicht reguliert ab und hinterließ dem Staat einen fast 400 Millionen US-Dollar hohen Schuldenberg, der aktuell bei 264 Millionen liegt. Die Legitimität der Schuld wird jedoch von einigen politischen Sektoren angezweifelt.

Das Interesse sich dem Mercosur zu nähern begann jedoch schon am 4. Juli 2006 als in Caracas ein Protokoll zur baldigen Aufnahme in den Mercosur unterzeichnet wurde. Die Absicht war es Vollmitglied zu werden.

Trotz der großen ideologischen Interessen die in Nicanors Politik nur Schau waren, war er einer der Menschen, die am meisten Werbung für die Aufnahme Venezuelas in den Mercosur machte. Seit Anfang an jedoch gab es eine starke Resistenz im paraguayischen Parlament.

Die politische Beziehung von Duarte Frutos und Chávez konnte man nicht nur an den gleichen Meinungen zu gewissen Themen ableiten sondern auch am gleichen Look. Im Juli 2004 überraschte Nicanor Duarte Frutos bei einem politischen Treffen in San Pedro de Ycuamandyú mit einem Barrett, gleich wie sein Kamerad aus Venezuela. Später trug auch sein Nachfolger Fernando Lugo ein Barrett.

Am 15. August 2008 kam Chávez zurück nach Paraguay um den neuen Staatschef zu begrüßen, der ideologisch viel näher an seiner Seite stand als es Nicanor jemals hätte sein können. Zusammen sangen beide an dem besagten Tag auf einer Bühne „Todo cambia – Alles wird anders“.

Die Hoffnung von Chávez in Lugo war dass er es ermöglichen könnte, dass das paraguayische Parlament, den Zutritt Venezuelas zum Mercosur absegnet. Grünes Licht fehlte dafür schon 25 Monate.

Die Parlamentarier, die dafür waren wurden gemieden, ihnen wurde die Annahme von „Petrodollars“ nachgesagt. Der Linken Paraguays wurde vorgeworfen, dass Land in eine Außenstelle Venezuelas mit dem Sozialismus des 21. Jahrhunderts machen zu wollen.

Die Drohung oder die Angst in den Strudel der anderen Staaten zu geraten kann die Entscheidung zur Amtsenthebung Fernando Lugos beeinflusst haben. Die Rechnung dafür bekam das Land nur sieben Tage später mit der Ausgrenzung aus ideologischer Sichtweise, die damals über der juristischen stand, wie der uruguayische Staatschef José Mujica bestätigte.

Heutzutage ist weder Nicanor noch Lugo an der Macht und Chávez, in einem Krankenhaus in Havanna beginnt virtuell seine neue Amtszeit. Angereist dazu kommen fast ausnahemslos seine ideologischen Kollegen, inklusive Fernando Lugo, der unter seinen Weggefährten weiterhin als verfassungsmäßiger Präsident Paraguays gilt.

Wie der Berater für internationale Belange der brasilianischen Regierung, Marco Aurelio García, erklärte, hat die venezolanische Verfassung in dem Fall der Amtsübernahem einen Leerraum. Während Kritiker von einem kaschierten Verfassungsbruch sprechen, befürworten andere das Handeln und sind dagegen davon zu sprechen.

Wie sich die Zukunft beider Nationen gestalten wird, zeigt sich wohl noch vor Jahresende.

(Wochenblatt / Última Hora)

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7 Kommentare zu “Paraguayisch-venezolanische Beziehung mit ungewissem Ausgang

  1. Die überwundene ideologische Teilung Europas zeichnet sich nun in ähnlicher Form in Sudamerika ab. Nach den Wahlen in Venezuela und Paraguay wird es sich zeigen wohin der Weg führt.

  2. Na, in Venezuela dauert es ja wohl noch eine Weile, bis seine Hohheit sich wiederwählen lassen kann – falls er dann noch unter den Lebenden weilt.
    Und bei uns – nach den linken Gemetzel dürften die Zeichen auf „Rot“ stehen. Sie brauchen gar keinen Wahlkampf, können abwarten wie die einzelnen blauen Gruppierungen sich gegenseitig fertigmachen.

    Aber von überwundener idiologischer Teilung in Europa würde ich nicht sprechen. Es fehlen nur die Kommunisten, ansonsten ist Europa idiologisch geteilt wie nie zuvor.

    1. Ideologische Vielfalt gibt es bis in die Familie hinein. Deswegen aber keine Teilung. Ideologische Vielfalt ist die Basis einer parlamentarischen Demokratie. So funktioniert auch Europa. Natürlich ohne Teilung!

      1. Bis vor kurzem noch gab es keine ideologische Vielfalt in den Familien. Jetzt hat sich dies geändert. Früher wurde das gewählt, was das Clanoberhaupt bestimmt hat und nichts anderes. Dieses Clanoberhaupt wiederum hat seine Stimmen wiederum an den Bestbietenden innerhalb der verschiedenen Flügel in der Partei verkauft.

  3. Die ideologische Vielfalt in der familie gab es sogar und besonders im 3. Reich.
    Im Übrigen geht es hier um heute und nicht um gestern. Aber die ewig Gestrigen brauchen das Gestern!

    1. Mein lieber Gustav, erstens sollte man mit den ständigen Anschuldigungen vorsichtig sein und zweitens kennst Du mich nicht, also wie sollst Du wissen ob ich ein ewig gestriger bin!

      Ich schreibe hier von paraguayischen Verhältnissen und nicht von europäischen, daher war ich der Meinung auch Du hast mit Deiner Aussage paraguayische Verhältnisse angesprochen, was aber nicht der Fall war. Also ein Missverständnis.

      Wir alle müssen kritikfähiger werden, ohne uns gleich auf den Schlipps getreten zu fühlen. Man kann sich irren oder auch nicht, muss aber dem Schreiber nicht gleich empfehlen das Land zu verlassen, wie man es immer wieder liest! Ich schreibe das, wie man in Paraguay sagt, „con buena onda“.

  4. Mein lieber Asuncioner!

    Ich verstehe nicht warum ich vorsichtig sein soll, die Meinung ist frei.
    Ein „Ewig Gestriger“ spricht immer die Vergangenheit an und bezieht sich immer auf die Vergangenheit.

    Ich missbillige, dass Migranten sich in Paraguay als Richter und Besserwisser aufspielen. Immer werden europäische Verhältnisse zugrunde gelegt. Wir sind aber nicht in Europa. Auch missbillige ich, dass paraguayische Verhältnisse als Grundlage für hönische und zynische Bermerkungen verwendet werden.
    Ich lebe in diesem Land und ich habe dieses Land lieben gelernt.
    Auch ich sage, wer dieses Land nicht mag wie es ist, soll es verlassen.
    Wer Verhältnisse ändern möchte muss das konstruktiv tun.

    Wir sind Gäste in diesem Land!

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