Paraguayische Regierung beabsichtigt neue Verhandlungsrunde zum Itaipú Strompreis

Asunción/Sao Paulo: Gegenüber der brasilianischen Tageszeitung Folha de Sao Paulo sagte der paraguayische Kanzler, José Félix Fernández, dass die Aussagen Federico Francos zur Stromabtretung an Brasilien schlecht interpretiert wurden und nicht gemeint war, dass Paraguay keinen Strom mehr an sein Nachbarland verkaufen sondern einfach nicht weiter „verschenken“ will. Mit dem Wort verschenken wird jedoch nur auf den  – schon im Vorjahr erhöhten und trotzdem noch zu niedrigen – Preis aufmerksam gemacht.

Fernando Lugo sorgte nach zähen Verhandlungen mit der brasilianischen Seite dafür, dass diese nun 9 statt nur 3 US-Dollar pro MW/h zahlen.

Für den Kanzler passt es genauso wenig zusammen wie für den Präsidenten, dass man Paraguay einerseits von allen diplomatischen Beziehungen exkludiert während andererseits ein unverschämt tiefer Preis für die übrige paraguayische Energie gezahlt wird.

Franco ließ über das Kanzleramt ein Schreiben nach Brasilia entsenden, in dem eine Preisvorstellung festgehalten ist und wartet nun, eventuell auch vergeblich, dass die Gegenseite ein Statement dazu abgibt oder gar auf Verhandlungen eingeht.

Die Vergangenheit sollte allen Paraguayern gelehrt haben, dass keiner Paraguay wirklich ernst nimmt. Obwohl der derzeit gezahlte Preis nur etwa 10% vom Weltmarktpreis entspricht, fühlt sich Brasilien trotzdem nicht schlecht und wird auf bestehende Verträge verweisen.

Auf den guten Willen der Brasilianer zu hoffen ist wohl der falsche Moment, wenn die Forderung auch rechtens ist.

(Wochenblatt / Abc)

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3 Kommentare zu “Paraguayische Regierung beabsichtigt neue Verhandlungsrunde zum Itaipú Strompreis

  1. Chancellor Fernandėz ist es wie Presidente Franco klar, daß soziales Engagement für die Bevölkerung nur durch höhere Einnahmen zu realisieren sind. Lugo hat verhandelt, daß der Stromabnahmepreis 3-fach angehoben wurde. Der Chancellor und der neue Presidente werden es nicht leicht haben, eine weitere zeitgemäßere Erhöhung durchzusetzen. Zumal der von Lugo 2011 verhandelte bilaterale Stromvertrag vermutlich ohne Indexanpassung erst 2023 ausläuft. Offensichtlich haben die vorherigen Regierungen eine zeitgemäße Strompreisanpassung verschlafen und Lugo für die relative geringe Erhöhung einen hohen Preis durch langfristige Vertragsbindung bezahlt.

  2. Die Strompreiseinnahmen großenteils versickert unauffindbar in Taschen einflussreicher Paraguayer. Strompreiserhoehungen aendern da wenig.
    Bitte wir benoetigen eine solide Finanzkontrolle,dann nimmt man Paraguay auch ernst.

  3. Es wird leider nie erwaehnt, dass die gesamten Baukosten von Itaipu Brasilien getragen hat. Ebenso wurden die 50% des Stammkapitals Paraguay von 50 Millionen US$ von Brasilien vorfinanziert. PY hat also finanziell nichts beigetragen. Dass sich Brasilien den nicht verbrauchten Energieanteil von PY zu billigst Preisen reserviert ist verstaendlich. Ebenso ist inzwischen voellig in Vergessenheit geraten, dass Brasilien anlaesslich des Vertragsabschlusses von Itaipu auch PY veranlassen wollte ihr ganzes Netz auf die brasilianische Spannung und 60 Hz umstellen sollte, um damit auch den Markt fuer ihre Elektroartikel zu sichern.
    Das Versaeumnis PY besteht dass es nicht agressiver den Inlandskonsum gefoerdert hat um damit weniger Ueberschussenergie an BR abtreten zu muessen.

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