Paraguayische Studentin in Taiwan

María Belén Marín Vysokolán ist 21 Jahre alt und hat nach drei Jahren hartnäckiger Bewerbungen ein Stipendium von der Republik Taiwan erhalten. Seit August 2014 ist die junge Frau nun vor Ort und lernt zunächst ein Jahr in Trimestern die Sprache Mandarin gemeinsam mit 12 weiteren Studierenden aus Paraguay.

In Asunción besuchte sie das Colegio Chiang Kai Shek und hat dort mit einer Goldmedaille abgeschlossen, dennoch landeten bei den beiden ersten Bewerbungen für das Stipendium andere Bewerber vor ihr. Taiwan zahlt für den Flug, das Studium, die Unterbringung und Verpflegung. Für die Bewerbung sind keine Sprachkenntnisse notwendig.

Erst kürzlich wurde ihre Bewerbung bei der nationalen Cheng Chi Universität für die Fächer Diplomatie und Wirtschaft angenommen, das im September startet. Der amtierende Präsident Taiwans unterrichtete früher an der Hochschule Recht. Von den sechs Plätzen für ausländische Studierende in diesem Jahr landete sie auf dem zweiten, nach vier Jahren wurde wieder ein Student aus Paraguay für das Fach Diplomatie an der Uni angenommen.

Auf dem Video hält die Studentin ihre Abschlusspräsentation des zweiten Semesters komplett in Mandarin. Sie spricht über das Bildungswesen in Paraguay und berichtet, dass eine ihrer Professorinnen, wegen der traurigen Umstände, zu Tränen gerührt war.

In Paraguay hatte sie zuvor bei dem Programm „Gemeinsam für die Bildung“ (Juntos por la Educación) mitgearbeitet und den Plan gefasst selber Lehrerin zu werden, um die Bildungsumstände zu verbessern.

Das Studium im Ausland bedeutet für Maria vor allem kulturellen Austausch. „Hier lieben sie unseren Tanz, unsere Trachten und die Volksmusik. Die Professoren erkennen unsere Nationalität leicht an den Thermoskannen für  ‚Paraguayischen Tee‘ (Tereré). Einige meiner Lehrer haben auch ein wenig Guarani gelernt“, sagt sie.

„Das Studium im Ausland öffnet die Augen, es schüttelt dich durch. Beim Aufenthalt in einem Land der ersten Welt fragst du dich: Wie wäre Paraguay, wenn wir all diese Infrastruktur hätten? Wie wären die Leute, die Jugendlichen? Das bringt dich zum Träumen und du steckst alle Energie in dein Ziel hier gut abzuschließen und dann daheim das Gelernte in der Bildungspolitik und der Lehre anzuwenden“, sinniert sie.

Von den insgesamt mehr als 100 paraguayischen Studenten in Taiwan schließen in diesem Jahr 20 ihr Studium ab. Das Schwierigste für den Zugang zum Stipendium waren die Behördengänge in Paraguay, die vielen Stellen des Erziehungsministeriums, bei denen man für eine Unterschrift und zwei Stempel vorstellig werden müsse, liegen weit im Land verstreut. Einige ihrer Kommilitonen mussten mehrfach hin und her durch die Republik Paraguay reisen, um ihre Dokumentation zusammen zu bekommen, hier sieht sie Verbesserungsbedarf.

Dann nimmt sie noch Stellung zu Joshua Abreu, Sohn des Pastors einer Mega-Gemeinde in Asunción, der kürzlich von der Zentralbank (BCP), seinem Arbeitgeber, für ein Aufbau-Studium in Oxford mit einem Stipendium versehen wurde. Der Fall erregte die Gemüter und viele fragten, wie ein scheinbar recht wohlhabender junger Mann, der an einer mittelmäßigen Universität in den USA studiert hat, an eine derartige Förderung gelangen kann.

Sie meint, nicht jeder wird zu einem Studium in Oxford angenommen und wenn er die Aufnahmeprüfungen bestanden hat und akzeptiert wurde, habe er dies auch verdient. Seine Leistung müsse zählen und nicht sein finanzieller Hintergrund. Für sie ist es ein Gewinn für das Land, wenn Paraguayer eine gute Ausbildung anderswo bekommen und ihr Wissen dann in die Gesellschaft einbringen. Abreu hat sich immerhin verpflichtet für jedes Studienjahr zwei Jahre bei der BCP zu arbeiten.

„Wenn mich etwas aufregt dann, dass wir statt Bibliotheken Diskotheken für Jugendliche eröffnen, die Millionen, die für eine goldene Sekretärin aus Steuergelder verprasst werden oder wenn ein Abgeordneter sich mehr um sein TV-Programm als um Regierungsgeschäfte kümmert. Was noch mehr schmerzt, ist zu wissen, dass wir daran Schuld sind, da wir diese Leute wählen“, erregt sie sich.

In Taiwan haben die Studierenden eine Vereinigung gegründet, die mit Hilfe einer örtlichen Universität, Kleidung für den Winter sammelt, die an bedürftige Kinder im Dorf Yhú in Caaguazú vergeben werden. „Dass wir weit weg von zu Hause sind heißt nicht, dass wir unser Land vergessen“, beendet sie das Interview, auf dem dieser Artikel basiert. Auf dem Bild ist die Stundentin umgeben von ihren Sprachlehrerinnen zu sehen.

Quelle: Última Hora

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2 Kommentare zu “Paraguayische Studentin in Taiwan

  1. Solche Menschen wären ein Beginn für Zukunft in diesem Land!
    Wünsche ihr das allerbeste für ihre Zukunft.

    Grüße Penicillin

    1. Hoffentlich kommt sie auch wirklich zurück und sieht nicht ihre Zukunft in anderen Gefilden.
      Das ist ja leider auch die Situation in vielen anderen Ländern, besonders Afrikas und Asiens. Diese Länder bluten aus, weil die intelligentesten und tüchtigsten lieber in die wohlhabenden Länder abwandern/dort bleiben nach dem Studium, dort, wo es sich mit gutem Einkommen bequemer leben läßt, sie dort beispielsweiser viel besser forschen können und weil dort Leistung auch anerkannt wird – wo nicht das Parteibuch entscheident ist. Und die „westlichen Länder“ haben sich ja auf diese Fachleute aus den armen Ländern spezialisiert, Brain Drain vom Feinsten.
      Allerdings scheint Maria doch noch nicht die Hintergründe für die Armut in Paraguay erkannt zu haben, wenn sie schlußfolgert, dass Paraguay besser dastehen würde, wenn es eine gute Infrastruktur hätte. Natürlich ist eine Infrastruktur wichtig – doch die Hemmnisse hier im Lande sind doch wohl eher personeller Natur, mal abgesehen von der Mentalität des „todo tranquillo“….

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