Paraguay’s Armut wächst versteckt an den Flussufern

Asunción: Im Stadtviertel Bañado Sur, am Ufer des Rio Paraguay, stehen seit Jahren Hunderte von Häusern aus Blech, die von Menschen bewohnt werden, die in extremer Armut leben – ein Bild, das im Gegensatz zu den guten Zahlen der Wirtschaft des Landes steht, die für Investoren attraktiv ist.

Diese kleinen, wackeligen Häuser wurden von den Menschen selbst an den Ufern des Flusses auf instabilem Untergrund gebaut. Ihre Lehmstraßen werden bei jeder Überschwemmung überflutet, und die Bewohner ziehen oft um und suchen in Parks und auf Plätzen im Oberlauf Schutz, bis das Wasser zurückgeht.

“Wenn der Fluss ansteigt, schwimmt die extreme Armut”, sagt der spanische Priester Pedro Velasco, Pfarrer von San Felipe y Santiago am Rande von Asunción, wo Bañado Sur liegt.

“Die offiziellen Zahlen zur Armut entsprechen nur sehr wenig der Realität. Es kommt darauf an, auf welchen Kriterien sie beruhen. Die Bevölkerung ist stark gewachsen. Wenn die Überschwemmungen kommen, dann sehen wir es”, sagt er.

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik lag die monetäre Armut im Jahr 2021 bei 26,9 % und damit genauso hoch wie im Jahr 2020 und höher als im Jahr 2019, als sie bei 23,5 % lag. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent im Jahr 2019 auf 10,4 Prozent im Jahr 2021.

Bañado Sur wurde von Kardinal Adalberto Martínez ausgewählt, um dort seine erste Predigt zu halten, nachdem er im August von Papst Franziskus eingesetzt worden war.

Vor rund 5.000 Gemeindemitgliedern rief der Kardinal die Verantwortlichen in öffentlichen und privaten Einrichtungen dazu auf, den Blick auf die Ausgegrenzten zu richten, “bis sie wirklich vom Leben der Armen betroffen sind”.

“Es ist dringend notwendig, die strukturellen Ursachen der Armut zu beseitigen”, rief er unter dem Beifall der Einwohner von Bañado Sur aus.

Ungleichheit

Mit 7,2 Millionen Einwohnern ist Paraguay ein wichtiger landwirtschaftlicher Erzeuger und wirbt für sich als sicheres Ziel für ausländische Investitionen. Der Präsident der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB), Mauricio Claver-Carone, bezeichnete es kürzlich als “eines der attraktivsten Länder für Investitionen” mit einer der “offensten und dynamischsten” Volkswirtschaften der Region. Im Jahr 2021 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nach Angaben der Zentralbank um 4,2 %.

“Es ist an der Zeit, Paraguay in den Mittelpunkt der regionalen und globalen Wirtschaft zu stellen. Paraguay zeichnet sich durch wirtschaftliche Stabilität und unternehmensfreundliche Bedingungen aus, darunter erneuerbare Energien, ein großes Arbeitskräfteangebot, die geografische Nähe zu den wichtigsten südamerikanischen Märkten und attraktive Gesetze zur Förderung von Investitionen”, betonte Claver-Carone auf einem Investorenforum in Asunción.

Das Land weist jedoch ein erhebliches Ungleichheitsgefälle auf. In Asunción und anderen Städten wie Encarnación (370 km südöstlich der Hauptstadt) und Ciudad del Este (350 km östlich) gedeihen neue Gated Communities und Luxusbauten neben Slums, in denen die Menschen unter prekären Bedingungen leben.

“Es ist der Ausdruck der Armut, die wir nicht sehen wollen”, sagt Senatorin Esperanza Martínez von der linken Frente Guasú (Große Front), die zwischen 2008 und 2012, während der Regierung von Fernando Lugo, Gesundheitsministerin war.

In Paraguay “erhalten die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung fünf Prozent des Gesamteinkommens, während die reichsten 20 Prozent 51 Prozent des Gesamteinkommens erhalten”, sagte Martinez.

Aufgrund der Pandemie seien 26 von 100 Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen, sagte sie. So wurden die Suppenküchen institutionalisiert und die Gemeindevorsteher übernahmen die Verteilung der Hilfe an die Ärmsten.

“Die Armuts- und Beschäftigungszahlen entsprechen überhaupt nicht der Realität. Arbeit bedeutet, ein sicheres Einkommen zu haben, mit Rechten, mit Bedingungen. Empanadas zu verkaufen ist keine Arbeit. Wir arbeiten viel mit Recycling. Es ist das Schrecklichste, was es gibt. Das ist keine Arbeit. Das Durchwühlen des Mülls ist keine Arbeit, sondern Überleben. Eine Frau, die an der Ecke Unkraut (Heilkräuter) verkauft, ist nicht dasselbe wie eine Frau, die ein Geschäft hat, das ihre Familie ernährt. Armut gibt es nicht nur in den Sumpfgebieten”, beklagt Pater Velasco.

Wochenblatt / Swiss Info

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9 Kommentare zu “Paraguay’s Armut wächst versteckt an den Flussufern

  1. Mein berufliches Ziel? Freit AG

    Hat aber niemand diese Nichtsnutze gebeten nach Asu zu ziehen und irgendwo, was nicht ihnen gehört, ihre Hütte aufzustellen. Können ja gerne nach Asu kommen, sich Arbeit und Unterkunft suchen. Oder wie wäre es, wenn man solchen eine Villa im besten Viertel bereitstellt, welches sie kostenlos beziehen können. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

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  2. Mit dem Bau der 7,6 km langen Costanera Sur bahnt sich eine Lösung des Problems an, u. a. durch neue Sozialbauten in Bañado Sur und einen Damm gegen das Hochwasser. Das wird das ganze Viertel verändern und beleben. Begleitet wird die Straße mit Radwegen und Parks. Südlich von Bañado Sur in San Cayetano scheint sogar ein neuer internationer Flughafen geplant zu sein. Bei Google maps findet man schon den Eintrag Futuro Aeropuerto International San Cayetano.
    https://www.mopc.gov.py/index.php/obras-emblematicas/costanera-sur
    https://www.mopc.gov.py/index.php/noticias/costanera-sur-obra-que-transformara-el-entorno-urbanistico-y-social-de-asuncion
    Genaue Pläne/Kartenmaterial bei weiterführenden Links bei MOPC. Der spärliche Regen des vergangenen Jahres hat dazu geführt, dass das Projekt schnell vorangetrieben werden konnte.

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  3. Ja, auf dem Land wird der Altersdurchschnitt der verfügbaren Arbeitskräfte immer älter, weil die Jungen in die Städte abwandern, getrieben von “Versprechungen” in den Telenovelas, wie schön das Leben in der Stadt ist. Wo alle im Büro sich nur mit privaten Zeugs beschäftigen, das Arbeitsleben ein einziger interessanter Spaß ist, wo viel Geld verdient wird, das man dann Abends in trendigen Pups und Restaurants mit schönen Frauen verfeiert.
    Die Realität ist aber, dass diese neu in die Städte zugewanderten verelenden.
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    Zitat: “Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent im Jahr 2019 auf 10,4 Prozent im Jahr 2021”
    Am besten erhöhen wir die Mindestlöhne noch weiter, damit es sich bald kein Arbeitgeber mehr leisten kann jemanden einzustellen.
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    Es hungern noch viel zu wenig Menschen! Vielleicht begreifen die ja irgendwann, dass nur Fleiß satt macht.

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  4. Jetzt teilen sich einfach drei grosse Firmen den sehr lukrativen (Unkraut) Verkauf und einige weitere den Empanada Verkauf auf Landesebene.
    Was für eine Leistung ein paar arme Mütterchen und Analfabeten aus dem Geschäft zu drängen.
    Da kann man schon mal eine grosse Schnauze haben…als guter Parasit!
    “Arbeiten soll ihr, verdammt! Von 8-17.00Uhr,mindestens, ihr braucht eine Steuerkarter damit wir eueren Lohn besser unter uns aufteilen können!!!! Euere Vernichtung kostet schlieszlich ein Haufen Geld!”

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  5. Ja, die Gesellschaft verführt viele Menschen, mit ihrer Politik, zu der eben auch das Fernsehen gehört, damit werden Menschen bewußt falsch informiert, eingelullt und verblöden vor sich hin, dazu noch die Drogen, der billige Alkohol, dann passt es schon.
    Schuldbildung, wenn notwendig mit Zwang wäre das richtige, doch wer will in diesem Land ein gebildetes Volk, wer….?
    Wohl niemand, denn damit würde man kritische Stimmen haben, im Volk, das stört den Frieden, den die Politiker bevorzugen, denn dann können sie ihre Säcke füllen, ungestraft…..

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  6. Auf dem Land wachsen die Terrenos zu.
    An gefühlt jedem fünften hängt ein “Vendo” Schild.
    Niemand möchte mehr auf dem Land leben und arbeiten.
    Dann lieber in der Stadt eine Hütte ans Flußufer bauen, weil man da das Bauland gratis hat.
    Und sich dann wundern, wenn nach Ende der Dürre der Fluß wieder aufs normale Niveau steigt.
    Von Seiten der Politik kommt nichts anderes als eine regelmässige Erhöhung des Mindestlohnes, die jedes Mal erneut Arbeitsplätze kostet.
    Auf der einen Seite finden die Arbeitgeber auf dem Land keine Arbeiter mehr, auf der anderen Seite können sie sich deren Löhne so langsam nicht mehr leisten.
    Diebstähle und Überfälle nehmen immer mehr zu, auch weil die Täter genau wissen, daß die Polizei sie erst gar nicht suchen wird, und sollten sie doch zufällig über die Täter stolpern, werden sie schon bald wieder laufen gelassen.
    Und die Opfer wandern in den Knast, sollten sie es wagen, sich zu wehren und dem armen Täter auch nur ein Haar zu krümmen.

  7. Was wäre wenn der mindestlohn mal sinken würde? Sinken dann die preise genau so schnell wie sie im umgekehrten fall steigen oder wäre es dann von gewisser seite, die meint, dass nur die politik an allem schuld ist, still? Hat man mit sinkenden löhnen je ein problem gelöst?

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