Asunción: Das Paraguyische Indigenen-Institut (Indi) und Vertreter des Volkes der Ayoreo Totobiegosode prüfen eine einstweilige Verfügung gegen den US-Amerikaner Nathan Seastrand, in den sozialen Netzwerken bekannt als “Yankiguayo“.
Ziel ist es, ihn daran zu hindern, sich Ayoreo-Gemeinschaften zu nähern, die in freiwilliger Isolierung im paraguayischen Chaco leben. Zudem kritisieren sie den mutmaßlichen Einsatz von Wildkameras und prangern an, dass festgelegte Protokolle für solche Eingriffe nicht eingehalten wurden.
Der Fall gewann an öffentlicher Aufmerksamkeit nach einer Anzeige des litauischen Biologen und YouTubers Romualdas Šapoka, bekannt als “Don Šapoka“. In einem mehr als einstündigen Video behauptete er, Seastrand habe ihn kontaktiert, um eine Dokumentation über unkontaktierte Ayoreos zu drehen. Laut Šapoka gebe es für das Projekt bereits eine Vereinbarung mit Netflix. Zudem erklärte er, dass Genehmigungen von Häuptlingen eingeholt wurden, um Schutzgebiete zu betreten. Er behauptete sogar, bei einem zweiten Besuch seien Mitglieder einer Gemeinschaft abgefüllt worden, um Genehmigungen zu erlangen. Darüber hinaus beschuldigte er Seastrand, die Indigenen nutzen zu wollen, um “reich und berühmt“ zu werden.
Die Beschwerden begannen jedoch nicht erst jetzt. Tagüide Picanerai, Anwalt des Volkes der Ayoreo Totobiegosode, erklärte, dass bereits seit zwei Jahren Beschwerden vorliegen. Er erinnerte daran, dass er Seastrand im Jahr 2024 über WhatsApp wegen der Nutzung von Bildmaterial kontaktiert habe, das seiner Aussage nach nicht autorisiert worden war. Darunter befanden sich Fotos von Angehörigen der Gemeinschaft, die bereits verstorben waren.
Der Präsident der Indi, Hugo Samaniego, traf sich mit Picanerai und Anwälten der Rechtsabteilung der Institution. Juan Mallada, Anwalt der Behörde Indi, erläuterte, dass das Präsidialdekret 1039/18 ein Protokoll für eine vorherige Konsultation vorschreibt. Dieses Verfahren gilt für alle, die Projekte mit indigenen Gemeinschaften durchführen wollen. Laut Mallada habe Seastrand diesen Schritt bei der Institution “niemals beantragt“.
Picanerai betonte zudem, dass auch das Protokoll für Handeln, Prävention und Notfallmaßnahmen (PNCAT) nicht eingehalten wurde. Dieses Instrument legt Maßnahmen zum Schutz der territorialen, Umwelt- und Kulturrechte des Volkes der Ayoreo Totobiegosode fest. Sein Geltungsbereich umfasst Indigene in freiwilliger Isolierung und Erstkontakt in Alto Paraguay. Parallel dazu soll laut den angezeigten Unterlagen der Nationale Fonds für Kultur und Kunst (Fondec), der dem Nationalen Kultursekretariat (SNC) untersteht, im Jahr 2024 öffentliche Mittel für eine Dokumentation von Seastrand bewilligt haben. Das Projekt trage den Titel “Los últimos ayoreos“ (Die letzten Ayoreos) und behandele genau das Leben der Indigenen in freiwilliger Isolierung. Das Sekretariat SNC wird von Ministerin Adriana Ortiz Semidei geleitet.
Eine Delegation der Indi brach von Asunción in den paraguayischen Chaco auf, um sich mit den Ayoreo-Gemeinschaften zu treffen. Ziel ist es, die einzuleitenden Schritte abzustimmen. „Die Idee ist, eine einstweilige Verfügung zu beantragen, damit er sich nicht mehr nähert“, erklärte Picanerai. Der Antrag ziele auch darauf ab, das als nicht autorisiert geltende Bildmaterial entfernen zu lassen.
Der Anwalt des Volkes der Ayoreo Totobiegosode fügte hinzu, dass Seastrand in bestimmten Bereichen Wildkameras installiert haben soll, um Aufnahmen von unkontaktierten Indigenen zu machen.
Dieser Vorwurf ist Teil der Beschwerden, die das behördliche Einschreiten ausgelöst haben. Die Behörde Indi und die indigenen Vertreter versuchen nun, gemeinsam gerichtliche Maßnahmen gegen die dem “Yankiguayo“ zugeschriebenen Annäherungen, Audio- und Videoaufnahmen sowie Vorgehensweisen festzulegen.
Wochenblatt / ABC Color















