Sekretärin mit Ministergehalt

Der Job von Óscar Rubén Velázquez Gadea, dem obersten Rechnungsprüfer Paraguays, ist ohne Frage anstrengend, neigen die Institutionen doch traditionellerweise nicht von alleine zum sparsamen Umgang mit Haushaltsmitteln. Diese Aufgabe lässt sich nur mit qualifizierter Unterstützung stemmen und Velázquez muss sich auf ein effektives und gut organisiertes Team verlassen können. Es ist also mehr als verständlich, dass auch seine Privatsekretärin herausragend in ihrer Leistungsfähigkeit ist und sich dies ebenso im Gehalt widerspiegelt.

Velázquez ist sich sicher mit Liz Paola Duarte Meza genau diese missionskritische rechte Hand gefunden zu haben, dass sie über keinen akademische Ausbildung verfügt sagt nichts über ihre Qualifizierung aus. Bereits vor ihrer Berufung ins Vorzimmer des Chef-Prüfers hatte sie die Karriereleiter bis zur Gehaltsstufe eines Rechnungsprüfers erklommen, dies belegt ihr Ausnahmetalent.

Ihr Grundgehalt im Jahr 2014 betrug 5.740.400 Guaranies, nach der routinemäßigen Angleichung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten stieg ihr Einkommen prozentual im gleichen Verhältnis wie das ihrer Kollegen auf inzwischen 7.090.800 PYG. Dieser Betrag ist auch so auf der Webseite der Institution publiziert, wie es das Gesetz 5189 fordert.

Da der oberste Rechnungshof momentan von einem Skandal zum nächsten schlittert, haben findige Journalisten auch einmal die im Internet veröffentlichten Daten mit denen des Finanzamts verglichen und einige Abweichungen festgestellt, die gegen das oben zitierte Gesetz verstoßen.

In der Personalabrechnungs-Software des Finanzministeriums (Sinarh) fanden sich nicht bekannt gegebene monatliche Überstundenvergütungen von mindestens 2 bis knapp 6 Millionen PYG und Prämienzahlungen zwischen 5.740.400 und 19.808.784 Guaranies. Das Durchschnittseinkommen der Sekretärin beträgt somit 22 Millionen PYG und unter Berücksichtigung des Weihnachtsgeldes kamen so von Januar 2014 bis April 2015 exakt 389.563.941 PYG zusammen.

Velázquez und auch sein Personalchef, Roberto García, sprechen von einer „transparenten Amtsführung“, die zudem auch deutlich sparsamer als die der Vorgänger sei. Die Zusatzbezüge seien lediglich nicht auf der Webseite angegeben, da das Formular, welches man zur Verfügung gestellt bekommen habe, diese Angabe nicht ermögliche. Andere Behörden veröffentlichen vergleichbare Informationen allerdings problemfrei.

Duarte macht monatlich bis zu 543 Überstunden, für die es jeweils eine Zulage von 65.272 Guaranies gibt, allerdings wären nur maximal 32 Überstunden in einem Monat gesetzlich erlaubt. In manchen Monaten kamen so 31 Millionen PYG für Mehrabeit zusammen. Da die Institution am Wochenende nicht kontrolliert, arbeitete Duarte in einigen Monaten durchschnitllich 27 Stunden pro Tag. Gerne wüssten wir ihr Geheimnis, damit wir die Projekte beim Wochenblatt, für die wir momentan keine Zeit finden, voranbringen können.

Die Zeitung Última Hora versuchte bei verschiedenen Gelegenheiten mit der Spitzenverdienerin zu sprechen, allerdings hatte die Dame immer genau an diesen Tagen genehmigten Sonderurlaub und ein Interview kam nicht zustande.

Quellen: Última Hora, Paraguay.com

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7 Kommentare zu “Sekretärin mit Ministergehalt

  1. bei diesem höchstdelikaten Thema ( immerhin geht es um nicht mehr oder weniger als den obersten Rechungshofs Paraguays ) ist mir wirklich nicht mehr nach humorvollen Kommentaren. Fehlen nur noch die bekannten Vergleiche mit westlichen Industriestaaten ( vorzugsweise unser Heimatland ). Bei solchen Berichten erinnert man sich gern an :
    1. Cartes, neuer Präsident in Paraguay !!. Zwei jahre ist es gerade mal her, als hier täglich Dutzende von Cartes Groupies den neuen Messias ausriefen. Viele schämten sich ihrer herkunft und wollten unverzüglich die pyische Staatsangehörigkeit. Zweifler wurden unmissverständlich an die Wand genagelt.
    2. Das Volk. !!!… Ein Jahr ist es gerade mal her, als eine handvoll angetrunkener Jungendlicher einen pyischen Abgeordneten aus einem Lokal provozierten. Dutzende Kommentare wiesen auf dieses tolle Volk hin, das sich, im Gegensatz zu dem dummen deutschen Volk, nichts gefallen lassen würde. Von allen Seiten wurde dieses mutige Volk bewundert, während die eigenen Landsleute mit Dreck und Häme beworfen wurde.
    Mittlerweile schäme ich mich bisweilen auch, ein Deutscher zu sein. Nicht etwa wegen meinem Heimatland oder der deutschen Bürger. Nein, wegen den nach Paraguay eingewanderten Deutschen. Ohne Ehre, ohne Charakter………….niemand wird euch in Deutschland eine Träne nachweinen. Viele sollten morgens nur einen Blick in den Spiegel werfen. Danach brauchen sie kein Wochenblatt mehr zu lesen, um das tägliche Elend zu sehen. ………..Alles Gute noch allen Müttern für den morgigen Tag.

  2. So wie die aussieht……klarer Fall, immer noch unterbezahlt ! 🙂

    Aber um ein Interview zu den 27 Stundentagen zu bekommen, müsste man mal am Ball bleiben……Lach

  3. Ein Monat mit 30 Tagen hat 720 Stunden.
    Falls die offizielle Arbeitszeit 8 Stunden pro Tag beträgt, wären das bei einer 5-Tage-Arbeitswoche und genau 4 Wochen/Monat 160 Arbeitsstunden. Wenn Sie dann noch 543 Überstunden macht, bleiben ihr ganze 17 Stunden im Monat Freizeit, Schlaf etc, also etwas mehr als 1/2 Stunde pro Tag. Diese Frau verdient eindeutig einen Orden 😉
    Nur gut, dass die meisten Paraguayer Probeme mit dem Rechnen haben, wenn die Zahl so groß ist, dass die eigenen 10 Finger nicht mehr ausreichen. Oder hat der Oberste Rechnungsprüfer die gleichen Probleme 😉

    Einerseits kann man über soviel Dreistigkeit nur den Kopf schütteln, andererseits – wenn das Volk zu bequem oder was auch immer ist, dagegen etwas zu unternehmen, dann hat es selbst Schuld.
    Jedes Volk hat schließlich die Führung, die es verdient…..

    1. So wie ich das sehe, ist die Frau korrekt bezahlt, denn jedes mal wenn sie an ihrem Chef „gearbeitet“ hat, war das für ihn ein Feiertag. Und feiertags gibt es doch Zuschläge. Logisch, oder?

  4. Mir fällt dazu nur eines ein, eine Eiterbeule nach der anderen bricht auf. Wie krank muss ein System sein, wenn der Präsident des Rechnungshofs, der für Transparenz in allen staatlichen Institutionen zu sorgen hätte, selbst mitten im Sumpf steckt und die Anschuldigen verteidigt und denjenigen, die alles aufgedeckt haben, mit Konsequenzen droht. Mich erinnert das an die Plünderung der Itaipu-Pensionskasse von kanpp US$ 200 Millionen. Derjenige der alles ins Rollen brachte wurde als einziger eingesperrt, da er von den Vorgängen wusste und es früher ans Tageslicht hätte bringen müssen. So kann die Sache auch gesehen werden.

    Mit dem Rechnungshofpräsidenten will sich keiner anlegen, daher auch die auffallende Kritiklosigkeit. Wer im Glashaus sitzt wird sich hüten mit Steinen zu werfen. Traurig aber wahr. Wären die Colorados nicht so zerstritten wie im Moment, das alles wäre nie publik geworden. So liefert einer den anderen ans Messer. Konsequenzen natürlich Null und die Fiesta geht weiter.

    1. asuncioner, wie immer ein sehr guter kommentar.
      was soll man also von den uebrigen staatsdienern,parlamentariern,buergermeister usw
      erwarten, wenn der“contralor“ des landes selbst ein korrupter ist.
      immer ein paar bauernopfer fuer die presse und die oeffentlichkeit, aber der riesige
      „staatsklau“ geht weiter. und alle sind dabei, ob rot, blau oder pseudo linke.

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