Verboten krank zu werden: Es gibt keinen Platz mehr

Asunción: Ein junges Paar bat um medizinische Hilfe für ihr Kind im Krankenhaus San Pablo. Arme Bürger in Paraguay haben keine Krankenversicherung. Man hat keine andere Wahl, als auf öffentlichen Gesundheitseinrichtungen zurückzugreifen.

Das Kind hatte Fieber und die Eltern beschlossen, ihn in das Gesundheitszentrum zu bringen, in dem es geboren wurde. Nachdem sie in der Notaufnahme inmitten einer langen Reihe von verzweifelten Patienten gewartet hatten, gelang es ihnen, einen Termin zu bekommen. Die Diagnose lautete, dass das Kind eine Blasenentzündung hatte und einen dringenden Krankenhausaufenthalt benötigte.

In dem Krankenhaus San Pablo werden aber vorrangig Frauen für eine Geburt interniert. Außerdem waren alle Betten belegt und es gab sogar Patienten, die in den Gängen untergebracht waren. Im Idealfall hätte das Kind im Hospital Acosta Ñu eingewiesen werden können, aber auch hier war kein Platz frei.

„Alles ist überfüllt, wir haben Patienten in den Gängen und es gibt eine lange Liste weiterer kranker Kinder“, erklärte ein Arzt aus Acosta Ñu. In den anderen Krankenhäusern und Gesundheitszentren passierte das Gleiche: Sie waren alle belegt, es gab kein einziges freies Bett.

„Das Kind ist in einem ernsten Zustand. Wir können es nicht gehen lassen. Bleiben Sie hier, bis wir ein freies Bett in einem anderen Hospital bekommen“, erklärte der diensthabende Arzt in San Pablo. Also wartete die Mutter in einem wackeligen Ledersessel in der kleinen Notaufnahme. Das Kind wurde medikamentös versorgt und bekam eine Infusion.

Es war bewundernswert zu sehen, wie Ärzte und Krankenschwestern die Patienten betreuten und sich in dem improvisierten Raum drängten, in dem alle ein- und ausgingen.

Das Warten wurde endlos. „Sobald wir Nachrichten über ein verfügbares Bett haben, überweisen wir sie in das entsprechende Krankenhaus“, versprachen die Ärzte, aber es gab nie eines.

In der Praxis dauerte es mehr als 72 Stunden auf einem Stuhl in der Notaufnahme von San Pablo, bis sich der Zustand des Kindes verbesserte. Eine lange Schlange von Patienten nahm den freien Stuhl dankbar an.

Es ist die gleiche Schlange von Patienten, die heutzutage in Kliniken, in IPS-Krankenhäusern oder anderen öffentlichen Gesundheitszentrum beobachtet werden kann.

Die traurige Prozession, vor den Toren eines jeden Krankenhauses, um zu versuchen, einen Ort zu finden, um zu heilen, ist ein Teil der Alltagslandschaft in Paraguay geworden. Es gibt fast keine Nachrichten mehr in den Medien, denn die Bürger akzeptieren es als etwas “Normales“.

Ein Plakat in jeden Gesundheitsposten, mit der Aufschrift: “Nicht krank werden: Es gibt keinen Platz!“ würde wohl den Zustand des Systems im Land am besten beschreiben.

Wochenblatt / Ultima Hora

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4 Kommentare zu “Verboten krank zu werden: Es gibt keinen Platz mehr

  1. Aber wenn es nach dem letzten, hochverdienten Präsident Cartes geht, verfügt Paraguay weltweit über das beste Medizinsystem. Darum kommen ja auch so viele Ausländer extra nach Paraguay um sich hier behandeln zu lassen – sollte man annehmen. Hoffentlich wird man in diesem Land niemals ernsthaft krank oder alt!

  2. Hier herrscht ein totales Versagen der Politik und Staatssubstituten. Kein Streich wird unternommen um Arbeitsplätze zu schaffen. Wie den auch?
    Sie haben ja einen, sogar einen für hiesige Verhältnisse, sehr gut bezahlten.
    Mit einer schulischen Ausbildung vergleichbar eines europäischen Drittklässlers versuchen die Menschen sich mit immer dem gleichen Artikeln über Wasser zu halten: Verkauf von Hamburgern, Kaugummis, Schmuggelware etc. Man sieht einfach überall die gleichen Verkaufssegmente und „Menschen die mit Körben und umgehängter Schmuggelware“ herumlaufen. Und dies geschätzt mindestens dreimal mehr als dass es einen Markt dafür gibt.
    Die meisten Menschen hier werden arm bleiben (mtl. Einkommen zw. 150 und 400 Euro), somit werden auch die Staatseinnahmen (mtl. null Euro von über 60% der Bevölkerung, ok, etwas Mwst. vielleicht) armselig sein, somit auch das Gesundheitssystem erbärmlich bleiben (außer die ganze Politik- und Staatssubstituten-Mafia, sicherlich auch einige fleißige Bourgeois, die sich die Privatkliniken [und Privatschulen] leisen kann).
    Einfach nur erbärmlich welche Leute hierzulande am Ruder sind (bis und mit Ex-Präsident Cartes, vom neuen kann man noch nicht viel sagen, wird aber etwa das gleiche Gesocks sein, welches in erster Linie an einem Garnieren in die Taschen des eigenen Familienclans interessiert ist).

  3. Schlimm ist, dass eigentlich genug Geld für die Bevölkerung da wäre, niemand müsste leiden, aber manche haben halt 100 Autos in ihrer Garage….

    1. Ja.
      Und zwar das Geld, das die Masse der Bevölkerung mit ihren Steuern bezahlt.
      Und halt wieder einmal: Somos orgullosos de ser Paraguayos.

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