Vom Krieg gelebt

San Antonio: Eine der ersten Industrien in dem kleinen Dorf San Antonio war die US-amerikanische Firma MPD of IPC „Meat Packing Division of International Products Corporation“. Für diese Firma arbeiten quasi alle Einwohner des Ortes zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Damals kam man nach San Antonio nur über das Wasser, also in Schiffen oder Kanus, später auch auf dem Landweg mit Ochsenkarren oder zu Fuß. Wegen der weiten Entfernungen entschied sich die Betriebsleitung Häuser für Angestellte zu bauen, wodurch der Ort zu einer Stadt wurde. Die Konstrukteure kamen aus Nordamerika und Europa, laut den Aussagen der ersten Arbeiter.

Der Schlachthof San Antonio hatte folgende Infrastruktur:

  • Ein Arbeiterviertel mit Holzhäusern, wo zu Beginn 1.400 Familien lebten. Im Zentrum des Viertels gab es eine große Sirene, die alle Arbeiter wecken sollte. Sperrstunde war um 02:00 Uhr. Eine Stunde später weckte man die Menschen.
  • Elf moderne Häuser für die Angestellten aus der Administration
  • Orte für die Freizeitgestaltung aller Angestellten sowie einen Fußball- und einen Tennisplatz
  • Ein Hotel, welches mit neuester Technologie gebaut wurde und bis auf das Holz aus dem Chaco (Quebracho Colorado) alle Baumaterialien aus dem Ausland stammten. Im Inneren gab es Kinosäle und es wurden große Feste gefeiert.

Am 14. Juli 1915 wurde vom damaligen Präsident der Republik, Eduardo Schaerer, das Gesetz N° 144 in Kraft gesetzt, welches G. L. Rickard die Konzession über den Schlachthof für 25 Jahre ohne oder mit geringsten Steuern überschrieb, wenn das Fleisch und Fleischprodukte hauptsächlich in den Export gehen.

Der Grund für die Einrichtung des Schlachthofes war die Menge an Rindfleisch in Paraguay und der Erste Weltkrieg, der für reißenden Absatz sorgte. Konserviertes Fleisch wurde bis 1918 im großen Stil hergestellt und exportiert. Als der Krieg vorbei war sank die Rentabilität und selbst die Viehzüchter, die am Krieg mitverdienten, bekamen weniger Aufträge.

Zwischen 1920 und 1935 wurde wieder viel konserviertes Fleisch hergestellt und unter anderem die paraguayischen Soldaten im Chaco-Krieg beliefert wie auch die bolivianischen Pendants dank des Verkaufsgeschicks der US-Amerikaner. Nach Ende des Chaco-Kriegs kam es erneut zum Stillstand in der Fabrik.

Zwischen 1935 und 1940 waren die ehemaligen Angestellten im Export von Zitrusfrüchten aktiv, da es große Anpflanzungen im Ortsbereich gab. Erst 1941 wurde wieder konserviertes Fleisch hergestellt, da Soldaten im Zweiten Weltkrieg wieder Nahrung benötigten. Bis 1947 lief wieder alles am Schnürchen, dann kam ein erneuter Stillstand.

Erst 1965, als die US-Amerikaner in Vietnam einmarschierten wurde wieder Fleisch in Dosen hergestellt. Diesmal waren es große Dosen mit quadratischen Fleischstücken. Als die internationalen Auflagen zum Betreiben der Fabrik zu umständlich und kostenintensiv wurden, schloss die Fabrik endgültig im Jahr 1968.

Im Jahr 2007 kaufte die Firma Frigorífico Guaraní, dessen Eigentümer die Familie Petengill ist, das 8 ha große Grundstück. Zwölf Jahre später wurde das Ex Hotel an Herr Davalos verkauft, dem die Supermarktkette „El Pueblo“ gehört. Seit 1980 verfällt alles auf dem einst blühenden Gelände.

Wochenblatt / Asociación Cultural Mandu’arã

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