WM-Wahnsinn in Paraguay: Wenn der Fußball dem Bildungsminister wichtiger ist als die Schule

Asunción: Ein nächtliches WM-Spiel und ein bisschen Winterkälte reichen aus, um das paraguayische Bildungsministerium (MEC) ins Wanken zu bringen. Wenn die Nationalmannschaft spielt, steht die Zukunft der Kinder hinten an. Ein Armutszeugnis für ein Land, das ohnehin mit massiven Bildungsdefiziten kämpft.

Man muss sich die aktuellen Aussagen von Bildungsminister Luis Ramírez auf der Zunge zergehen lassen: Weil die Albirroja am Donnerstagabend bei der Weltmeisterschaft antritt, prüft das Ministerium ernsthaft, am Freitagmorgen den Unterricht ausfallen zu lassen oder nach hinten zu verschieben. Das Spiel endet um 01:00 Uhr nachts. Die logische Konsequenz in Paraguay? Die Schulen kapitulieren vor dem kollektiven Schlafmangel.

Als Alibi muss dann auch noch die “starke Kälte“ herhalten. Ja, es wird winterlich in Paraguay (Prognosen sprechen von 1 bis 5 °C), aber seit wann ist das Wetter oder ein Sportereignis ein legitimer Grund, das verfassungsmäßige Recht von Kindern auf Bildung zu beschneiden?

Prioritäten im verkehrten Universum

Dieser Vorstoß offenbart eine absurde und gefährliche Prioritätensetzung. In jedem Land, das seine Zukunft ernst nimmt, wäre die Debatte nach fünf Sekunden beendet: Wer lang genug aufbleibt, um Fußball zu schauen, muss eben müde die Schulbank drücken – das gilt für Lehrer wie für Schüler. Doch in Paraguay wird das staatliche Bildungssystem kurzerhand zum Spielball des Fankults.

Es ist ohnehin ein offenes Geheimnis, dass das paraguayische Schulwesen in internationalen Vergleichen (wie den PISA-Studien) regelmäßig auf den hinteren Plätzen landet. Marode Klassenzimmer, fehlende Ressourcen und Unterrichtsausfälle gehören zum Alltag. Anstatt jede einzige Minute im Klassenzimmer zu verteidigen, öffnet der Bildungsminister Tür und Tor für kollektives Blaumachen.

Der bürokratische Irrsinn der “Schulferien“

Noch skurriler wird es bei der Option, den Freitag komplett schulfrei zu erklären. Laut Ramírez dürfen Schulen das tun – vorausgesetzt, sie reichen beim MEC einen “Wiederaufholungsplan“ ein, der von den Eltern abgesegnet wurde. Man stelle sich diesen bürokratischen und organisatorischen Aufwand vor: Schulleitungen müssen in Windeseile Elternabende organisieren, Unterschriften sammeln und Lehrpläne umwerfen, nur damit am Donnerstag ungestört Bier getrunken und geschrien werden kann.

Glaubt das Ministerium ernsthaft, dass der verpasste Stoff an einem Samstag im Juli mit derselben Qualität nachgeholt wird? Wohl kaum.

Fazit: Ein fatales Signal an die Jugend

Die Botschaft, die das MEC mit diesem Rundschreiben an die nächste Generation sendet, ist fatal: “Bildung ist wichtig – es sei denn, der Ball rollt.“

Wenn Paraguay den Sprung zu einer modernen, wettbewerbsfähigen Wirtschaft schaffen will, muss sich mental etwas ändern. Nationalstolz zeigt sich nicht darin, dass man am Tag nach einem Länderspiel ausschläft, sondern darin, dass man trotz Müdigkeit aufsteht und an der Zukunft des Landes arbeitet. Am Freitag gehören die Kinder ins Klassenzimmer – pünktlich um 07:00 Uhr morgens. Ohne Wenn und Aber.

Wochenblatt

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