1 Million USD für Campesinos: “Wir können kein Wohlfahrtsministerium sein“

Asunción: Vergangene Woche haben die Campesinos eine Vereinbarung mit der Regierung erzielt. Landwirtschaftsminister Denis Lichi erklärte jedoch, dass das getroffene Abkommen die Auszahlung für produktive Projekte vorsehe und keine reinen Hilfsmittel, wie Geld, biete.

Lichi erklärte weiter, dass noch vor den Demonstrationen bereits die Leiter der Bauernorganisationen informiert worden seien, dass Ressourcen nicht in Form von Geld ausgezahlt würden, sondern jeder “muss produktive Projekte präsentieren, damit alles zu laufen beginnt“.

Er argumentierte, dass vor der Umsetzung dieser Pläne mit den Campesinos nichts begonnen werden könne, weil “jetzt, nachdem wir eine Vereinbarung mit ihnen erzielten, sie produktive Pläne vorlegen müssen und, wenn wir sie akzeptieren, wir dieses Projekt finanzieren oder unterstützen; wenn nicht, dann eben nein. Es ist nicht so, als hätten die Campesinos eine Million US-Dollar im Koffer mitgenommen“. Er erklärte weiter, dass das Landwirtschaftsministerium Arbeit anbieten wolle. „Es sind produktive Pakete, sie sollten eine Hilfe sein“, sagte Lichi.

Er erinnerte daran, dass in einem früheren Projektplan mit den Campesinos 1.200 Gewächshäuser ausgeliefert wurden, von denen nur 200 an echte Produzenten gingen und jetzt 1.000 zerstört oder keine Verwendung fanden. „Wir können kein Wohlfahrtsministerium sein, wir müssen ein Produktionsministerium sein“, betonte Lichi.

Wochenblatt / ABC Color

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10 Kommentare zu “1 Million USD für Campesinos: “Wir können kein Wohlfahrtsministerium sein“

  1. Landwirtschaftsminister Denis Lichi sieht das genau richtig. Endlich einen fähigen Mann auf diesem Posten: Unterstützung ja, hoffentlich auch Kontrolle. Auch wenn diese Landlosen Bauern lieber die Plata hätten. Vermutlich muss man die zuerst in eine Kurs schicken, in dem sie lernen einen Businessplan aufzustellen.

  2. Nun, das mag schon sein, daß von den zur Verfügung stehenden 1.200 Gewächshäusern nur 200 an tatsächliche Produzenten gingen, und die restlichen 1.000 zerstört wurden. Warum gingen denn die restlichen 1.000 Gewächshäuser nicht auch an Produzenten?? Waren die Bedingungen zum Erwerb dieser Gewächshäuser für die Campesinos überhaupt tragbar? Wenn nicht, dann mußten eben die übrigen 1.000 Gewächshäuser in irgend einem Großlager aufbewahrt werden, wo sie dann eben im Lauf der Jahre zerstört wurden. Wir wissen doch aus Erfahrung, wie staatliche Stellung mit der Hilfe für die Landwirtschaft umspringt. Ich kann mich z.B. erinnern an einen Kredit aus Deutschland, der den Campesino fast zinslos zur Verfügung gestellt werden sollte. Aber bevor das Geld überhaupt in Paraguay ankam, bot man bereits Campesinos die Kredite an, die mit ansehnlichen Zinsverpflichtungen verpflichtet waren, und schloß auch sogar einige dieser Kreditverträge ab. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) erfuhr von den Praktiken in Paraguay und weigerte sich daraufhin, die Kredite überhaupt zu gewähren. Vor gut 40 Jahren war es ebenfalls Deutschland, die etwas für die Campesinos Paraguayis tun wollten. Man schickte also einen großen Container voller Steckkartoffeln einer sehr guten Kartoffelsorte nach Paraguay mit der Anweisung, diese den Campesinos gratis anzubieten, wobei diese Steckkakrtoffeln je nach Größe der jeweiligen Anwesen verteilt werden sollten. Man veröffentlichte also unter den Campesinos diese Möglichkeit und die Interessen mögen beim LW-Ministerium vorsprechen, um ihren Antrag zu stellen. Wobei ihnen dann auch gleich ein ansehnlicher Preis für den Erwerb dieser Steckkartoffeln genannt wurde, ein Preis, den eben nicht jeder zu bezahlen bereit war. So gingen natürlich nur sehr schleppend die Anträge ein. Einstweilen bewahrte man die Kartoffeln, die bereits auszuwachsen drohten, in einer großen Kühlkammer des staatlichen Frigorifico Nacional auf. Und als es dann endlich so weit war, daß man den ersten Campesinos ihre bestellten und bezahlten Saatkartoffeln überreichen konnte, erwartete die Campesinos in dem Gang des FN, der zu der Kühlkammer führte, ein fürchterlicher Gestank. Bei Öffnung der Kühlkammer musste man feststellen, daß sich die Steckkartoffeln inzwischen verwandelt hatten in eine schwappende und stinkende Masse, die sogar noch das Mauerwerk der Kühlkammern derart vergiftet hatten, daß mehrere Kammern des Frig.Nacional abgebrochen werden mußten. So sahen in der Vergangenheit die Hilfen des Staates für die Campesinos aus, und daran dürfte sich nicht viel geändert haben. Was ist denn nun mit den 1.000 Gewächshäusern passiert? Wenn nur 200 tatsächlich an Produzenten ausgeliefert wurden, so wurden also 1.000 nicht ausgeliefert, Warum nicht? Wollte man damit auch „Geschäftchen“ machen, wie im obigen Beispiel der Steckkartoffeln? Man erwähnt im Artikel nur, daß die 1.000 Gewächshäuser zerstört wurden, und keine Verwendung fanden. Darf man auch weitere Einzelheiten darüber erfahren?? Daß in Paraguay nur der Bedarf an 200 Gewächshäusern bestehen soll, das glaubt niemand, auch nicht der Landwirtschaftsminister Lichi. Der Fall lässt stark ahnen, daß den Campesinos für sie unerfüllbare Bedingungen gestellt wurden. Und wenn 1.000 Gewächshäuser zerstört wurden, weil sie keine Verwendung fanden, hätte man nicht die Bedingungen zum Erwerb dieser Gewächshäuser für die Campesinos verbessern können, um die Entsorgung zu vermeiden??

    1. Man o man, was Sie schreiben glaube ich Ihnen sofort. Aus grati Kartoffelsetzlingen gespendet von DE wollten sie hier noch Geschäftchen machen bis die Setzlinge verfault waren. Unsagbar dumme und korrupte Politiker und Behörden hier, wenn es um eine ernste Sache geht, unsagbar klug, wenn es um die Erfindung von Tricks geht, um in den eigenen Sack zu wirtschaften. Vermutlich sind die 1.000 Gewächshäuser gar nicht defekt, sondern verkauft und heute noch im Einsatz. Ich sag’s ja immer, mit dem Können und Mentalität der Politiker und Behörden kann Paraguay keine Probleme lösen und kommt keinen Schritt vorwärts.

  3. Alles Augenwischerei. So richtig es ist, nicht einfach die Steuerzahlungen vieler an wenige Nichtarbeitende zu verteilen, (lassen wir mal die Politiker hier aussen vor, davon ein anderes Mal…..), sind die Hilfen des MAG für die agricultores ein Armuts- und Unfähigkeitszeugnis der bisherigen Landwirtschaftsminister und seinen Gefolgsleuten.

    Das Projekt der Gewächshäuser hatte mehrere Etappen. In Caaguazu sollten die Bauern Kredite bis zur Hälfte der Kosten aufnehmen, die andere Hälfte liefen als Geschenk des Staates. Nach Begutachtung der Qualtität dieser Gewächshäuser, weigerten sich die meisten agricultoren zu Recht, die Kreditverträge zu unterschreiben, mit der Begründung, die invernaderos würden die Laufzeit der Kredite nicht annähernd überleben. Wie recht sie doch hatten….

    Im nächsten Schritt wurden die Gewächshäuser über die Bauerngruppen verteilt, wer Mitglied in einer dieser Gruppen war, und die entsprechenden Kontakte hatte, bekam ein Gewächshaus. Ich kenne Maurer, welche in einer Gruppe eingeschrieben waren, und ein Gewächshaus bekamen und weiterverkauft haben, und wirkliche Bauern, welche aber keines erhalten hatten. Ein Nachbarssohn arbeitet beim Landwirtschaftsministerium, also hat sein Vater mittlerweile 3 oder 4 Gewächshäuser, allerdings in deutlich besserer Qualtität als der gemeine Bauer ohne connections.

    Wieso existieren nur noch 200 invernaderos? (Wenns überhaupt noch so viele sind…..). Wer etwas über den Verbleib wissen möchte, kann mich gerne besuchen. Hab hier in unmittelbarer Nachbarschaft fast in Sichtweite 5 Gewächshausruinen stehen, wenn ich den Umkreis größer ziehe, werdens deutlich mehr sein.
    Abgerechnet wurden die Gewächshäuser für ca. 30-50milliones GS, der Materialwert beträgt max. 5-10Mio für dünnste chapa und Folie, der Aufbau durch Leute welche davon nichts verstanden, ca. 2Mio, der Rest blieb im Landwirtschaftsministerium und bei den beteiligten Firmen hängen. Beim ersten Windstoß mit mehr als 10km/h sind die meisten Strukturen einfach eingeknickt, die meisten invernaderos sind innerhalb des ersten halben Jahres zusammengefallen, oder wurden nie fertiggestellt. Es gab Bauern, welche gezwungen wurden, ein Papier zu unterschreiben, das die invernaderos fertig seien, obwohl dies nicht der Fall war. Diese sind bis heute nicht fertiggestellt worden.

    Letztendlich sind die Schuldigen in allen Bereichen zu finden, das MAG mit seinen Ministern und MA ist koruppt und arbeitet in die eigene Tasche, unwillig und unfähig den gesamten Prozess technisch und kaufmännisch zu steuern und zu überwachen, die beteiligten Firmen halbieren die Qualität gegen Abgabe von Koima an die Beteiligten vom MAG, und die Bauern sind oft nur noch zu Almosenempfängern verkommen, welche alles umsonst haben wollen, invernadero, Sombra, Samen, Spritzmittel, Kalk, Holz usw., welche dann vom manchen zu 100% verkauft werden, und so das Überleben des nächsten halben Jahres sichern. Danach geht dann das Gejammer wieder los.

    Ein Teufelskreis, aus dem Paraguay nicht herauskommen wird, es sei denn, es ändert sich gravierend etwas in der Politik und in der Gesellschaft. Dieses ist nach meiner Meinung derzeit leider nicht in Sicht.

    Einen schönen Sonntag noch in die Runde in Deutschland und Paraguay.

  4. Werde mich auch bewerben, habe ein Projekt: 100 Kinder in 100 Tagen an 100 verschiedenen Orten zeugen. Ich bin aber kein Zeuge Jehovas, davon kann ich Zeugnis ablegen, notfalls auch im Zeughaus.

  5. Super, wieder einmal erhalten die Nichtsnutze Unterstützung. In 2 Monaten spätestens in einem Jahr, sind die gleichen da. Das ist wie mit den “ Hochwasseropfern“ jedes Jahr aufs neue.

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