Dende prognostiziert 4 % Wachstum für 2026, jedoch bei höherer Inflation

Asunción: Die Zivilgesellschaftliche Vereinigung „Desarrollo en Democracia“ (Dende) stellte der Öffentlichkeit ihren wirtschaftlichen Ausblick für den Jahresabschluss vor. Unter dem Titel „Die Welt im Krieg, das Land in Turbulenzen“ warnt Dende vor der Konsolidierung einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung. Diese sei geprägt von höherer Volatilität und häufigeren Schocks – eine Phase, die als „strukturelle Ungewissheit“ definiert wird.

An der Präsentation nahmen die Experten Alberto Acosta Garbarino, César Barreto Otazú, Humberto Colmán und José Tomás Sánchez teil.

Globale Risiken und Ölpreis

Diesem Szenario zufolge steigen die Risiken einer Stagflation und einer möglichen Nahrungsmittelkrise. Es wird prognostiziert, dass der Ölpreis für den Rest des Jahres 2026 bei etwa 86 USD pro Barrel verharren wird.

Der Bericht zeigt auf, dass dieser Schock (insbesondere durch die Ölverteuerung) die Wirtschaft über mehrere Kanäle beeinflusst:

  • Kraftstoffkanal: Steigende Benzin- und Dieselpreise führen zu höheren Transportkosten und wirken sich direkt auf die Lebensmittelpreise aus.

  • Düngemittelkanal: Höhere Kosten in der landwirtschaftlichen Produktion erhöhen den Druck auf die Lebensmittelpreise zusätzlich.

  • Währungskanal: Kapitalabfluss und eine Aufwertung des US-Dollars führen zur Abwertung von Währungen in Schwellenländern.

  • Finanzkanal: Dies resultiert in höherer Inflation, anhaltend hohen Zinssätzen und einem Rückgang von Investitionen.

Dende stellt zudem fest, dass die Flucht in sichere Häfen (Flight to Quality) weniger intensiv ausfällt als bei früheren Ereignissen. Dies steht im Gegensatz zu den Erwartungen vor dem Ölpreisschock, als man noch von sinkender Inflation, Zinssenkungen und einer sanften Landung (Soft Landing) der Weltwirtschaft ausging.


Lokale Situation in Paraguay

Im lokalen Bereich zeigt Paraguay gemischte Signale:

  • Kapitalzufluss: Dank des Erreichens des Investment Grade und einer zyklischen Erholung fließen Auslandskapitalien zu besseren Bedingungen ins Land.

  • Ungleichgewichte: Das Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdefizit bleibt bestehen.

  • Finanzsektor: Dieser zeigt sich dynamisch. Das Kreditwachstum wird vom Konsumbereich angeführt (ein Plus von 23 % im Vorjahresvergleich bis März). Die Liquidität im System erholt sich langsam wieder.

Inflation und Wechselkurs

Die Zinsen bleiben hoch, und die Kluft zwischen Zinssätzen in Guaraní und Dollar hat sich vergrößert.

  • Inflationsprognose: Aufgrund des Öl- und Lebensmittelpreisschocks wird die Inflation zum Jahresende auf 4,3 %geschätzt. Dies liegt über dem Zielwert der Zentralbank von 3,5 % (± 2). Bei Lebensmitteln könnte die Teuerungsrate sogar über 6 % steigen.

  • Wechselkurs: Der Guaraní zeigt eine starke Aufwertung, getrieben durch saisonale Exporte, Kapitalzuflüsse und Interventionen der Zentralbank (BCP). Dende schätzt den Dollarkurs in einer Spanne zwischen 6.300 G. und 6.494 G.

Wirtschaftsaktivität und Arbeitsmarkt

Die Wirtschaft verlangsamt sich in Richtung ihres Potenzialwachstums von etwa 4 %. Das Jahr 2026 soll dennoch mit einer „normalen“ Expansion abschließen, getragen von einer guten Leistung des Agrarsektors. Trotz Lohnsteigerungen im Privatsektor liegen die Einkommen aufgrund der hohen Informalität und der Folgen der Pandemie noch immer unter dem früheren Niveau.


Fiskalpolitik: Defizit von 2 % erwartet

Im fiskalischen Bereich warnt der Bericht vor sinkenden Einnahmen durch die Konjunkturabkühlung und geringere Überweisungen der binationalen Wasserkraftwerke (Itaipú/Yacyretá).

  • Strukturelles Defizit: Es wird bei etwa 2,0 % des BIP liegen.

  • Starre Ausgaben: Unter der aktuellen Regierung sind die Ausgaben für Gehälter, Renten und Zinsen um schätzungsweise 700 Millionen USD gestiegen. Dies deutet auf einen größeren Staatsapparat hin, der künftig höhere Steuereinnahmen zur Finanzierung benötigen wird.


Wichtige Kennzahlen auf einen Blick:

  • 23 %: Wachstum der Konsumkredite im Vorjahresvergleich.

  • 6.494 Guaraní: Durchschnittlicher Dollarkurs (mit Potenzial auf 6.300 G. zu sinken).

  • Wochenblatt / Última Hora
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