Asunción: Paraguays Präsident Santiago Peña hat mit seiner Unterschrift ein neues Gesetz in Kraft gesetzt, das die seit 2005 geltende Mindestprovision von 6 Prozent auf den Verkauf von Flugtickets offiziell abschafft.
Die Regierung erhofft sich von dieser Maßnahme eine deutliche Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des paraguayischen Luftfahrtsektors und spürbar sinkende Ticketpreise für die Bürger des Landes.
Der Gesetzesentwurf war ursprünglich von der Exekutive selbst auf den Weg gebracht und Ende April nach der Zustimmung in beiden Parlamentskammern vom Nationalkongress verabschiedet worden.
„Ich habe das Gesetz unterzeichnet, das die 6-prozentige Abgabe abschafft, die Fluggesellschaften in Paraguay bisher auf jedes Ticket zahlen mussten. Diese Maßnahme senkt die Betriebskosten der Airlines und führt letztlich zu günstigeren Flugpreisen für unsere Mitbürger“, erklärte Präsident Peña nach der Unterzeichnung.
Eine Modernisierung für das digitale Zeitalter
Konkret hebt das neue Gesetz den Absatz f des Artikels 33 des Tourismusgesetzes (Nr. 2828) auf. Dieser hatte Reisebüros und anderen Vermittlern der Tourismusbranche rechtlich einen garantierten Anteil von mindestens 6 Prozent des Ticketpreises zugesichert. Mit dem Wegfall dieses Abschnitts sind die Fluggesellschaften ab sofort komplett von der Pflichtzahlung befreit. Dies bedeutet eine tiefgreifende strukturelle Veränderung für den gesamten Ticketmarkt des Landes.
Befürworter der Reform, darunter der Senator Juan Carlos “Nano“ Galaverna (ANR, Honor Colorado), betonten während der Kongressdebatte, dass die alte Regelung die internationale Wettbewerbsfähigkeit Paraguays massiv geschmälert habe. Im Zeitalter der Digitalisierung, in dem Passagiere ihre Flüge meist direkt über Online-Plattformen der Fluggesellschaften buchen, sei die traditionelle Rolle von Vermittlern stark geschrumpft und eine gesetzliche Pflichtprovision schlicht nicht mehr zeitgemäß.
Gemischte Reaktionen und Hoffnung auf Rückkehr großer Airlines
Die Gesetzesänderung stieß im Parlament jedoch nicht nur auf Gegenliebe. Während die einen das Ende eines veralteten Systems feierten, hinterfragten Kritiker die historischen Ursprünge der Neuregelung und äußerten Sorgen um die heimische Reisebüro-Branche, die jahrelang von diesen garantierten Einnahmen profitiert hatte.
In der Debatte wurde jedoch immer wieder ein schwerwiegendes Argument ins Feld geführt: Große internationale Fluggesellschaften – wie beispielsweise American Airlines – hatten in der Vergangenheit ihre Aktivitäten in Paraguay reduziert oder komplett eingestellt, da sie den dortigen Kostenrahmen aufgrund der starren Regulierung als absolut wettbewerbsunfähig einstuften. Die Regierung hofft nun, das Land durch die Marktöffnung wieder attraktiver für globale Airlines zu machen und die internationale Anbindung zu stärken.
Kommen die Rabatte wirklich beim Passagier an?
Das Hauptargument der Exekutive für den Vorstoß bleibt die Senkung der Betriebskosten für die Fluggesellschaften, was theoretisch eins zu eins in Form von günstigeren Tarifen an die paraguayischen Passagiere weitergegeben werden könnte.
Ob die Ticketpreise nun aber tatsächlich flächendeckend sinken, bleibt abzuwarten. Wirtschaftsanalysten betonen, dass die endgültige Preisgestaltung vom künftigen Marktverhalten, dem realen Wettbewerb zwischen den Fluggesellschaften und den individuellen Tarifstrukturen der einzelnen Anbieter abhängen wird.
Wochenblatt / ABC Color / Beitragsbild Archiv















