Kolonie Independencia: Ein deutsches Ehepaar fordert die Rückzahlung von über 300.000 Euro, die in vermeintlich “ökologische“ Projekte in Paraguay investiert wurden. Der Fall entfacht erneut die Diskussion über Betrugsmaschen an Europäern. Diese locken oft mit hohen Renditen, Steuervorteilen und dem Versprechen eines Ruhestands im Einklang mit der Natur.
Rowena und Rainer Jentgens, wohnhaft in Deutschland, investierten insgesamt 460.000 Euro über die Firma Nature Invest in die Aktiengesellschaft Madre Tierra S.A. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Melgarejo, im Bezirk von Independencia, Department Guairá. Laut Gerichtsakten wird die Firma von dem deutschen Ehepaar Benedikt Michale (Geschäftsführer) und Iwona Schellenbacher (Co-Geschäftsführerin) geleitet.
Aus den der Klageschrift beigefügten Unterlagen geht hervor, dass rund 60.000 Euro für den Kauf von Grundstücken in einer geplanten Gated Community (geschlossenes Wohnviertel) in der Ortschaft Itatí (Bezirk Mbocayaty del Guairá) bestimmt waren. Das restliche Geld wurde unter dem Versprechen jährlicher Renditen zwischen 8 % und 12 % angelegt. Diese Mittel sollten in die Infrastruktur des Wohnviertels, den Waldschutz und in den ökologischen Anbau fließen.
Das Angebot richtete sich gezielt an europäische Investoren, die an nachhaltigen Projekten interessiert sind. Es kombinierte den Immobilienerwerb mit der Aussicht auf regelmäßige Erträge aus landwirtschaftlichen Aktivitäten und Umweltprojekten.
Bisher konnte das Ehepaar Jentgens jedoch lediglich 100.000 Euro zurückerhalten – die zugesagten Zinsen wurden dabei nicht vollständig ausgezahlt. Nach mehr als einem Jahr voller Verzögerungen und wiederholter Mahnungen haben die Jentgens nun eine Zivilklage vor dem Gericht in Villarrica eingereicht. Sie fordern die ausstehenden 300.000 Euro sowie die entsprechenden Zinsen zurück.
Der in die Klage eingeflossene E-Mail-Verkehr zeigt, dass der Geschäftsführer Benedikt Michale vehement versuchte, eine öffentliche Verbreitung des Konflikts zu verhindern. In den Nachrichten äußerte er wiederholt die Sorge vor den negativen Auswirkungen, die ein öffentlicher Skandal auf das Vertrauen anderer Investoren haben könnte.
Wochenblatt / Gastón Ortiz / Foro Guairá















