Biologische Premiere im Chaco-Einzugsgebiet: Forscher beschreiben erstmals seit 100 Jahren neue Wildkatze

Asunción / La Paz: Ein internationales Wissenschaftlerteam hat in den Yungas-Nebelwäldern Boliviens eine neue Wildkatzenart wissenschaftlich beschrieben: Die Tilcayo-Katze (Leopardus tilcayo).

Die Entdeckung markiert die erste wissenschaftliche Erstbeschreibung einer Wildkatze seit über einem Jahrhundert. Für die Fauna des südamerikanischen Chaco und der angrenzenden Ökosysteme in Paraguay ist der Fund von hoher Relevanz, da Fachleute davon ausgehen, dass das Verbreitungsgebiet der Kleinkatze bis an die paraguayischen Grenzen sowie ins nördliche Argentinien reicht.

Genetisches Rätsel der südamerikanischen Tigerkatzen gelöst

Die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie beruht auf moderner Genomsequenzierung und der Analyse historischer Museumsexemplare. Unter der Leitung von Forschern wie Paola Nogales Ascarrunz und Eduardo Eizirik ergab die Untersuchung, dass die bisher als eine einzige Art geführten südamerikanischen Tigerkatzen in Wahrheit mindestens fünf eigenständige Arten umfassen – darunter L. guttulus, L. emiliae, L. pardinoides, L. tigrinus und nun L. tilcayo.

-Physische Merkmale: Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 46 Zentimetern und einem Gewicht von lediglich 1,3 bis 1,4 Kilogramm ist die Tilcayo-Katze kleiner als eine gewöhnliche Hauskatze. Charakteristisch sind große Flecken, mattes Fell, abgerundete Ohren und ein schlanker Körperbau.

-Einziges Exemplar in Auffangstation: Ein rund zehn Jahre altes Männchen lebt derzeit im Schutzzentrum Senda Verde in Bolivien. Das Tier war 2017 als angebliches Kätzchen von einer Familie aufgenommen worden, entwickelte jedoch rasch Raubtierverhalten und jagte Geflügel.

-Benennung: Der Name “tilcayo“ entstammt der Sprache lokaler indigener Gemeinschaften der Region.

Bedeutung für Paraguay und den Artenschutz im Gran Chaco

Da Wildtiere nicht an Staatsgrenzen halten, richten Biologen ihren Blick nun auch auf die Grenzregionen im paraguayischen Chaco sowie die Provinz Jujuy in Argentinien. In den Übergangszonen der Nebelwälder zu den trockeneren Chaco-Matorral-Ökosystemen werden derzeit Kamerafallen installiert, um das tatsächliche Verbreitungsgebiet der Art zu kartieren.

Der Nachweis der neuen Art unterstreicht die Dringlichkeit grenzüberschreitender Schutzmaßnahmen. Wie in den bolivianischen Yungas steht auch die Natur im Westen Paraguays unter Druck durch Waldrodungen, Brandrodung und Konflikte zwischen Nutztierhaltern und kleinen Raubtieren. Eine Bestätigung des Vorkommens in Paraguay würde den regionalen Biodiversitätsschutz vor neue Aufgaben stellen, um das Überleben der seltenen Kleinkatze langfristig zu sichern.

Wochenblatt / Extra

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