Chaco: Fehlende staatliche Präsenz kostet Menschenleben

General Bruguez: Ein 5-jähriger Junge lebte mit seiner Familie 75 km landeinwärts von km 160 der Transchaco. Als er eine Lungenentzündung erlitt, sorgten private Mautstationen für einen langen Weg der tödlich war.

Dank einer Gruppe von Estancia Besitzern die Zugang zur Ruta Ñ habe gibt es eine Wegkommission, die Maut zum Erhalt der Straße kassiert. Allerdings ist hier nicht die Rede von 5.000 oder 50.000 Guaranies sondern von 500.000 Guaranies. Da es insgesamt drei Tore gibt muss man um zum Wohnhaus der betroffenen Familie zu kommen 1,5 Millionen Guaranies löhnen.

Milciades Garcete Solano (4) erkrankte an einer Lungenentzündung. Sein Vater schaffte es einen Traktoristen zu überreden ihn an die Transchaco zu fahren. Die Kommission erlaubte jedoch nicht, dass der Traktor den unter Wasser stehenden Weg nutzt und noch schlechter macht. Am vergangenen Donnerstag schaffte man es einen Helikopter zu dem Haus zu entsenden. Zwei Stunden nachdem der Junge im Krankenhaus in Villa Hayes ankam verstarb er jedoch. Doch damit nicht genug.

Als der Vater den Sarg mit seinem Jungen mit einem Pferdekarren zu seinem Haus bringen wollte, fragten ihn die Kommissionsmitglieder, warum er das mache. Da der Junge ja schon tot sei, könne er ihn auch gleich vor Ort begraben. Der Umweg um doch noch nach Hause zu kommen kostete 24 Stunden. Jetzt jedoch konnte der kleine Milciades zu Hause begraben werden.

Würde der Staat den Estancieros nicht soviel Autonomie verschaffen und des Öfteren mal präsent sein, wo es notwendig ist, hätte diese Situation erfreulich enden können.

Wochenblatt / Chaco al Día

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9 Kommentare zu “Chaco: Fehlende staatliche Präsenz kostet Menschenleben

  1. COBOL - PHP für Großrechner

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    Am vergangenen Donnerstag schaffte man es einen Helikopter zu dem Haus zu entsenden. Da hätte man einfach einen Arzt in den Heli setzen können, der dem Jungen ein paar Tabletten da gelassen hätte. Die nennt man glaubs Antibiotika und sollten glaubs gegen Lungenentzündung helfen.
    Aber in diesem Land stirbt man schon an einem Bienenstich, weil der einzige Arzt weit und breit in den Ferien ist, wie muss es wohl bei einer Lungenentzündung ausgehen, jedenfalls die Directores des nationalen Gesundheitsministeriums werden wohl nicht wissen was sie tun. Woher auch.

  2. Kuno Gansz von Otzberg

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    Endlich hat das WB auch mal den Schwarzen Peter enkannt der durch diese privaten Mautgebuehren entsteht. Wegelagerer und Raubritter wie im Mittelalter a la Goetz von Berlichingen.
    Die privaten Raubritterzoelle agieren wie hochaufgeschuettete Wege die Daemme darstellen fuer den ganzen Chaco und Siedlungen und Hoefe sintflutartig unter Wasser laufen lassen – und da man bequemerweise nirgends Bruecken verlegt hat, so saufen die Siedlungen und Wirtschaften einfach ab und versalzen langsam.
    Innerhalb jedes Wegezolls muss man daher einen Lebensmittelladen und Krankenhaus gebaut haben damit auch die Armen sich versorgen koennen.
    Wie will ein Armer denn auch nur 15 Tausend Gs jeden Tag zahlen wenn er sich eine Tuete Mehl besorgen muss die er gestern vergessen hat einzukaufen? Das kann sich nicht mal ein Mennonit leisten denn auf die Dauer stellt der private Wegezoll den Ruin fuer die Bevoelkerung dar.
    Wieviel wollte man dem armen Karrenbesitzer denn abschroepfen? Selbst wenn es „nur“ 5 Tausend Gs pro Wegezollstation sein sollten so summiert sich das auf 30 Tausend Gs fuer Hin- und Rueckweg. Das ist nie zu stemmen fuer einen Armen. Wenn er auch nur 10 mal im Monat da durch muss so summiert sich das auf horrende 300 Tausend Guaranies. Davon kann eine Person pro Monat ihre ganzen Lebensmittel bestreiten. Ich waere nicht bereit das zu zahlen.
    Uebrigens: die Ruta Enhe, darumherum siedeln fast nur mennonitische Grossviehzuechter. So viel ich weiss ist es eine Mautstation der Kooperative Chortitzer im Suedmenno/Neuland Bereich. Oder diese gehoert der Kooperative Neuland da die neulaendischen Viehzuechter in Mengen in der Zone praesent sind.
    Dieser Tote geht fast sicher zu Lasten der Mennoniten.
    Im Departement Prte Hayes hat man meines Wissens alle privaten Kooperativswegezoelle dichtgemacht da der damalige Gouverneur das verbot. Dafuer florieren in der Zone um so mehr die Wegezoelle der privaten Grossgrundbesitzer – meist Paraguayer oder Mennoniten die sich abgestimmt haben.
    Man will also mittelalterliche Zustaende wieder einfuehren die ein Otto von Bismarck froh war endlich abzuschaffen. In etwa dasselbe wie wenn die Englaender wieder Zollstationen aufbauen mitten in Irland wegen dem EU Austritt. Dort schiesst die IRA sofort zurueck und hier in Paraguay verreckt man friedlich daran anstatt die Raubritter-Tunichtgute zu entfuehren und Milliarden Loesegeld zu fordern als Wiedergutmachung.

    1. Verstehe ich nicht ganz. In einem normalen Rechtsstaat mit normal denkenden Menschen müßte doch völlig klar sein, daß es überall öffentliche Wege oder zumindest grundbuchlich gesicherte Wegerechte gibt, für alle Grundstücksbesitzer in den hinteren Reihen. Und natürlich müßten sich dann auch wirklich alle Nutzer dieser Wege an notwendigen Erhaltungsmaßnahmen beteiligen. Was sind das nur für mittelalterliche Zustände hier?

  3. Ist heute normal, dass der Staat bei den Großunternehmern angestellt ist. Man kann sich ja vorstellen wer in dieser Wegkommission sitzen wird…
    Andererseits wäre der Junge meiner Meinung nach aufgrund generell fehlender Organisation auch ohne diesen künstlichen Hindernissen verstorben. Diese Prviattechteleien setzt ja nur der Lächerlichkeit die Krone auf, aber nur mit einem Hubschrauber wäre das gelöst gewesen. Und wer würde denn die Steuern dafür zahlen und sich dafür hergeben? Allgemeinheit ist hier nun mal ein Fremdwort und dieses zeiht sich durch die ganze Bevölkerung. Bei den Reichen hier sieht man es, weil sie die Mentalität voll ausleben können, die anderen nur ganz wenig. Das ist alles.

  4. Kuno Gansz von Otzberg

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    Addendum: als die Kooperative Chortitzer im Bereich Suedmenno ihre Wegelagererzoelle aufbaute, so waren die Buerger in dem Bereich dagegen. Die Mennoniten selber waren dagegen. Nur die Viehzuechter und Reichen sassen natuerlich in der Verwaltung der Kooperative und unisono wurde, bestimmt und schon gemacht (das nennt man hier einen richtigen „Macher“). Dann stellte der Gouverneur sich quer woraufhin die Kolonien einen Soft Coupe d’Etat planten (Sturz des Gouverneurs) der aber fehlschlug. Es gibt zu viele Pendler (Indianer und Lateiner) die staendig hin und her fahren sei es zur Arbeit oder sonstwas. Heutzutage stuerzt man ja die Regierung nicht durch Gewalt oder Proteste sondern durch das Umleiten der Gelder an andere Parteien und Bewegungen und wenn der Pfaffe in der Kirch den Leuten dann noch sagt wen sie zu waehlen haben, dann ist die Sache meist gelaufen (siehe Horacio Cartes und Abdo).
    Nur die Regierung ist bemaechtigt Wegezoll zu verlangen, d.i. nur MOPC-Wiens kann eine Wegezollstation aufbauen. Sonst keiner nach dem Gesetz. Die Regierung tendiert eher Barmherzigkeit walten zu lassen gegenueber Arme und Ochsenkarren, als der Privatsektor. Daher ist die Staerkung des Oeffentlichen Sektors der bessere Weg zu beschreiten.
    Siehe auch Privatisierung der Stromenergie in Deutschland. Ab dann sind die Strompreise ins unermessliche gestiegen so dass heute sogar Arme in Deutschland in ihren Stuben erfrieren weil der Privatsektor ihnen den Strom fuer Heizung abdreht. Immer mehr Hartz 4 Nehmer koennen keinen Strom mehr bezahlen eben wegen der Privatisierung des Stromnetzes da der Privatsektor sofort die Preise ums Dreifache in etwa erhoeht hat. Schuld daran ist auch zum Teil das Umsteigen auf die Gruene Energie die von den anderen Energiezulieferern mitgetragen werden muss.
    Also damals waren die Mennoniten gegen die Mautzoelle und die Bonzen der Mennoniten und lateiner Politiker die ihren Viehbetrieb im Chaco haben waren dafuer.

  5. Kuno Gansz von Otzberg

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    @Simplicus
    Als ich in Paraguay ein Landstueck besass so verlief eine der offiziellen Rutas (Autobahn) auf meinem Grundstueck. Also grosse Landkomplexe wurden mit der Zeit stueckchenweise weiterverkauft – oft durch einen Beguenstigten Chacokriegsgewinnler. Diese kauften 1933 paraguayische Schatzbriefe damit der Staat sich so den Krieg finanzieren konnte. Nach dem gewonnenen Chacokrieg bekamen die Schatzbriefinhaber dann Tausende Hektar Land im Chaco als Dankeschoen der Kriegsunterstuetzung. Diese Kriegsgewinnler verarmten oft im Laufe der Zeit und so wurde dann stueckchenweise der Grossgrundbesitz veraeussert. Oft waren diese Grossgrundbesitzer Auslaender wie Spanier, usw.
    So, mit der Zeit entstanden dann Autobahnen (Rutas) die eben am Rande oder mitten durch diesen Grossgrundbesitz liefen so dass diese Rutas sich bis zum heutigen Tag auf privatem Landbesitz befinden (kann sein dass die Regierung mal Abfindungen unter der Hand gegeben hat, aber wer hat das Aufgeschrieben oder die Titel umregistriert? Niemand.
    Also tatsaechlich koennte sich nach mittelalterlichem Recht, jeder Grossgrundbesitzer an den Wegesrand stellen und dort mit vorgehaltenem Spiess Wegezoll verlangen, denn nach dem Grundbuch verlaufen die meisten Rutas noch immer auf privatem Grundbesitz.
    Beim heutigen privaten Wegezoll, geht es mehr darum den Unterhalt der Rutas zu finanzieren denn die Armen weigern sich da mitzuhelfen, wollen aber die Wege auch brauchen.
    Klar verfaehrt so ein Ochsenkarren die Wege nicht ein hundertstel so sehr wie ein einziger Pick-Up, aber da viel Geld mit dem Vieh dank der ueberhoehten Preise zu verdienen ist, so fasst der Grossgrundbesitzer sich ein Herz, macht die Wege selber und versucht die Kosten dann den Passanten aufzuhalsen.
    Frueher waren die Chacoviehzuchtbetriebe und Laendereien eher eine Art Kapitalanlage die wenig bis kein Geld generierte und so war es nicht systemkritisch dass die Wege in ordnung gehalten wurden. Man trieb das Vieh per Pferd nach Asuncion zum Verkauf (oft ein Trek von tausende Kopf Vieh) und die Viehcher brauchten keine Wege dazu sondern man lief halt wo es am naehsten war. Zaeune waren damals eine Seltenheit so dass man problemlos freies Transitrecht hatte. Jahrhunderte alte Baeume waren damals oft die Landmarkierungen, Baeume die noch der Grossvater kannte. Dann kamen die Bulldozer und die „Entwicklung“ und die Markierungen verschwanden allmaehlich.

  6. Kuno Gansz von Otzberg

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    @Paul
    Wovon diese vermeintliche Liste ist, wird da nicht ersichtlich. Es koennte irgendwas sein. Vielleicht die Liste der chiqueria der corre caminata, des Fussballvereins von Filadelfia, oder andere Komissionen.
    In der Zone „Ruta Enhe“ haben viele Viehzuechter aus Menno, Neuland und Filadelfia ihre Viehzuchtbetriebe.
    Es ist nicht unueblich dass man diese Wegelagererkomissionen von Lateinern ihres vertrauens (auch bekannt als „Strohmaenner“) besetzt um die politische Verantwortung abzuwaelzen auf den „boesen paraguayer“.
    Zumindest sind die Nutzniesser dieser privaten Zollstationen vor allem die Mennoniten. Solange die paraguayer nur im Sinne von „das Kapital“ handeln „isch ja alles gut“.
    Es gibt mittlerweile dutzende Wegekomissionen der privaten Strauchritterwegezollstationen.
    Klar sind die Armen auch keine Heiligen und weigern sich beim Unterhalt der Gassen das Ihrige beizutragen, aber der Blut- Geldzoll den die Bevoelkerung, inklusive Mennoniten, dadurch zahlen wird immer unertraeglicher werden.
    Das Beste ist wenn die Regierung mittels des MOPC da ofiziell die Dinge in die Hand nimmt und ihrerseits Mautstationen aufstellt. Dann zahle ich etwas weniger ungerne. Man sollte nicht glauben dass der Privatsektor „den besseren Staat“ darstellen wuerde da die ineffizienz der Oeffentlichen Sektors nicht wegen dem Sektor zustande kommt sondern wegen den korrupten Privateers die sich im Oeffentlichen Sektor wie Zecken festsetzen. Wuerde man das Privateigentum eliminieren – kein Privatsektor – wuerde das Problem damit behoben sein? Nein, denn der Mensch an fuer sich ist das Problem. Die Qalitaet des „gewachsenen Christentums ueber Jahrhunderte“ macht den Unterschied aus da dieses die Mentalitaet und soziales Engagement der Menschen ueber Generationen gepraegt hat. Z.B. Otto von Bismarck fuehrte den Sozialstaat 1870 ein, aus der Bibel heraus – ein Ding bis zu dem die Mennoniten bis heute nicht gekommen sind. Wer also hat lanegere Zeit „gelebtes Christentum“?
    Andererseits muss an der Ruta Enhe eine lebhafte Grundstuecksspekulations im Gange sein wo viele Viehbetriebe Auslaendern gehoeren duerften (Grundstuecksspekulation als Kapitalanlage fuer Europaeer und Amerikaner wie Asiaten). https://www.infocasas.com.py/venta/chacras-o-campos/presidente-hayes. Die in der Liste aufgefuehrten Lateiner scheinen die sogenannten „Mayordomos“ zu sein, die Verwalter der Betriebe. Die Eigentuemer duerften irgendwo im Ausland Champagna trinken.

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