Asunción: Der Ökonom César Barreto kritisierte die von Präsident Santiago Peña verfügte Anhebung des Mindestlohns, bei der das geltende Gesetz außer Acht gelassen wurde. Er erklärte, diese Maßnahme würde die Kosten für formell tätige Unternehmen erhöhen. Zudem warnte er davor, dass sie informelle Beschäftigung fördern und die Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Wirtschaftssektoren beeinträchtigen könnte.
Der Ökonom César Barreto wies darauf hin, dass nur formelle Unternehmen die tatsächlichen Auswirkungen der Mindestlohnerhöhung zu spüren bekommen werden.
Der ehemalige Finanzminister kritisierte die Entscheidung von Präsident Santiago Peña, den Mindestlohn stärker anzuheben, als es die geltende technische Berechnungsvorschrift vorsieht. Seiner Ansicht nach ist dies ein Fehler: Die Maßnahme verteuere die Kosten von Unternehmen, die formell tätig sind, und könnte dazu führen, dass informelle Beschäftigung in Paraguay weiter zunimmt.
„Für mich ist das ein Fehler“, so Barreto. Er betonte jedoch, dass seine größte Sorge nicht nur der prozentuale Anstieg sei, sondern der politische Präzedenzfall, der durch diese Entscheidung geschaffen werde.
„Das Problem liegt darin, dass ein so zentrales Regelungsgebiet willkürlich gesteuert werden soll. Willkür erzeugt Unsicherheit – und Unsicherheit ist äußerst schädlich“, erklärte er.
Seine Äußerungen schließen sich an die Kritik von Wirtschaftsverbänden an, unter anderem dem Verband der Händler und Importeure Paraguays (Asimcopar). Dieser bemängelte, dass es keine nachvollziehbaren fachlichen Kriterien für die Festlegung der Erhöhung gebe, und wies auf mögliche negative Folgen für Investitionen und Beschäftigung hin.
„Es untergräbt die Formalisierung der Wirtschaft“
Barreto erläuterte, dass die Anpassung vor allem Unternehmen treffe, die alle gesetzlichen Vorschriften einhalten. Informell tätige Betriebe hingegen müssten keine gleichen Zusatzkosten tragen.
Besonders problematisch sei die Lage für kleine und mittlere Unternehmen: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, könnten diese dazu übergehen, weniger Mitarbeiter offiziell anzumelden oder Teile ihrer Tätigkeit in den informellen Bereich zu verlagern. „Das untergräbt die Formalisierung der Wirtschaft – absolut“, stellte er klar.
Der Ökonom wies darauf hin, dass bereits mehr als 60 Prozent der Arbeitsplätze in Paraguay im informellen Sektor angesiedelt sind. Das Land sollte daher Maßnahmen ergreifen, um diesen Anteil zu senken – statt Regelungen einzuführen, die das Problem weiter verschärfen könnten.
Kritik an politischer Entscheidung Peñas
Aus Sicht Barretos war die Entscheidung, den Lohn stärker als den vom Nationalen Rat für Mindestlöhne (Conasam) nach geltendem Recht empfohlenen Wert anzuheben, vor allem politisch motiviert.
„Es war eine politische Entscheidung, keine fachlich begründete“, sagte er. Die Regierung habe sich über geltende Regeln hinweggesetzt, um auf eine bestimmte politische Situation zu reagieren – doch die Auswirkungen dieser Entscheidung würden weit über die aktuelle Amtszeit hinaus zu spüren sein.
„Man hat die geltenden Vorschriften außer Acht gelassen und eine Ausnahmeregelung getroffen, die aus politischer Sicht vermutlich notwendig erschien. Doch die Folgen wirken weit über diese Regierung hinaus“, so Barreto.
Geringere Wettbewerbsfähigkeit im Export
Barreto warnte zudem vor Auswirkungen der Lohnanhebung auf die Wettbewerbsfähigkeit paraguayischer Unternehmen – insbesondere in einem Umfeld, in dem die Wechselkursentwicklung die Exportbranchen bereits belastet.
Viele Unternehmen, die auf internationalen Märkten konkurrieren, seien zwangsläufig formell tätig und müssten daher die gesamten gestiegenen Arbeitskosten selbst tragen.
„Wir haben bereits einen relativ niedrigen Wechselkurs, der die Erträge schmälert – und jetzt steigen auch noch die Kosten. Wir werden in den kommenden Monaten sehen, welche Auswirkungen das auf die Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaftstätigkeit hat“, erklärte er.
„Wirtschaftliche Verbesserungen gibt es nicht per Dekret“
In einem Interview mit dem Radiosender ABC Cardinal relativierte Barreto zudem die Auswirkungen einer Mindestlohnerhöhung auf den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung – der Anstieg betrage lediglich 117.077 Guaranies.
Langfristig hängen Einkommen und Wohlstand vor allem von Produktivität, Bildung und beruflicher Qualifizierung ab – nicht von verwaltungsrechtlichen Eingriffen. „Die Wirtschaft funktioniert nicht nach guten Absichten, Dekreten oder Gesetzen. Was den Wohlstand der Menschen bestimmt, ist die Produktivität“, betonte er.
Paraguay müsse daher strukturelle Reformen umsetzen, um die Bildungsqualität und die berufliche Ausbildung zu verbessern. Nur so könnten dauerhafte Einkommenssteigerungen und eine höhere Lebensqualität erreicht werden.
Wochenblatt / Abc Color














