Das Sparen bereitet den Paraguayern Probleme

Asunción: Es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis sich die Paraguayer an das Sparen gewöhnen. Geld ausgeben oder Kredite aufnehmen sind eher die Regel.

Die Behörde Nationale Finanzielle Eingliederungsstrategie (ENIF) hat Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht. Laut einer Umfrage im Land würden 28% der Befragten das Sparen regelmäßig vornehmen, 72% jedoch denken nicht einmal daran oder es mangelt an den finanziellen Fähigkeiten dazu.

„Generell könne wir sagen, dass es in Paraguay keine Sparkultur gibt aber es kommt langsam Bewegung in den Sektor“, sagte Adriana Insaurralde, Leiterin von ENIF.

805 der Menschen mit niedrigen sozioökonomischen Status legen kein Geld auf die Seite. Das ist in der mittleren Schicht ebenso. Nur Personen mit höherem Einkommen sparen. 49% beträgt hier der geschätzte Anteil.

„2014 hatten wir 1.240 Sparkonten im Land, im Juni 2017 waren es 18.900. Es gibt eine deutliche Steigerung. Jedoch werden diese nicht alle für Einsparungen genutzt“, erklärte Insaurralde.

Vor allem über das soziale Programm Tekoporã wurden 2013 alle Fördergelder bar ausbezahlt. „Heute erfolgen diese über Konten. Allein nur zu diesem Zweck wurden 600.000 neu eröffnet. Die meisten sind aber nicht mehr aktiv. Sie dienten nur dem Zweck der Überweisung von den Zuschüssen. Gespart wird kaum etwas“, sagte Insaurralde.

In den Städten legen rund 30% der Einwohner Geld an, auf dem Land sind es 26%.

„Unglaublich, die Leute die am meisten sparen, sind diejenigen, die in extremer Armut leben. Sie geben kein Geld aus weil sie keinen Kredit bekommen“, erklärte Insaurralde.

Eine Kampagne von ENIF soll nun mehr Leute aufklären. „Drei Schritte sind notwendig. Man muss die Ausgaben ermitteln, sie reduzieren oder eliminieren und dann entscheiden wie viel man sparen will. Gleichzeitig muss ein neues Haushaltsbudget erstellt werden“, sagte die Leiterin von ENIF.

Des Weiteren ermittelte die Studie, dass nur drei von 10 Personen, die Geld anlegen, sich ein Ziel für dessen Verwendung gesetzt haben. Die anderen sparen aus Gewohnheit.

Die meisten Paraguayer ziehen es vor ihr Geld “unter der Matratze“ zu horten. In der Altersgruppe zwischen 18 und 29 gibt es jedoch einen schwindelerregenden Zuwachs von Personen, die Sparkonten und formale Finanzinstitute nutzen. Das ist auf den demografischen Bonus zurückzuführen.

Wochenblatt / ABC Color

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11 Kommentare zu “Das Sparen bereitet den Paraguayern Probleme

  1. Der Wille zum Sparen hängt auch von der Höhe der Zinsen, Inflation und Solvenz des Bankensystems ab. Da heute die Zinsen geringer als die gefühlte Inflationsrate ist und die Reklame der Menschheit vorgaugelt, dass Konsum glücklich macht wird Sparen gering geschätzt. Dies ist ein weltweites Problem auch in den Industrieländern mit Abzahlungskrediten für Autos, Kreditkarten, Studium und nicht zu vergessen für Urlaubsreisen, die dann vielleicht abbezahlt sind bis der nächste Urlaub fällig ist.

  2. In 3 Sätzen alles gesagt! Hinzu kommt noch, dass fast jeder Parguayer ein „in den Tag lebender Mensch ist“. Das „Heute“ ist wichtig. Morgen wird man dann weiter sehen. Irgendwie haben sie ja recht finde ich, wer weiss was morgen ist 😉

  3. Man kann sich natürlich sein ganzes Leben lang am Nasenring durch die Gegend ziehen lassen. Seitdem Geld zur Ware stilisiert wurde, geht den Leuten irgendwie die Realität flöten. Geld ist ein Tauschmittel, ohne Eigenwert sondern gedeckt von den zu „tauschenden“ Leistungen oder Waren. Außerdem erhöht sich der Wohlstand einer Gesellschaft mit steigendem Geldumlauf. Wenn der Aufruf zum Sparen von der Bevölkerung 100% umgesetzt würde gebe es mehrere Effekte. Die Inflation würde gebremst oder sogar zur Deflation da weniger konsumiert wird, die Ware also im Regal bleibt und Geld dem Umlauf entzogen wird. Die Armen, welche eh nicht sparen können, hätten es dann noch schwieriger. Die Geldumlaufmenge wird natürlich korrigiert werden, indem der Staat bei der privat geführten Zentralbank Kredite aufnimmt und über Lohnerhöungen oder sonstige Ausgaben kompensiert. Der nächste Effekt ist, es würde sich eine so genannte Sparblase bilden, welche irgendwann einmal zum platzen gebracht werden würde. Oder es wird reformiert und der arme Sparer verliert große Anteile seines Ersparten. so long!

  4. Wenn ich zu meiner paraguayschen Familie sagen würde: „mein ganzes Vermögen ist noch 100.000 Guaranies“, dann bin ich überzeugt, dass die Reaktion in etwa so ausfallen würde: „Que súper, a donde vamos a comer asado?“

  5. Das ist eigentlich einfach.Die Augen sind größe als der Verstand.
    Wer macht sich schon die Mühe und rechnet auf einen Zettel mit zwei Spalten die Einnahmen und Ausgaben zusammen.
    Zieht das eine von den anderen ab, den Rest darf man dann Ausgeben.Das gab es auch mal in Schule!
    Anders rum sie leben jetzt,morgen könnte man Tot sein. Was soll der Stress.Das letzte Hemd hat halt keine Taschen!

  6. Sparen ist ja auch in Europa nicht mehr so in.
    Spart man fürs Alter, ist man in den Augen der heutigen Moral-Diktatoren ein mieser Kapitalist. Hat man nichts, ist man ein ganz Armer – dem Sparer wird sein Erspartes weggenommen und dem gaaaanz Armen gegeben.
    Wie hat mal ein Kommentator einem pensionierten Arbeiter, der in seinem Leben ein Häuschen angespart hat, vorwurfsvoll geantwortet? Nicht jeder hat halt ein Haus…!
    In der Schweiz ist es üblich geworden, dass man sich seine 2. Rente auszahlen lässt, diese verprasst, und dann Renten-Ergänzungsleistungen verlangt – und erhält.
    Mit Hilfe der Linken gehen wir also in Richtung Paraguay, so wie es meine Vor-Schreiber schön beschrieben haben.

  7. Der Paraguayer hat kein Verhältnis zum Geld.
    Eine Tankstelle, wo der Liter Super 1.300 G mehr kostet als an der Tanke gegenüber, wäre doch in Europa binnen zwei Wochen pleite. Hier ist das nicht so, weil ja der Paraguayer nicht Liter tankt, sondern für 5.000 G oder für 20.000 G.
    Also gibt es keinen Preisunterschied!

    1. Es gibt auch kaum Paraguayos, wo beim Parkieren mit dem Auto, den Motor abgeschalten,,, wer das einmal ausrechn et wieviele Liter taeglich von den meisten unnuetz in die Luft geblasen werden! Es sollte mal ein Spezialist den sinnlosen Benzin/Diesel ??Verbrauch ausrechnen pro Tag und pro Jahr das ergibt sehr schnell ein neues Auto das von Anfang an weniger kostet!
      Von der Gesundheit in diesem Zusammehang ………

      1. Ja, das fällt schon auf, dass sie oft ihre Karre nicht abstellen. Frage mich immer, ob sie damit das Klima erwärmen wollen. Vor allem diese stinkigen Karren. Wegen fehlendem TÜV in Paraguay ist es wahrscheinlich so, dass sie die Karre nicht abschalten, weil sie schon 10 Minuten hatten bis sie sie angebracht haben. Meisten tanken sie eh nur für zwei Euro, da kann es schon passieren, dann die Karre zuerst dahin geschoben werden müsste, wo es leicht bergauf geht, damit sie wieder anspringt.

  8. Zum einen haben eben sehr viele Paraguayer nicht genug Einkommen, von dem sie etwas beiseite legen können.
    Genau wie viele Menschen in allen anderen Ländern auch.
    Sparen? Fast unmöglich auch für diejenigen, die es könnten.
    Denn kaum bekommt die Verwandtschaft mit, daß einer der ihren einen übrigen Guarani in der Tasche hat, kommt sie an und hält die Hand auf.
    Denn dann muß sich Tio Arnaldo einen Furunkel entfernen lassen, der kleine Primo braucht Schulsachen, die Suegra legt sich über die kalten Tage ins Krankenhaus oder die Mamá gönnt sich zwei Wochen im klimatisierten Hospital.
    Und wehe man gibt sein Geld nicht her……….
    Sagt man den Verwandten aber, man könne ihnen nichts geben, weil man ja die cuotas fürs Moto oder den Kühlschrank abbezahlen muß, das verstehen sie.

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