Der Chefermittler im Chaco

Neuland: Das Sicherheitsgefühl ist eines der grundsätzlichen Wünsche eines jeden Menschen. Ein Sachverständiger der interkolonialen Sicherheitsabteilung aus dem Chaco, gab dem Wochenblatt dazu einige Einblicke.

Auch in den Mennonitenkolonien im Chaco und deren Umgebung bleiben Verbrechen nicht aus. Herr Helmuth Adrian leitet seit 1992 den Kampf gegen das Verbrechen im Chaco. Zuerst nur für die Kolonie Neuland und seit 1998 ist er für alle drei Chacokolonien sowie Friesland und Volendam in Ostparaguay als Sicherheitsberater und Koordinator zuständig. Ein Jedermann kennt ihn als Comisario Adrian.

Im Chaco geboren, erlernte er in Deutschland den Polizeiberuf und arbeitete 17 Jahre in der deutschen Polizei. Davon war er 11 Jahre beim SEK Bielefeld, die zur Bekämpfung von Geiselnahmen, sowie bei schwerer und organisierter Kriminalität eingesetzt werden. Hier lernte er auch seine Frau Nicoletta kennen. 1990 kehrten sie mit ihren Kindern zurück in den paraguayischen Chaco. 1992 übernahm er dann als Berater diese Arbeit. Bei einem Gespräch verriet Herr Adrian dem Wochenblatt einige Details seiner Arbeit.

Wie müssen sich die Leser ihre Arbeit vorstellen?

Ich koordiniere die Sicherheitsarbeit im zentralen Chaco. Hierbei arbeite ich mit der Nationalpolizei, den Staatsanwälten und den Richtern zusammen. Zur Verbrechensbekämpfung arbeite ich hauptsächlich mit einer Brigade der Nationalpolizei mit Sitz in Neuland zusammen.

Diese Brigade wurde extra für die Aufklärung und Bekämpfung von schweren Verbrechen aufgestellt und ist für das ganze Departement und darüber hinaus zuständig. Wir arbeiten also nicht nur für die Koloniesbürger, sondern auch für alle hier wohnenden Menschen. Diese Brigade hat die Unterstützung der drei Chacokolonien und der Verwaltung des Departements Boquerón. Wir konnten in den 20 Jahren sehr erfolgreich arbeiten, so dass ca. 90% der schweren Verbrechen aufgeklärt werden konnten.

Mit welchen sicherheitsrelevanten Problemen hat man es im zentralen Chaco zutun?

Eigentlich haben wir es mit allen Arten des Verbrechens zutun. Es sind Viehdiebstähle im größeren Stil, Überfälle, Betrug um größere Summen aber auch Mord und Todschlag. Im Durchschnitt sind es ca. 15 bis 20 Fälle pro Jahr.

Welches waren die letzten schweren Straftaten?

Der Mord an den Pressesprecher von der Gobernación von Boquerón vor ca. 3 Wochen und der Mord an einem jungen Indigenen hier in Cayin o Clim, eine Indigenensiedlung im Zentrum von Neuland, der mit 16 Messerstichen niedergestochen wurde. Beide Fälle konnten relativ schnell aufgeklärt und die Täter festgenommen werden. Wobei die Ermittlungsarbeit und die Festnahme in Siedlungen der Indigenen immer eine spezielle Note haben.

Gelten für Indigene nicht andere Gesetzte?

Sie haben in ihren Siedlungen das Recht der Selbstverwaltung, aber bei Straftaten gilt auch für sie das paraguayische Strafgesetz. Außerdem arbeiten wir in ihren Siedlungen immer mit dem Häuptling und ihren “Comisarios“ zusammen. Alleine kommt man da nicht weiter. Bei ihrem Zusammenleben geht es immer um Großfamilien und Klans, die total verschlossen sind und keine Informationen herausgeben. Auch bei den Streitereien geht es meistens darum, dass eine Großfamilie gegen die andre hetzt. Manchmal liegt der Streit auch schon Generationen zurück. Wir haben aber auch ein relativ gutes Verhältnis mit den Autoritäten der Siedlungen der Indigene.

Beraten Sie auch andere deutschsprechende Bürger bezüglich der Sicherheit?

Ich werde in den Kolonien zu gewissen Anlässen eingeladen, um Vorträge über die Sicherheitsarbeit zu halten und Fragen zum Sicherheitsverhalten zu beantworten. Auch für die Deutsche Botschaft habe ich vor einigen Jahren ebenfalls über das gleiche Thema gesprochen. Jetzt hat die Deutsche Botschaft nach einem weiteren Vortrag für Oktober oder November in der Kolonie Independencia gefragt, wozu ich die Leser natürlich einladen möchte.

Vor etwas mehr als einem Jahr verschwand Herr Wilhelm Wabnegg im Nationalpark Defensores del Chaco. Welche Rolle haben sie bei der Suche gespielt?

Nachdem Herr Wabnegg Anfang Mai 2018 als vermisst gemeldet wurde, trat die Österreichische Botschaft an mich heran und bat mich um die Koordinierung der Suche nach Herrn Wabnegg. Wir organisierten dann eine großangelegte Suche mit Polizisten aus meiner Brigade sowie eine Gruppe Polizisten aus Asuncion und auch mit Indigenen vom Stamm der Ayoreos, die in dem Gebiet gelebt haben. Auch Expeditions-erfahrene Leute aus unseren Kolonien, die das Gebiet kannten, halfen bei der Suche mit. Der Einsatz vom Hubschrauber, Flugzeugen und Drohne, brachten ebenfalls leider keinen Erfolg. Die Mannschaften, die in diesem 720.000 Hektar großen Park tagelang zu Fuß unterwegs waren, haben alles gegeben, aber leider ohne Erfolg.

Gedanklich beschäftigt uns der Fall von Herrn Wabnegg noch bis heute. Wir werden auch noch täglich an ihn erinnert, denn sein Mercedes Rundhauber Wohnmobil steht noch immer hier bei der Polizei auf dem Hof.

Wochenblatt/ Helmuth Adrian

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