Der Volkssport Nummer Eins

Asunción: Nicht nur die Begeisterung beim Kauf von billigem Dosenbier vereint die Paraguayer. Auch beim Verbrennen von Müll, dem Volkssport Nummer Eins, nehmen sich die Wenigstens etwas.

“Müll oder trockene Grünflächen abzubrennen ist in Paraguay ein Volkssport“, so der HNO Allergie-Facharzt Juan Carlos Sisul. “Diese Art zu leben ist ein wichtiger Faktor beim sorglosen Umgang mit der Umwelt, ganz besonders wenn man die Waldbrände im Chaco ansieht. Die eingeatmete Luft ist hoch kontaminiert“, fügte er hinzu.

Wer 12 Dosen Bier für 20.000 Guaranies ersteht und dann beim Verbrennen der Dosen merkt, dass Aluminium nicht wie Papier in Rauch aufgeht, ist auch prädestiniert seinen kompletten Hausmüll zu verbrennen, uneingeschränkt ob dieser nur brennbare Materialen beinhaltet oder nicht. So wie beim Bier auf Mehrweg gesetzt werden sollte, bedarf es auch einer Mülltrennung, selbst wenn diese nur über öffentliche Mülleimer oder seltene Glascontainer umzusetzen ist.

Sisul erklärte, “dass die Basis für die Verbesserung des Lebensstils die Bildung ist. Im Bezug darauf müssen wir das das Wasser verbessern was wir trinken und nicht das gebrauchte Wasser auf die Straße leiten, keinen Müll verbrennen, den Hof in sauberem Zustand halten und den Müll trennen.“

Wochenblatt / Abc Color

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10 Kommentare zu “Der Volkssport Nummer Eins

  1. Ja, man müsste, sollte, aber in der Realität schaut alles dann anders aus.
    Spruch aller in Deutschland gewesenen Paraguayer: das wär ja soo sauber da…..
    Kein Problem, könnte auch in Paraguay so sein….

    1. Ja könnte, wenn jeder Hausbesitzer, der gemeldet ist, eine Zwangs Müllgebühr bezahlen müsste und wenn die Städte und Gemeinden das Geld nicht nur in die Tasche stecken sondern für eine ordentliche Müllentsorgung ( Verbrennungsanlagen) sorgen würden, nicht den Müll irgendwo, wo keiner wohnt, in die Natur kippen. das ist auch keine Lösung, sicher als Privat Person ist man den Müll erstmal los ohne ihn irgendwo hin zuwerfen oder abfackeln. Man könnte sogar mit Verbrennungsanlagen Strom, Wärme usw. erzeugen. Der Punkt liegt im “ könnte“, aber man will nicht.

  2. Gern würde ich mir mal einen oder mehrere Tipps geben lassen. Ich wohne in der Nähe von ITA. Nicht in ITA (!) Mit anderen Worten hier gibt es keine Müllabfuhr. Wo kann ich meinen Müll entsorgen ? In ITA wurden und werden sehr viele Mülleimer abgebaut. Vor Jahren hatte man die Möglichkeit den Müll in den öffentlichen Mülleimern zu entsorgen. Papier, Glas, Metall – An- und organischen Abfall konnte man trennen und überall entsorgen. Jetzt nicht mehr. (Fast) alle öffentlichen Abfalleimer sind abgebaut. Ich entsorge meinen Abfall jetzt bei den kleinen Abfalleimern der Supermärkte und habe stets ein schlechtes Gewissen dabei. Mag sein, das ich paranoid bin, aber ich wurde auch schon dabei fotografiert. Diese Art der Entsorgung scheint dem einen oder anderen ein Dorn im Auge zu sein. Klar sieht es neben den noch verbleibenden Mülleimern wie auf einer Müllkippe aus, aber das scheint niemanden zu stören. Also, bin für jeden Tipp dankbar. Und nein, ich werde nicht 30 km bis zur nächsten Mülldeponie fahren.

    1. Tipp:
      Bei uns bleibt eigentlich nicht viel Restmüll übrig. Pappe, Papier, Bierdosen und Konservendosen sammeln wir und geben diese bei der nächstgelegenen Resicladora gegen Vergütung ab. Bleiben Glas, was hier wohl keiner haben mag, deshalb soweit es geht,Konserven aus der Dose. Küchenabfälle, Eierkartons, sonstiges organisches Material werden kompostiert. Zu Einkaufen nehmen wir Taschen mit, um keine Plastiktüten mit nach Hause mitnehmen zu müssen. Wenn wir im Monat 5 l Restmüll haben ist das viel.

  3. Kuno Gansz von Otzberg

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    Beim Reifenverbrennen sollte man sich sehr genau ueberlegen wieviel Kg Rohgummi aus dem Gummibaum es braucht um einen einzigen Reifen herzustellen und in welchen miserablen chacaritaaehnlichen Umstaenden die Gummiernter in Thailand, Burma, Cambodscha, etc dahinvegetieren muessen.
    Rubber Tires – A dirty business | DW Documentary https://www.youtube.com/watch?v=-fusUxEPwsw
    Das Wiederaufarbeiten von Reifen, denn es wird ja nur die aeusserste Schicht abgefahren, ist quasi ein Muss. Ein wahres Verbrechen Reifen wegzuwerfen – wie neu erneuern lassen und fuer billig wieder in den Umlauf bringen.

  4. Kuno Gansz von Otzberg

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    Paraguayer sagen mir dass sie den Muell verbrennen MUESSEN, denn sie koennen sich schlicht und ergreifend die Muellabfuhr nicht leisten.
    Das koennte auch stimmen. Beispiel: Verwandte eines meiner ex Mitarbeiter sagen dass der Mitarbeiter schon ueber 1 Jahr nicht gearbeitet hat. Da er „sabe comer poroto y mandioca“ (er versteht Bohnen und Maniok zu essen) so hielte er sich ueber Wasser mit nem kleinen Schrebergarten wo er das Notduerftigste anbaut. Ansonsten aesse er auch mit der Grosssippe mit um so wenigstens ab und an an etwas Fleisch zu gelangen. Dieser lebt in Villa Hayes/Benjamin Aceval, also kurz vor Asuncion. Und so sieht es bei hunderttausenden Paraguayern aus – sie leben am Subsistenzminumum, aber kommen irgendwie ueber die Runden zumindest mit dem Essen. Bei Jeff Bezos (amazon.com) oder dem Super Seis werden sie allerdings nie einkaufen. Ob ich nicht Arbeit haette fuer diesen Senhor, fragten sie. Er wolle in kurzer Zeit zu viel Geld kommen, meinten sie. Die Zeiten zu schnellem und vielem Geld zu kommen waeren vorbei, meinte ich. Mir wuerde es durchaus nicht wundern wenn dieses die wirtschaftliche Situation von 50% der paraguayischen Gesellschaft sein duerfte. Solch desolate Finanzsituation heizt dann die Drogenmafia an, den Alkoholismus, Kriminalitaet, Missbraeuche aller Art und familiaere Gewalt.
    Die Leute haben einfach kein Geld fuer die Muellabfuhr. Apropo, in den Ballungszentren haette ich auch kein Geld fuer die Muellabfuhr und so stauen sie sich an oder man nimmt die mit „zur Fenz“ wo sie dann eben da abgefackelt werden. Ich selber wuerde nie dran denken fuer die Muellabfuhr zu bezahlen – den 50 tausender monatlich gebe ich lieber Jeff Bezos im Gegenzug fuer reale Sachen aus der 1. Welt. Die ueberteuerte Muellabfuhr in den mennonitischen Ballungszentren zu bezahlen – nein danke; man kann das Geld besser anlegen. Am besten ist gleich nichts mehr zu kaufen und so hat man auch keinen Muell der sich akkumuliert – good for the business, oder?
    Wenn immer mehr Leute von der Hand im Mund leben, uebrigens nicht nur paraguayer sondern auch Mennoniten, so bleibt einfach kein Geld mehr uebrich fuer solchen Luxus wie die Muellabfuhr. Schmeiss die Muellsaecke unterwegs ueber den Zaun in anderer Leute Viehbetriebe rein – geloest ist das Problem. Muss nur rechts und links sehen dass da kein Auto kommt oder gar ein Polizeiauto vorbeifaehrt.

  5. Auch so eine Idiotie! Da beklagen sich Politiker und sonstige Berufene über das Verbrennen von Hausmüll. Natürlich ist das eine riesige Schweinerei und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Nachbarn und der Umwelt. Aber …. wer sind denn die Verantwortlichen für diesen Umgang mit Müll? Klare Antwort: DIE POLITIER DES LANDES! Wer nicht dafür sorgt, daß überall und flächendeckend eine ordentliche Müllentsorgung organisiert wird, der muß sich doch nicht wundern, wenn die Menschen den Müll auf ihre Art entsorgen. Die Einen werfen ihn aus dem Auto in den Straßengraben, die Anderen entladen ihn einfach wild in der Gegend. Und natürlich wäre es ein Leichtes eine funktionierende Müllentsorgung zu schaffen. Durch die Einführung einer obligatorischen Müllentsorgungsgebühr für JEDEN GRUNDSTÜCKSEIGENTÜMER und gleichzeitiger flächendeckender Müllabholung. Dazu das Aufstellen von großen Müllcontainern auf öffentlichen Plätzen, betrieben von den Kommunen. Sind die hiesigen Politiker wirklich so dumm, daß sie nicht mal auf solch simplen Ideen kommen, oder ist ihnen das alles einfach vollkommen egal? Aber auch die hiesige Presse kommt nicht auf solche Ideen, denn sonst würde sie mal entsprechende Aktionen starten und auf die Politiker Druck ausüben. Ich begreife die Logik hier selbst nach 17 Jahren nicht. Manchmal denke ich, zu meiner eigenen Beruhigung, „alles Idioten um mich herum“ – damit wollte ich niemand persönlich beleidigt haben, doch irgendwie muß man sich abreagieren um all den Wahnsinn ertragen zu können, mit dem man täglich konfrontiert wird.

  6. Dieser Artikel, müsste eigentlich einen Freudentanz bei einem der Kommentatoren auslösen.
    Endlich werden seine Ansichten zum täglich Billigdosenbier, Müll abfackeln usw. tatsächlich in einer einheimischen Zeitung
    als Volkssport Nr.1 anerkannt.

    1. vecinos-con-müllabfuhr

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      du meinst den typ, der in der armensiedlung wohnt und sich nun jeden tag hier beschwert, dass sich die nachbarn lieber polarbier statt der müllabfuhr leisten? ich schätze mal ihm ist das geld ausgegangen und ist jetzt beschäftigt toten hund, vollgekackte windeln, e lampen, batterien und sonstig brennbares in seinem 200m² großen garten abzufackeln lol.

      ich persönlich lebe ja noch zur miete, und habe bereits an mehreren orten gewohnt. und alle meine nachbarn hier bezahlen die müllabfuhr. vielleicht liegt es daran, dass ich in einer gegend wohne, wo die miete mehr als 800.000 pro monat kostet. und wenn ich in ein paar jahren ein objekt kaufe, dann werde ich schon darauf achten, dass sich die nachbarn die müllabfuhr leisten können und nicht toten hund, vollgekackte windeln, e lampen, batterien und sonstig brennbares neben meinem haus abfackeln.

      ich bin wahrhaft ein kluger kopf, findet ihr nicht auch? 🙂

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