“Die Parteien handeln die besten Plätze für die schlechtesten Politiker aus”

Asunción: Klar, direkt und ohne Tabu sagt der Direktor des Notfallkrankenhauses, Aníbal Filártiga, was er denkt wenn es um Politik geht. Dabei zweifelt er nicht an den schlechten Absichten der meisten Vertreter.

Warum haben Sie es abgelehnt in die Politik zu gehen?

– Ich hatte Angebote von verschiedenen Sektoren, keine der Colorado Partei. Ich hab viel nachgedacht. Meine Familie wehrt sich jedoch dagegen das ich so etwas akzeptiere. Mein Temperament und meine Art helfen da sicherlich auch nicht weiter.

Haben Sie niemals darüber nachgedacht, dass sie ein Faktor beim Umdenken in der Politik sein könnten?

– Es ist ein einziges Grau. Kein weiß, kein schwarz. Es ist möglich, dass wenn ich ins Parlament kommen würde, nur frustriert wäre – weil man in eine Welt eintaucht, die einfach nur kontaminiert von politischen Kannibalismus ist. Wenn einer seine Heimat liebt, sollte er sie lieben von da wo er steht. Ich bin hier nützlicher als im Parlament.

Ist es so schwer die Politik zu erneuern?

– Ich glaube das ist auf der ganzen Welt gleich. Man passt sich eher einem Platz an als neuen zu beanspruchen. Vielleicht schaffen es die nächsten Generationen mit besserer Bildung progressiv voranzukommen in einem Land welches demokratischer ist. Vielleicht ist mein Moment in 20 Jahren, doch da liege ich schon unter der Erde.

Was wurde ihnen angeboten?

– Mir wurde Platz 1 auf einer Liste angeboten (Senator oder Abgeordneter) und bei einem anderen Angebot sollte ich einen Kandidaten öffentlich meine Unterstützung aussprechen. Habe beide abgelehnt.

Was halten sie von den Kandidaten der Colorado Partei, wer ist unter denen der Beste?

– Dazu hab ich schon einmal meine Meinung gesagt, will mich nicht wiederholen.

Wie sehen Sie die aktuelle Konjunktur in Hinblick auf die Wahlen im nächsten Jahr?

Wir haben keine wahre Demokratie sondern ein System was die Redefreiheit, den Wille des Volkes und die Wahlen langsam sterben lässt. Eine moderne Apokalypse mit vier Reitern, die politischen Parteien, die korrupte Justiz, der politische Kannibalismus und das Ansehen der Politiker in sozialen Netzwerken.

Welches Ansehen haben die politischen Parteien?

– Sie wurden schon immer von einer Gruppe von Personen geleitet, die sich an ihren Plätzen fest schweißen ließen. Es sind die, die Entscheidungen treffen, die die Kandidaten auswählen, die die Wahllisten ausarbeiten und den ganzen Parteiapparat und die Gelder kontrollieren, die vom Staat kommen. Diese handeln die besten Plätze für die schlechtesten Politiker aus, einige von ihnen sogar unter Anklage.

Glauben Sie, dass durch die Parteiführung niemals ein echter Wechsel zu erwarten ist?

– Absolut. Es muss doch Gründe geben warum Víctor Bogado, Ibáñez, Elio Cabral, Enzo Cardozo, Salyn Buzarquis und weitere sich anstatt sich vor Gericht zu rechtfertigen immer noch Immunität durch politische Ämter suchen. Stellen sie sich mal vor ein Eligio Ayala oder Bernardino Caballero würden noch leben und sich als unabhängige Kandidaten aufstellen lassen. Im Bestfall bekommen sie 200.000 Stimmen von den Träumern während 1,5 Millionen Stimmen auf den Kandidaten der traditionellen Parteien abfallen. Sie machen unabhängige Kandidaten mundtot und kontrollieren alles.

Was meinen Sie wenn sie von politischem Kannibalismus sprechen?

– Obwohl die Regierung Infrastruktur, Häuser für Arme und Stipendien brachte, wird ihr nichts als Positiv angerechnet. Man sollte schon anerkenne was getan wurde. Auf der anderen Seite nimmt die Regierung keinen einzigen Ratschlag an der aus der Opposition stammt, die durchaus interessant sein könnten. Da müsste es einen Mediator geben, aber hier sind halt alle gegen alle.

Was waren ihrer Meinung nach die Fehler der jetzigen Regierung?

– Es wurden drei Fehler begangen. Cartes hat sich in die interne Wahl eingemischt und Stellung bezogen. Er hätte als Präsident aller Paraguayer auftreten sollen und nicht nur der Colorados. Dann wollte er die Wiederwahl, obwohl er es Monate lang abstritt. Der Dritte Fehler war seinen politischen Mitstreitern Glauben zu machen, dass der Kandidat aus mehreren ausgewählt würde, obwohl seine Wahl schon längst getroffen war. Die Direktive der ANR hat das akzeptiert ohne mit der Wimper zu zucken.

Warum sprechen sie von perversen Verhalten in sozialen Netzwerken?

– Obwohl sie einem Jeden die Möglichkeit gibt seine Meinung abzugeben oder an Diskussionen teilzunehmen gibt es eine Menge von falschen Profilen die aus der Anonymität heraus unverantwortlich persönliche oder politische Rechnungen begleichen wollen. So etwas lässt das Vertrauen schwinden, keiner glaubt mehr was er liest, da es Armeen von Leuten gibt, die für oder gegen einen politischen Kandidaten schreiben. Ein Beispiel ist Nicanor Duarte Frutos.

Warum?

– Jedes mal wenn Duarte Frutos in der Presse auftaucht greifen sie ihn mit Samthandschuhen an, sie leiben ihn und zeigen nur eine Facette von ihm, obwohl er viele hat.

Welche?

– Die Mehrzahl der Kommentare, die unter den Artikeln auftaucht, ist von seiner Armee geschrieben. Sie loben ihn als reinrassigen Politiker und ein Intellektueller. Er hat ein enormes Vermögen und keiner hat dies je genauer untersucht. Die falsche Facebook Profile verdrehen alles an seiner Person.

Welche Projekte erwarten Sie von den Parlamentariern im Gesundheitsbereich?

– Sie sollten in zwei Szenarien denken. Eines, dass alle 50 km ein gutes Krankenhaus zu finden ist sowie ein Netz aus Ambulanzen, damit die Einlieferungen nicht zu lange dauern. Aber das wird noch lange dauern. Vor 2030 kommt es nicht dazu. Das zweite Szenario ist, das 90% aller Patienten aus dem Inland nach Asuncion kommen und wir uns demnach besser vorbereiten sollten. Wir bräuchten 100 weitere Betten in den Krankenhäusern Ineram, San Jorge, Acosta Ñu und dem Hospital Nacional. Es muss alles darauf ausgelegt werden mehr Patienten aufnehmen zu können. Die meisten sterben wegen den langen Überfahrten.

Wochenblatt / Última Hora

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5 Kommentare zu ““Die Parteien handeln die besten Plätze für die schlechtesten Politiker aus”

  1. Leider so wie überall auf der Welt.Die besten Köpfe wenden sich von der Politik ab,da diesen jegiches
    Verständniß für den immerwährenden Kreislauf ödester Machart von den bestimmenden Politikern
    gehandhabt,und oft bis zum Exzess vorangetrieben wird.
    Machterhalt um jeden Preis ist die Devise derer,die sich mit „Zähnen und Klauen “ festhalten,und ihre
    Plätze bestens zu verteidigen.
    Es wird immer so sein,und wir sollten sich besinnen ,daß dies permanent so weitergeht.
    Schönen Sonntag noch.

    1. Als alter Pessimist gebe ich Ihnen recht. Allerdings erlebe ich als Schweizer, dass die ausgebauten Mitspracherechte dieses ganze politische Elend erheblich mindern. Aber wer wird schon das Volk mitentscheiden lassen? In D zum Beispiel gilt immer noch das Wort von Bismarck: Vox Populi, Vox Rindvieh. Und Merkel macht mit ihren einsamen Entscheidungen den Führer, und wird natürlich wieder gewählt.

  2. Ein Volk hat die Führer, die es wählt. So in Paraguay, so in Deutschland. Oder mit den Worten von FJS ausgedrückt: „Die dümmsten Kälber wählen sich die Schlächter selber!“ Oder etwas geistreicher: „Wenige Bürger sorgen dafür, daß etwas geschieht. Viele Bürger sorgen dafür, daß nichts geschieht. Noch mehr Bürger sehen zu, wie etwas geschieht und die überwältigende Mehrheit hat keine Ahnung was überhaupt geschehen ist.“

    1. Genau da liegt das Problem! …….. die ueberwaeltigende Mehrheit hat keine Ahnung! Das einzige wo Sie kennen ist, wer bezahlt, bekommt meine Stimme! Wen Sie gewaehlt haben wissen die meisten gar nicht!
      Jetzt sind wir schon wieder bei der fehlnden Bildung der Professoren und der wenigen Schueler die eine Schule besuchen
      Erst wenn dieses Problem einmal geloest ist wird Paraguay eine erfolgreiches Land

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